Die Comedyserie Kim's Convenience startet holprig, hat aber eine gute Grundlage, aus der in der Zukunft noch etwas mehr herausgeschlagen werden könnte. Doch zunächst kann die Serie die Erwartungen nicht erfüllen.

Cast der Serie „Kim's Convenience“ / (c) CBC
Cast der Serie „Kim's Convenience“ / (c) CBC

Die kanadische Comedyserie Kim's Convenience basiert auf einem äußerst erfolgreichen Theaterstück. Das merkt man der Pilotepisode an manchen Stellen im negativen Sinne leider an.

Um was es geht

Familie Kim betreibt ein kleines Einzelhandelsgeschäft in einer Nachbarschaft von Toronto, in der Menschen aus vielen Ländern wohnen. Die Kims selbst kommen aus Korea; wir lernen die Eltern Appa (Paul Sun-Hyung Lee) und Umma (Jean Yoon) sowie die erwachsenen Kinder Janet (Andrea Bang) und Jung (Simu Liu) kennen. Die erste Szene der Serie bestreitet der Patriarch und legt in vielerlei Hinsicht den Ton für die kommende halbe Stunde fest. Denn der Ladenbesitzer wird von einem bekannten Nachbarn Kevin (Paolo Santalucia) und dessen Freund Roger (Kevin Vidal) gefragt, ob sie ein Poster in seinem Schaufenster aufhängen dürfen. Das Poster ist für die örtliche Pride Parade, doch der asiatische Geschäftsmann findet das Poster schäbig und empfiehlt den beiden, ihr Geld zurückzuverlangen. Roger hingegen glaubt, Homophobie in den Aussagen des Mannes zu erkennen und droht mit einer Anzeige. Daraufhin knickt Mr. Kim ein und behauptet, zu Ehren der Parade einen Rabatt für homosexuelle Kunden anzubieten.

Daran schließt sich eine kurze Szene an, in der wir erfahren, dass Janet von ihrem Vater wie ein Kind behandelt wird, während ihre Mutter sie dazu drängt, mit ihr zur Kirche zu gehen, um einen coolen, christlichen, koreanischen Freund zu finden. Zurück im Laden macht der nächste Kunde deutlich, dass in der Komik der Serie vor allem das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Menschen im Zentrum steht. Aber nicht nur die Sexualität unterscheidet sie, sondern auch die Herkunft. Doch das schlägt sich in der Pilotepisode vor allem in einer Vielzahl unterschiedlicher Akzente nieder. In einer Szene sprechen Mr. Kim und eine Kundin so unterschiedliches Englisch, dass sie sich gegenseitig nicht verstehen, was den dritten Kunden, der ebenfalls eine andere Muttersprache hat, sehr belustigt. Als Zuschauer ist man leider weit weniger mitgerissen davon.

Schnell stellen wir fest, dass die Familie in einem Konflikt steht. Denn der Sohn, Janets älterer Bruder, ist nach einem Streit mit dem Vater mit 16 Jahren von zuhause ausgezogen und arbeitet nun gemeinsam mit seinem Kumpel bei einer Autovermietung. Dort wird er regelmäßig von Mutter und Tochter besucht, was allerdings der Patriarch des Clans nicht weiß. In der Pilotepisode versucht Janet ihren Vater sanft in die Richtung des verlorenen Sohnes zu schubsen, aber so ganz will das zunächst nicht klappen. Dafür kommt an Ende ein anderer junger Koreaner durch die Ladentür, nämlich Janets Freund, der sie zu einem Date abholt, was Vater und Mutter staunend, aber nicht unglücklich zurücklässt.

Fazit

In der Pilotepisode kann die Serie Kim's Convenience sich nicht ganz entscheiden, was sie sein will. Irgendwo zwischen Sitcom, Comedy und Dramedy fehlen die Pointen, aber auch die interessanten Beobachtungen. Was vielleicht auf der Bühne unterhaltsam ist, wirkt im Fernsehen fehl am Platze. Zum Beispiel der Umstand, dass alle Kunden bisher einen anderen Akzent haben, der weder ernstzunehmend noch explizit persiflierend ist. Am Ende hat man das Gefühl, dass die Autoren uns jede Menge Gags schuldig geblieben sind, die schon greifbar gewesen wären. Denn die Idee, viele verschiedene Menschen in einem familiengeführten Laden aufeinandertreffen zu lassen, klingt vielversprechend, doch bleiben die Macher in der Belanglosigkeit stecken. Vielleicht hätten sie sich etwas von Sullivan & Son abschauen sollen, in der eine koreanisch-irische Familie eine Bar mit vielfältiger Kundschaft führt.

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