Mit der dreiteiligen Miniserie Klondike versucht sich nun auch der Discovery Channel erstmals an einer „gescripteten“ Eigenproduktion und kann dabei vor allem dank toller Aufnahmen und solidem Drama punkten. Zusätzlich deutet die Goldgräberserie viel Potential für ein sehr gutes TV-Drama an.

Richard Madden als Bill Haskell im ersten Teil der dreiteiligen Miniserie „Klondike“ / (c) Discovery Channel
Richard Madden als Bill Haskell im ersten Teil der dreiteiligen Miniserie „Klondike“ / (c) Discovery Channel

Ähnlich wie einige Charaktere in der neuen Miniserie Klondike hat sich auch der Discovery Channel, den meisten durch diverse Dokumentationen bekannt, in neue Gefilde begeben, um - ähnlich der Konkurrenz - ein erfolgreiches TV-Format präsentieren zu können. Schaut man sich nun die 90-minütige Auftaktepisode des facettenreichen Dreiteilers „Klondike“ an, muss man dem Sender erst einmal ein Kompliment machen. Dafür, dass es sich bei „Klondike“ um die erste „gescriptete“ Serie des Discovery Channels handelt, kommt die Miniserie als ein optisch äußerst ansprechendes Projekt daher. Überzeugende darstellerische Leistungen und das Potential für weit mehr als nur eine gute Dramaserie inklusive.

Teilweise erschweren einem die Theatralik der einzelnen Szenen oder der eher spannungsarme Ablauf der Handlung den Einstieg in Klondike. Außerdem fehlt der Miniserie (noch) die packende Dramatik und die demenstprechenden Auftritte seiner Darsteller, um den Zuschauer gänzlich zu überzeugen. Doch man merkt „Klondike“ seine vielsprechenden Ambitionen an, fast so sehr wie den Figuren, welche wir in der Miniserie zu sehen bekommen. Zweifellos schafft es die Miniserie, das Interesse des Zuschauers zu wecken und ihn davon zu überzeugen, noch tiefer in das dreckige und oft glücklose Leben der unzähligen Goldsucher in und um Dawson City am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen zu wollen.

A hat full of hope

Klondike basiert auf dem Buch „Gold Diggers: Striking It Rich in the Klondike“ der britisch-kanadischen Autorin Charlotte Gray und entführt den Zuschauer in die Zeit der großen gold rushs am Ende des 19. Jahrhunderts in den USA und Kanada. Hunderttausende Menschen machten sich damals auf den Weg in den unberührten Nordwesten des amerikanischen Festlands, in der Hoffnung dort nicht nur Gold, sondern vor allem auch ihr Glück zu finden.

Unter diesen Menschen befindet sich auch unser Protagonist Bill Haskell (Richard Madden, Game of Thrones) aus New York, welcher gerade erst seinen Hochschulabschluss erhalten hat, jedoch sogleich das Weite sucht. Gemeinsam mit seinem Freund Byron Epstein (Augustus Prew, The Village) macht er sich mit ein paar hundert Dollar in den Taschen auf in Richtung Westen. Was die beiden dort genau suchen, ist ihnen selbst noch nicht ganz klar, doch sie werden schon bald auf das boomende Goldsuchergeschäft im Yukon-Gebiet, am Klondike River und nahe der kanadischen Stadt Dawson City aufmerksam.

So begeben sich die beiden auf ihre gefährliche Reise gen Nordwesten, müssen sich dabei jedoch mit diversen Gefahren auseinandersetzen. Nicht nur, dass die Natur in diesem Gebiet des nordamerikanischen Kontinents unerschlossen und zugleich unbarmherzig ist, auch die Menschen haben sich im Zuge des unerbittlichen Goldrausches verändert. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht, Gier und Habsucht bestimmen das Handeln. Die unerfahrenen Bill und Byron müssen sich also auf ein hartes Abenteuer gefasst machen, welches sie mehr als nur einmal an die Grenze der Verzweiflung bringen wird. Doch ihrem Optimismus und Träumereien von Reichtum und Ruhm ist nichts entgegenzusetzen, die beiden Freunde sind bestimmt, ihre Ziele in die Tat umzusetzen, egal wer oder was sich ihnen dabei in den Weg stellt.

The mountain will eat you

Was dem Zuschauer in Klondike zuallererst auffällt, sind die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, welche ihm präsentiert werden. Auch hier wurde auf aufwendige Dreharbeiten on location gesetzt, was sich definitiv auszahlt und als großer Pluspunkt der Serie angesehen werden kann. Hier wird auch deutlich, dass nun mal der Discovery Channel hinter „Klondike“ steht. Viele Aufnahmen von majestätischen Gebirgsketten, bedrohlichen Bergpässen oder immergrünen Flusstälern erinnern stark an eine Naturdokumentation, wie sie der Discovery Channel nicht besser zeigen könnte. Auch die einzelnen Sets gefallen, insbesondere das schlammige Dawson City, welches als perfekte Kulisse für die kommende Handlung zu dienen scheint. Dank dieser tollen Bilder taucht man als Zuschauer schnell in diese harte und gnadenlose Welt ein.

Schnell wird ein wichtiges Element von Klondike deutlich: die Natur selbst. Beim Anblick vieler gewaltiger Aufnahmen empfindet man sowohl tiefere Bewunderung für die unberührten Landschaften als auch ein leichtes Gefühl von Angst und Ehrfurcht, was vor allem durch eine dramatische Szene gleich zu Beginn der Auftaktepisode vermittelt wird. Unsere Protagonisten müssen sich im Laufe der Episode nicht nur mit einigen zwielichtigen Gestalten herumschlagen - Widersacher sind vor allem die Natur und ihre endlose Beständigkeit. Sie ist der Grund dafür, dass tausende Goldsucher ihr Leben verloren haben, sie gilt es zu bezwingen, um überleben und erfogreich sein zu können.

Regisseur Simon Cellan Jones und seinem Team gelingt es eindrucksvoll, mit vielen weiten Aufnahmen dieses Gefühl einzufangen und zu verdeutlichen, wie gefährlich eine solche Reise wirklich gewesen ist. Haskell und Epstein stehen dabei exemplarisch für die vielen Menschen, welche alles hinter sich ließen, um die Natur zu bezwingen und ihr Glück zu finden.

Where naivety comes to die

Bleiben wir gleich bei Bill Haskell und Byron Epstein. Beide personifizieren den uramerikanischen Gedanken des „Manifest Destiny“, die Idee, neue Gebiete zu erkunden und die Expansion weiter voranzutreiben - weil man sich eben dazu bestimmt fühlt. Beide haben in ihren Leben noch nicht viel erreicht, Epstein noch viel weniger als Haskell, doch sie können es kaum erwarten, endlich die weite Welt zu erkunden und ihren eigenen Weg einzuschlagen. Dabei müssen sie jedoch schnell feststellen, dass ihre Träumereien nun mal Träumereien sind und die harte Realität anders aussieht. Das müssen beide unter anderem nach ihrer Ankunft in Dawson City gleich am eigenen Körper erfahren.

Maddens Haskell steht hierbei weit mehr im Mittelpunkt als der von Prew verkörperte Epstein. Ersterem gelingt es in der Auftaktepisode durchaus, durch überzeugendes Schauspiel den Idealismus und Tatendrang seines Charakters zu transportieren. Als er dann nach dem tragischen Tod beziehungsweise der Ermordung von Epstein auf sich allein gestellt ist, blitzt ein wenig von dem dramatischen Potential der Miniserie auf, von welchem es in der ersten Folge gerne mehr hätte geben können. Auch hier zeigt Madden, dass er ein talentierter Schauspieler ist, auch wenn das Material ihm nicht ganz erlaubt, seine Talente zu zeigen.

Generell ist es dem Discovery Channel gelungen, eine interessante Besetzung für Klondike an den Start zu bringen. Neben Madden bekommt man so zum Beispiel auch bekannte Schauspielergrößen wie Sam Shepard, Tim Roth oder Abbie Cornish zu sehen. Shepard („Black Hawk Down“) schlüpft dabei in die Rolle eines hilfsbereiten Pfarrers namens Judge, welcher Haskell in der Auftaktfolge von „Klondike“ gleich mehrere Male zur Seite steht. Ihm gegenüber steht ein dubioser Geschäftsmann, welcher von allen nur „The Count“ genannt und von Roth (Lie to Me) verkörpert wird. Hier werden schon die ersten tiefergreifenden Konflike zwischen dem profitorientierten „The Count“ und dem strenggläubigen Judge angedeutet. Ähnlich wie Haskell hat sich Judge nach Dawson City aufgemacht, um sein Zeichen in diesem lasterhaften Ort zu hinterlassen und mit seinem Glauben eine Hilfe für die Menschen zu sein. Ob er damit Erfolg haben wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Abbie Cornish (Life Support) rundet die Besetzung der Hauptfiguren ab und tritt in der Rolle der geschäftigen Belinda Mulrooney auf. Dieser gehört das ortsansässige Sägewerk, darüber hinaus macht sie sich gleich daran, die Illusionen des jungen Haskells zu zerstören und seine Augen ob der gnadenlosen Realität des Goldrauschwahns zu öffnen. Cornish weiß in ihrer Rolle als starke Frauenfigur zu gefallen, auch sie hat anscheinend noch die eine oder andere Rechnung mit „The Count“ offen, was einiges für die fortlaufende Handlung verspricht.

They keep diggin'

Neben dem soliden Drama und guten Schauspielleistungen des Casts werden in den ersten gut 90 Minuten von Klondike auch einige interessante Aspekte und Nuancen vermittelt, die deutlich machen, dass die Miniserie nicht nur aus faszinierenden Bildern, stimmiger Musik und überzeugenden Darstellern besteht. So wird neben dem generellen Thema, zwanghaft sein Glück finden zu wollen, auch der Umgang mit den Ureinwohnern Amerikas thematisiert. Diese werden in „Klondike“ als eine Art Schutzpatron der Natur eingeführt, deren Land einfach von irgendwelchen Fremden annektiert wird. Dass diese „Wilden“ gar nicht so unzivilisiert sind, wie sie es von den oberflächlichen Goldgräbern gemacht werden, zeigt, dass „Klondike“ auch komplexere Themen ansprechen will, sei es subtil oder offenkundig. Das gelingt wiederum überzeugend in der Auftaktepisode.

Was Klondike noch ein wenig fehlt, ist, wie bereits erwähnt, wirklich packende Dramatik. Zwar schaut man gebannt zu, als ein Trupp von Reisenden von einer Lawine überrollt wird oder als es am Ende der Episode zum vermeintlichen Showdown zwischen „The Count“, Father Judge und Belinda kommt. Doch bis jetzt fehlen noch die Dialoge, welche nun mal den Unterschied zwischen gutem und sehr gutem Qualitätsfernsehen ausmachen. Wenn die Serienmacher in den kommenden zwei Episoden mit ebensolchen Dialogen aufwarten können, verspricht „Klondike“, ein sowohl sehenswertes als auch sehr komplexes und mitreißendes Drama zu werden.

Fazit

Die Miniserie Klondike weiß in ihrer Pilotepisode zweifellos durch wunderbare Landschaftsaufnahmen und realistische Sets zu überzeugen. Dabei gelingt es den Machern, ein stimmungsvolles Zeitdokument zu erschaffen, was dem Zuschauer einen interessanten Einblick in das Phänomen des Klondike-Goldrausches am Ende des 19. Jahrhunderts bietet. Ebenso werden die widrigen Umstände, welchen sich unzählige Menschen gestellt haben, passend beleuchtet.

Wenn man noch eine Schippe hinsichtlich der Dialogqualität draufpacken und das solide Drama so auf eine höhere Ebene hieven kann, könnte sich Klondike als ein wortwörtlicher Goldgriff herausstellen. Stilsicher und angenehm inszeniert, dazu eine starke Besetzung mit dem aufstrebenden Richard Madden an der Spitze - es schlummert großes Potential in diesem ambitionierten Projekt des Discovery Channels, welches ohne Frage einen Blick wert ist.

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