Kohlrabenschwarz 1x01

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Das passiert
Stefan Schwab (Michael Kessler) ist ein guter Psychologe und hat sein Können jahrelang der Rosenheimer Polizei als Opferbetreuer zur Verfügung gestellt. Doch der Job forderte seinen Tribut: Schwabs Frau verließ ihn und hat das Haus behalten, während er sich in die Kleinstadt zurückzog. Als er nach Rosenheim zurückkehrt, bittet ihn sein alter Freund, Kommissar Falbner (Jürgen Tonkel) darum sich mit einer Serie verschwundener Jugendlicher zu befassen, die Aussagen zufolge in einen Transporter gezogen worden. Nach und nach stellt sich heraus, dass der Fall doch recht mysteriös ist, denn mit einem Mal scheint die alte bayrische Sage vom Kraxelmann zum Leben zu erwachen.
Und es kommt noch schlimmer. Ein Fremder sendet Schwab ein Märchen- und Sagenbuch mit Schauergeschichten zu, die nun Wirklichkeit werden. Geht die Polizei hier einem ausgeklügelten, hochintelligenten Serientäter auf den Leim oder steckt vielleicht sogar eine höhere Macht hinter den Geschehnissen? Schwab, der Freund seiner Ex Susanne (Bettina Zimmermann), ihr neuer Lebensgefährte Pfarrer Franz Hartl (Peter Ketnath) und die engagierte Polizistin Anna (Bettina Lamprecht) gehen auf Spurensuche und stoßen dabei auf Unglaubliches.
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Sagen und Legenden
Wer die inzwischen auf zwei Staffeln angewachsene Hörspielserie Kohlrabenschwarz von Tommy Krappweis und Christian von Aster kennt, hat eine recht genaue Vorstellung davon, worum es sich bei dieser ebenso intelligenten wie charmanten Mixtur aus Mysteryserie, LokalKrimiserie und Comedyserie handelt. Allen anderen sei an dieser Stelle bereits ein näherer Blick wärmstens empfohlen, denn die TV-Adaption der Hör-Produktion spielt in der deutschen Fernsehlandschaft aufgrund seiner Einzigartigkeit in einer eigenen Liga.
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Einerseits glänzt die sechsteilige Debütseason mit der Verwendung von lokalem Sagen- und Legendengut, das mal mehr, mal weniger bekannt ist. Zumindest dürften Geschichten wie die des Kraxelmannes und die der unseligen Thomasnacht jenseits Bayerns und Baden-Württembergs eher unbekannter sein. Anders sieht es vielleicht mit der Perchta aus, die in Mitteldeutschland als Frau Holle Einzug in die Märchenlandschaft hielt. Gemeinsam haben all diese Erzählungen, dass sie den Rahmen für eine Geschichte bieten, die wir für die Nichtkenner der Audiovariante an dieser Stelle nicht weiter ausführen wollen.
Mehr als nur Crime
Angemerkt sei nur, dass der Mysteryserieaspekt eine große Rolle spielt und ausgiebig mit ihm gespielt wird. Um noch mehr Würze ins Spiel zu bringen, kombinieren die Serienmacher die Fantastikelemente mit einem kräftigen Schuss Krimi und einer wohldosierten Prise bissigen, teils zynischen Humors. Die Fälle, die in den sechs Episoden auf den Tisch kommen, sind dabei so miteinander verknüpft, dass am Ende eine horizontale und stringente Erzählweise steht, die mit einem, nein, eigentlich eher zwei Cliffhangern endet.
Schön ist, dass sich die einzelnen Folgen an keiner Stelle gestreckt oder holprig anfühlen, sondern flott und dramaturgisch geschickt gestaltet sind. Die Einleitung ist nicht zu lang, der Mittelteil baut Spannung auf und das Ende ist actionreich. Zudem sind die Plotpoints ansprechend gesetzt und schaffen es, Fragen aufzuwerfen, ohne das Konzept wahllos über den Haufen zu werfen. So muss das sein.
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Der Figurenaufbau
On top haben sich Krappweis und seine Mitstreiter Figuren einfallen lassen, die echte Originale sind und in der vorgestellten Konstellation immer wieder für humorige, oft genug aber auch für spannungsgeladene Situationen sorgen. Niemand ist in Kohlrabenschwarz allein die Person, die man oberflächlich betrachtet sieht. Stets existiert eine zweite figurale Ebene, die den Protagonisten Tiefe und Substanz verleiht.
Schwab ist beispielsweise ein Polizeipsychologe, der sich ein ums andere Mal zu weit in seine Fälle verstrickt und sich damit sein Privatleben verbaut hat. Er ist desillusioniert und bissig, aber auch hilfsbereit und gutherzig. Doch dies sind nicht seine einzigen Seiten. Über die genannten Attribute hinaus verfügt er über eine Art zweites Sein, die es ihm überhaupt erst ermöglicht, die übernatürlichen Fälle zu lösen, die Rosenheim heimsuchen.
Dasselbe trifft auf fast jede Person zu, auf die wir im Verlauf der Season treffen. Jede einzelne hat ihre ganz eigene Funktion und erfüllt auf ihre Weise einen tieferen Sinn. Als besonders spannend dürften sich in Staffel zwei die Geheimnisse von Franz Hartl erweisen, der für einen Pfarrer über enormes kämpferisches Potential verfügt und es trotz seines Kollars und frommer Sprüche faustdick hinter den Ohren hat.
Sein Schicksal ist im großen Finale Teil des Cliffhangers und es wird interessant sein herauszufinden, was genau hinter der Figur steckt. Überhaupt hat die überraschende Doppelfunktion unserer Heldinnen und Helden einen hohen Unterhaltungswert, schon allein, weil niemand verheizt wird und jeder Protagonist eine Daseinsberechtigung hat.
Locations, Setdesign und Spezialeffekte
Der sehr gute Gesamteindruck, den Kohlrabenschwarz hinterlässt, macht sich außerdem an den sorgfältig gewählten Locations und den Szenenbildern fest. Man merkt der Serie an, dass, wann immer möglich, an echten Schauplätzen und nicht im Studio gedreht wurde. Waldabschnitte, Hütten, alte Gemäuer und einiges mehr ergeben gemeinsam mit einer stimmungsvollen Beleuchtung
und einer bisweilen aus dem Horror entliehenen Kameraführung einen tollen visuellen Background, der gut zum Thema passt und uns tief in den jeweiligen Höhepunkt der Folgen eintauchen lässt. Doch auch für ruhige, dialoggetriebene Momente ist gesorgt, die oft die große Ruhe vor dem Sturm darstellen und nicht mit Hintergrundinformationen über die Serienmythologie sparen.
Abschließend noch ein paar Worte zu den Spezialeffekten. Es sollte klar sein, dass ein Vergleich mit großen Hollywood-Produktionen eher sinnlos ist. Krappweis war sich dieser Tatsache von Anfang an bewusst und setzt daher CGI relativ sparsam, aber sinnvoll und optisch angemessen ein. Die Szenen, die leicht erkennbar mit dem Computer bearbeitet wurden, sind möglichst kurz gesetzt und legen den Fokus auf das Geschehen, eine gute Entscheidung, die aus der atmosphärischen Perspektive goldrichtig ist.
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Fazit

Na bitte, es geht doch. Da sag noch einer, in Deutschland gäbe es keine originellen Genreserien. „Kohlrabenschwarz“ ist alles andere als konservativ, auch wenn sich die Darstellerriege aus erfahrenen Schauspielerinnen und Schauspielern rekrutiert. Und das ist gut so, denn Michael Kessler zeigt die ganze Bandbreite seines Könnens, Peter Ketnath ist ein charmanter Actionhero und Jürgen Tonkel das Urgestein. Bettina Zimmerman ist herrlich trocken und Bettina Lamprecht sympathisch.
Eine bessere Gruppe für eine derartige Quest kann man sich kaum wünschen. Hinzu kommt eine witzige, urige, aber auch mysteriöse und düster-spannende Geschichte, die routiniert inszeniert ist sowie gekonnt Genres durcheinanderwürfelt und zu etwas Neuem zusammenfügt. Gerne mehr davon. Viereinhalb von fünf bayrischen Sagen.
Hier der Trailer zum Serienstart von „Kohlrabenschwarz“ beim Streamingdienst Paramount+:
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 8. Juni 2023Kohlrabenschwarz 1x01 Trailer
(Kohlrabenschwarz 1x01)
Schauspieler in der Episode Kohlrabenschwarz 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?