Kritik der neuen History-Serie Knightfall

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Ist die neue History-Serie Knightfall besser als diese Geschichtsformate, die sonntagnachmittags bei ARD oder ZDF laufen, und in denen Szenen nachgestellt statt richtig gespielt werden? Es würde sicherlich gerne besser sein, aber dafür fehlen dem Format in allen Belangen die erforderlichen Charakteristika. Die Probleme beginnen mit der allerersten Szenenfolge, in der eine große Schlacht dargestellt werden soll, die wegen des zu niedrigen Budgets der Serie aber leider nur so aussieht, als wäre sie vor zehn Jahren für ein Videospiel programmiert worden.
Everything is lost
Die Handlung beginnt mit der Belagerung von Akkon. Dort bekommen die Tempelritter von den belagernden Osmanen ein Ultimatum: „Surrender, die, those are your choices.“ Die Kreuzzügler wären natürlich nicht die Kreuzzügler, würden sie sich für die Aufgabe entscheiden. Also wird gekampft, was im bereits erwähnten Special-Effects-Massaker mündet. Bald erkennen die Templer, dass sie keine Chance gegen den übermächtigen Feind haben. Nun gilt es nur noch, den heiligen Gral zu retten und aus der Stadt zu flüchten. Das gelingt nur teilweise: Der Gral sinkt mit dem abgeschossenen Schiff.
Die Handlung der von den Serienschöpfern Richard Rayner und Don Handfield geschriebenen Pilotepisode (zu deren Executive Producern niemand Geringeres als Jeremy Renner gehört) macht danach einen Zeitsprung von 15 Jahren. Die Templer haben sich nach Paris gerettet, wo König Philip (Ed Stoppard) mit sehr moderater Hand regiert. Viel hinterlistiger ist da schon sein Berater De Nogaret (Julian Ovenden), der für die königlichen Finanzen zuständig ist, dem aber nichts Besseres einfällt, als die Juden zu enteignen. Great plan, bro!
Damit wir auch verstehen, dass dem König diese Idee missfällt, darf er folgendes sagen: „I'm not that kind of king. I want to be loved by the people.“ Besser werden die Dialoge im Verlauf der Auftaktepisode You'd Know What to Do leider nicht mehr. Als sich beispielsweise die Tempelritter treffen, um ihre eigene Finanzlage zu besprechen, platzt es aus unserem Protagonisten Landry (Tom Cullen) - er war bisher so wichtig, dass ich ihn vergessen habe zu erwähnen - heraus: „We are templars, we are warriors.“ Sag bloß.

Außerdem will Landry die Juden beschützen, gegen die bereits öffentlich gehetzt wird. Sein Master Godfrey (Sam Hazeldine) ermahnt ihn aber zur Zurückhaltung: Es sei nicht die Aufgabe der Ritter, sich in städtische Angelegenheiten einzumischen. Also versucht Landry es anders, um seinen Kampfeseifer zu stillen. Die Ritter sollten doch noch einmal einen Sturm auf Akkon versuchen, schließlich sei nun, da die Sultane zerstritten seien und die Mongolen aus dem Osten angriffen, ein günstiger Zeitpunkt. Godfrey lehnt mit dem Verweis auf Gott, der noch kein Zeichen gegeben habe, ab.
Now is the time
Ebenjener Godfrey wird aber auch nicht mehr lange zu leben haben, denn nachdem er ein geheimes Orangenzeichen erspäht hat, bricht er überhastet aus der Stadt auf. Wo er hinwill, bleibt ein Rätsel, denn unterwegs wird er überfallen und ermordet. Mit seinem letzten Atemzug weist er seinen Fast-Retter Parsifal (Bobby Schofield), der bis dahin ein beschauliches Bauerndasein auf dem Land geführt hatte, an, sein Schwert und eine Botschaft an Landry zu überbringen. Allerdings weiß Landry nicht, was die Botschaft zu bedeuten hat. Bis der schwarzgekleidete Tempelritter sie via Mittelalter-Beamer entschlüsselt: Der Gral ist gar nicht gesunken, sondern in Frankreich.
Bevor Landry diese frohe Kunde erhält, muss er sich allerdings darum kümmern, dass die Juden aus Paris nur vertrieben und nicht auch noch abgeschlachtet werden. Das war nämlich der Plan von De Nogaret, den Landrys Geliebte Joan (Olivia Ross), im Zweitberuf Königin von Frankreich, glücklicherweise belauschte, womit sie ihrem edlen Ritter die Chance gab, die Juden vor dem sicheren Tod zu retten. Ach Zufall, was bist Du nur für ein nützlicher Drehbuchgehilfe! Regisseur Douglas Mackinnon dürfte dies ebenfalls gefreut haben, konnte er dadurch doch eine echte Zeitlupenschlacht inszenieren.
Das History-Format Knightfall ist in seiner Pilotepisode keine gute Serie, und wird das in den kommenden neun Episoden wohl auch nicht werden. Zu deutlich ist jetzt schon, dass hier an allen Ecken mit limitierten Optionen gearbeitet wird. Die Spezialeffekte sehen grausig aus, das Schauspiel besteht entweder aus Schreien oder bedeutungsschwangerem Reden mit tiefer Stimme, ist aber immer mit dem gleichen Gesichtsausdruck versehen. Die Dialoge sind genau so, wie ich es hier mehrfach dargelegt habe, und die Charakterarbeit ist quasi nicht vorhanden, außer natürlich, man bezeichnet eine Charakterisierung nach Baukastenprinzip als solche.
Dinge passieren, Figuren sterben, Pakte werden geschlossen und wieder gebrochen. Und alles ist: egal.