Krypton: Review der Pilotfolge des Superman-Prequels

© zenenfoto aus „Krypton“ (c) SyFy/Warner Bros.
Im Superheldenbereich gibt es kaum eine Figur, die schon so oft und in den verschiedensten Varianten ins Fernsehen kam. Allein in den letzten 25 Jahren gab es dort Lois & Clark - The New Adventures of Superman, Smallville, Supergirl und nun eben Krypton, während auch eine Serie namens Metropolis schon in den Startlöchern steht. Dazu kommen Animationsserien und Spielfilme. Keine davon hat sich aber bisher ausgiebig mit der Zeit vor der Geburt von Kal-El befasst, was Krypton vom US-Sender Syfy nun nachholen möchte. Vereinzelte Serienfolgen oder der Anfang von „Man of Steel“ haben schon eine Welt ohne Superman gezeigt, aber hier gehen wir gleich ganze 200 Jahre in die Vergangenheit - und doch wirft der größte Superheld des DC-Universums bereits seinen Schatten voraus.
Kandor City und Krypton werden als fortschrittliche Klassengesellschaften gezeigt, die aber in manchen Belangen doch recht rückständig sind. Das Oberhaupt des Hauses El wird für ein angebliches Verbrechen bestraft und seine Familie zu ranglosen Bürgern gemacht, so dass ihr gesellschaftlicher Wert sich gen null neigt. Sein Verbrechen: Er hat Forschungen angestellt, dass es Leben außerhalb von Krypton gibt und Beweise gefunden, die untermauern, dass eine Gefahr für den ganzen Planeten droht. Sein Enkel Seg-El muss mit ansehen, wie sein Opa entehrt und seinem Schicksal überlassen wird. 14 Jahre später ist Seg-El (Cameron Cuffe) zu einem rebellischen jungen Mann geworden, der Ungerechtigkeit gegen Schwächere zwar nicht toleriert, sich aber seinen Lebensunterhalt mit fragwürdigen Wetten in einer Taverne verdient. Seine Eltern verbergen einige Geheimnisse vor ihm und versuchen, ihn so zu schützen. Doch der fremde Zeitreisende Adam Strange (Shaun Sipos) von der Erde, weiht ihn über das Vermächtnis des Großvaters und die drohende Gefahr ein. Nebenbei führt er eine verbotene Beziehung zu Lyta-Zod (Georgina Campbell), die zur Eliteeinheit der Sagitari gehört, dem ausführenden Arm der Machthaber.

Bei einem Bombenanschlag auf die Führungsriege schreitet der Protagonist ein, was dazu führt, dass er die Chance erhält, seinen beschmutzten Namen reinzuwaschen und durch eine arrangierte Heirat zum Teil des Hauses Vex zu werden. Die Vex-Tochter Nyssa-Vex (Wallis Day) willigt dazu ohne große Widerworte ein und scheint selbst einige Geheimnisse zu verbergen. Inspiriert durch die Worte von Adam Strange, der Seg-El auf eine fortress of solitude (Festung der Einsamkeit) seines Großvaters hinweist, stellt der junge Mann Nachforschungen an, die ihn mit dem Establishment aneinandergeraten lassen. Schließlich entscheidet sich seine Mutter Charys-El (Paula Malcomson)dazu, ihr Leben zu riskieren, die Geheimnisse der Familie mit ihrem Sohn zu teilen und ihn über seine Forschungen zu unterrichten. Damit bricht sie wissentlich das Gesetz und muss sich daher vor diesem verantworten. Statt jedoch ihren Sohn zu belasten, opfern ihr Mann Ter-El (Rupert Graves) und sie sich selbst, damit Seg-El eine Chance auf die Rettung des Planeten erhält. Zusätzlich taucht auch Strange wieder auf, der Seg-El mitteilt, dass die Zeit drängt. Als Indiz gilt Supermans Cape, das zu verschwinden droht, wenn sein Vorfahre dem Collector of Worlds aka Braniac nicht Einhalt gebietet.
Super-Opi
Für die meisten Zuschauer, die dem Serienpiloten von „Krypton“ eine Chance geben, steht die Frage im Raum, wie spannend die Prämisse für sie klingt und ob ein Vorfahre des Manns aus Stahl ganz ohne Superkräfte spannend genug für eine eigene Serie ist. So ganz überzeugt hat mich der Auftakt vom Sinn oder Unsinn dieser Serie jedoch noch nicht. Der Weltenaufbau ist okay, aber nicht herausragend. Das ungeschriebene Sci-Fi-Gesetz, dass solche Welten dunkel (zu dunkel), düster und lederig aussehen sollen, wird erfüllt und auch das gute alte Liebesdreieck und die fast schon obligatorische verbotene Liebe dürfen ebenfalls nicht fehlen. Die Schauspieler machen einen soliden Job, aber für mich gibt es niemanden, der bislang positiv heraussticht. Charismaansätze sind durchaus vorhanden, aber einen Wow-Faktor, der dafür sorgt, dass ich nur wegen bestimmter Darsteller dranbleibe, habe ich nicht gesehen.
Shadow of the Superman
Superman-Anspielungen gibt es tatsächlich eine Menge, aber vom leider enttäuschenden Gotham habe ich die Lehre gezogen, dass Anspielungen und Easter Eggs noch lange keine gute oder faszinierende Geschichte ausmachen. Immerhin entscheiden sich die Autoren rund um David S.Goyer dafür, den Rahmen der Story relativ übersichtlich zu halten. Die Els, die Zods und die Vex stehen vorerst im Fokus und allesamt verheimlichen diverse Sachen, wie es scheint. Lytas Mutter beispielsweise weiß von der Affäre ihrer Tochter und Seg-El und zeigt auch Empathie gegenüber dessen Eltern, weil es auf Krypton offenbar Schicksale gibt, die schlimmer als der Tod sind, womit sie sicherlich auf die aus der Mythologie bekannte Phantomzone anspielt. Besagte Festung der Einsamkeit sieht aus wie in der Comicvorlage oder auch das entsprechende Level aus „Injustice 2“ und Adam Strange ist eine Figur, die bisher noch relativ unverbraucht ist, was Realverfilmungen von DC-Material angeht. Der kurze Teaser auf den Oberschurken Brainiac gefällt mir allerdings und könnte eine vielversprechende Storyline sein, wenn man sie richtig umsetzt. Fragt sich nur, wie man der mächtigen künstlichen Intelligenz ohne Superkräfte beikommen will. Aber da wird Herr Strange sicherlich noch ein Wort mitzureden haben...
Ist das Ende der Geschichte schon bekannt?

Eine Vorabkritik am Serienkonzept galt auch für Gotham und dessen Figur James Gordon: Warum sollten die Zuschauer ihre Zeit in eine Serie investieren, wenn ohnehin feststeht, wie die Serie prinzipiell ausgeht? Gordon wird nie große Erfolge feiern und das Verbrechen besiegen, weil sonst Batman keine Existenzberechtigung hat. Bei Krypton und dem Superman-Mythos steht hingegen unausweichlich fest, dass der Planet explodieren muss, damit Kal-El zu Clark Kent und schließlich Superman werden kann. Wobei es hier schon einen Ausweg gibt: Die Serie spielt in Kandor City, ein Ort, der im Verlauf der Comicvorlage zur Flaschenstadt schrumpft und dessen Bewohner gerettet werden können. Vielleicht ist das Minimalziel aber auch wirklich nur, Brainiac zu überlisten, denn dadurch, dass die Serie 200 Jahre vor der Geburt des legendären Helden spielt, hat man vielfältige Optionen, um eine bisher noch nicht erzählte Geschichte umzusetzen.
Fazit

Der Auftakt von Krypton ist in meinen Augen ein solider, aber etwas höhepunktarmer Serienpilot, der es aufgrund seiner Prämisse und trotz Superman-Verbindung nicht unbedingt leicht haben wird, bei den 08/15-Zuschauern zu landen. Es mangelt nicht an echten - und in vielen Fällen besseren - Superman-Alternativen, warum also der Geschichte seines Großvaters folgen? In meinen Augen schaffen es die Serienmacher noch nicht, die Antwort darauf überzeugend zu liefern. Als Superman-Fan bin ich gewillt, noch etwas Geduld zu beweisen, wenn es aber doch qualitativ nach unten geht, bin ich der erste, der per Rakete die Flucht ergreift.