Krapopolis 1x01

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In Corona-Zeiten und auch während des laufenden Hollywood-Streiks haben sich Formate, die keine physischen Dreharbeiten erfordern, für FOX als äußerst praktisch erwiesen. Der US-Networksender versucht immer wieder, das etablierte Animationsserien-Trio The Simpsons (seit 1989), Family Guy (seit 1999) und Bob's Burgers (seit 2011) mit einem weiteren zuverlässigen Titel zu erweitern. Frühere Fehlversuche wie Son of Zorn, Bless the Harts und Duncanville wurden rasch eingestampft - und auch bei The Great North und Housebroken darf man skeptisch bleiben.
Große Hoffnungen setzt der Sender nun aber auf Krapopolis, das neuste Werk von Community-Schöpfer Dan Harmon, dem mit Rick and Morty im Adult-Animation-Genre einer der größten Hits der letzten zehn Jahre gelungen ist. Die oft sehr derbe Sci-Fi-Serie hat im Kabelfernsehen natürlich völlig andere Freiheiten - weshalb es nun umso interessanter schien, wie sich Harmon wieder im etwas braveren Broadcast-Bereich zurechtfinden würde.
FOX hat gleich drei Staffeln vorabbestellt. Mit Richard Ayoade (The IT Crowd), Matt Berry (What We Do in the Shadows), Pam Murphy (Get Shorty), Duncan Trussell (The Midnight Gospel) sowie der Emmypreisträgerin Hannah Waddingham (Ted Lasso) konnte zudem ein erstklassiger Voice-Cast zusammengetrommelt werden. Die nun veröffentlichte Pilotepisode (All Hail the Goddess of Likability!) überzeugt zumindest mit einer hohen Gagdichte.
Worum geht's in der Serie „Krapopolis“?
Für viele Zuschauer:innen - mich persönlich eingeschlossen - dürfte auch das sagenhafte Setting in der Welt der griechischen Mythologie sehr ansprechend klingen. Die „Abenteuer“ von Zeus, Poseidon und Co mögen zwar schon Tausende von Jahren alt sein, können sich aber noch immer mit modernen Superheldencomics messen. Und sie bieten sich zudem perfekt für eine Comedyserie an, weil fast alles, was die Bewohner:innen des Olymps so getan haben, satirisch überspitzt wirkt.
„Krapopolis“ spielt eine Etage tiefer: Im Mittelpunkt steht der Menschenkönig Tyrannis (Ayoade), der im antiken Griechenland die erste Zivilisation errichten will. Seine rabiate Schwester Stupendous (Murphy) hält derweil an den Tagen der Barbarei fest, während sein fischiger Bruder Hippocampus (Trussell) an Erfindungen tüftelt, die die Welt noch nicht gesehen hat. Es ist eine seltsame Familie, noch bevor wir überhaupt die Eltern kennenlernen: Das sind zum einen der Chimärenvater Shlub (Berry) und die egozentrische Göttin Deliria (Waddingham).

Die „echten“ bekannten Gottheiten wie Athene (Amber Stevens West) oder Hermes (Michael Urie) tauchen hin und wieder nur als Gaststars auf. Filmstar Ben Stiller („Nachts im Museum“) soll beispielsweise als Prometheus zu hören sein. Ihre Legenden kennen wir schon zur Genüge, weshalb es wohl auch klug von Harmon und Konsorten war, sich auf selbst erfundene Figuren zu konzentrieren. Zwar springt der Funke in der ersten Episode noch nicht ganz über, aber das dauert bei den meisten Serien etwas länger. „Rick and Morty“ haben einst ebenfalls als Karikaturen angefangen.
Humoristische Höhepunkte gibt es dafür schon sehr früh: Allen voran fällt einem dazu Tyrannis' Vortrag ein, was ein zivilisiertes Zusammenleben ausmacht (nämlich Faulheit); genauso wie die Aktion der Geschwister Stupendous und Hippocampus mit dem Trojanischen Pferd beim verfeindeten Nachbarstamm. Waddingham und Berry als Elternpaar funktionieren auch fantastisch, wobei die Dynamik der Charaktere vielleicht ein bisschen zu sehr an Berrys Part bei What We Do in the Shadows erinnert (Stichwort sexuelle Offenheit).
Man darf sehr gespannt sein, was sich die Macher:innen der Produktion - neben Harmon ist natürlich auch der Showrunner Jordan Young zu erwähnen, der sich seine Sporen zuvor bei BoJack Horseman verdient hat - für die Auftaktstaffel alles ausgedacht haben. Die Möglichkeiten scheinen jedenfalls endlos, da ja auch die Mythologie, auf die man sich zwinkernden Auges beruft, so ergiebig ist. Allein, wenn man an die potentiellen Gastauftritte denkt...
Wie ist die Serie „Krapopolis“ gelungen?
Alles in allem bietet Krapopolis ein vielversprechendes Debüt. Die Grundelemente stimmen bei der neuen FOX-Animationsserie, allen voran der Humor und das tolle Setting. Inwiefern sich auch die Figuren für die Erzählung als tragfähig erweisen, bleibt noch vorsichtig abzuwarten. Man sollte auch aufpassen, das neue Werk von Dan Harmon zu sehr an seinen früheren Arbeiten zu messen. Wie gesagt: „Rick and Morty“ hat bei adult swim viel mehr Narrenfreiheit als der Neustart jemals bei einem Network haben könnte.
Somit kann man fairerweise vielleicht festhalten, dass wir es hier mit einer bislang nur mittelmäßigen Dan-Harmon-Serie zu tun haben, aber dafür mit einer guten FOX-Serie. Gut möglich, dass der Sender endlich das Format gefunden hat, das sein Animationsquartett auf längere Sicht komplettieren kann. Zumal ja eh schon drei Staffeln vorbestellt sind. Für den Anfang gibt es von uns vier von fünf Schlangen verliehen!
Hier abschließend noch der Trailer zur nun gestarteten Animationsserie „Krapopolis“:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 25. September 2023Krapopolis 1x01 Trailer
(Krapopolis 1x01)
Schauspieler in der Episode Krapopolis 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?