Kleo: Review der Pilotepisode der deutschen Netflix-Serie

© ella Haase als Kleo (c) Svenja Terung/Netflix
Mit der Serie Kleo beweist Netflix einmal mehr, dass sie auch abseits des großen amerikanischen Marktes ein Händchen haben, den richtigen Leuten Geld in die Hand zu geben um ungewöhnliche Serien zu produzieren. Das Drama um eine mörderische DDR-Spionin, die in Ungnade gefällt, zwingt mit einem Hang zur Besonderheit zum zweimal hinschauen. Aber ist es auch gut genug um die zweite Episoden abspielen zu lassen?
Wovon handelt die Serie Kleo?
Kleo (Jella Haase) ist eine der besten Spioninnen der DDR, eine ruhig wirkende junge Frau, die mal eben in der Diskotoilette einen Mann vergiftet und dem sterbenden Kinderreime zitiert bevor sie die Szenerie eiskalt zurücklässt. Doch als wir sie kennenlernen, erleben wir nach kurzer Zeit auch die andere Seite der Frau. Sie hat nämlich einen Freund und von dem ist sie schwanger. Sie will das gefährliche Leben einer Killerin hinter sich lassen. In ihrer Deck-Identität arbeitet sie in einem volkseigenen Betrieb zur Herstellung von Tonträgern. Mit diesem Zugang bringt sie ihrem geliebten Opa, der sie aufgezogen hat, zum Geburtstag einen Kassettenspieler mit. Die beiden tanzen zu einer wilden Rocknummer bevor Kleo sich verabschiedet und Opa, übrigens ein ranghohes Tier im Stasi-Kader, ihr mit traurige Augen hinterher blickt. Da weiß man schon: Hier läuft was gar nicht gut!
Kurz danach wird Kleo auf dem Weg zur Arbeit in der VEB festgenommen und verhört. Ihr wird Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen, genauer gesagt von den Bauplänen zum neuesten Tonträgerspieler der DDR. Ein orchestriertes Foto belegt ihre Schuld, bei der Stasi weiß angeblich niemand von ihrer Arbeit als Spionin. Also landet Kleo bevor sie sich versieht, im Frauenknast. Dort nimmt sie als erstes mit ihrer ruhigen, aber eindringlichen Art eine verprügelte Mitinsassin. Doch gegen die zahlenmäßige Übermacht derer, die das Sagen haben hinter Gittern, kommt sie nicht an und landet im Krankenhaus. Durch den Angriff verliert sie ihr ungeborenes Kind und jegliche Hoffnung. Als sie schließlich entlassen wird, kommt sie in einen Staat, den sie nicht mehr kennt. Die DDR ist am Kollabieren. In ihrer Wohnung hat sie ein junger Technofan aus dem Westen eingerichtet. Auch ihrem Opa stattet sie einen kurzen Besuch ab. Ebenso der Behörde, die sie einst in den Knast bracht. Hinter sich her zieht sie eine Schneise der Verwüstung.
Wie kommt es rüber?
Von Killing Eve nimmt man die skurrile Coolness der Protagonistin, von Deutschland 83, Babylon Berlin und Co. hat man übernommen, dass ein Blick in die deutsche Vergangenheit gut ankommen kann. Doch das Konzept zur Serie Kleo wurde nicht von einem Algorithmus erdachte, sondern vom dem etablierten Trio Hanno Hackfort, Richard Kropf und Bob Konrad, das man auch als die HaRiBos kennt. Von ihnen kennt man unter anderem 4 Blocks. Mit „Kleo“ schlagen sie eine andere Richtung ein. Zu ernst scheint die Serie sich nicht zu nehmen. Auf diese Weise kommt sie auch mit den schrillen und fast schon ad absurdum geführten DDR-Klischees durch. Alles ist etwas zu überdimensional um dramatisch zu bleiben. Immer wieder spielen sich komödiantische Aspekte in den Vordergrund, bis man zwischendurch nicht mehr weiß ob es eine Comedy mit Thriller-Effekt ist oder ein Drama, das Auflockerung eingebaut haben will.
Doch wenn man sich auf den Ton des Drehbuchs einlassen kann, findet man eine unterhaltsame Story vor. Dieser Zugang wird einem durch den Cast besonders einfach gemacht. Die 29-jährige Jella Haase beweist mit der Rolle der DDR-Killerin einmal mehr, dass sie ihre Preise verdient hat.