Kevin (Probably) Saves the World: Kritik der Pilotepisode 1x01

© ason Ritter und JoAnna Garcia Swisher in „Kevin (Probably) Saves the World“ / (c) ABC
In der Pilotepisode der Dramedyserie Kevin (Probably) Saves the World besucht der sich in einer Krise befindende Kevin (Jason Ritter) seine Schwester Amy (JoAnna Garcia Swisher) und seine Nichte Reese (Chloe East). Als in der Nacht ein Meteor in der nähe des Hauses einschlägt, ahnt er noch nicht, dass dieses Ereignis sein Leben verändern wird.
I think everything is beautiful. And I don't like it.
Der Meteor stellt sich als viel mehr als nur Gestein heraus, denn dieser entpuppt sich als eine Gesandte namens Yvette (Kimberly Hebert Gregory) mit göttlichem Auftrag für Kevin: Er soll 35 rechtschaffene Seelen finden und auf den Weg bringen um die spirituelle Balance wieder herzustellen.
Kevin, der sich nach einem Suizidversuch noch immer in einer labilen Lage befindet, glaubt zunächst er drehe nun endgültig durch als das Wesen in menschlicher Gestalt ihm klar machen will, dass nur er sie sehen kann und er sein Leben nun umkrempeln muss. Nachdem sie ihn vor einem schweren Unfall rettet, schwindet ein kleiner Teil seiner Skepsis, doch wie soll er anderen Menschen helfen, wenn er sich nicht einmal in der Lage ist, sein eigenes Leben in eine stabile Bahn zu lenken?
Yvette schlägt vor, klein anzufangen und sich für seine Nichte einzusetzen, die Hilfe bei der Verarbeitung des Todes ihres Vaters brauch. Doch die verschlossene Teenagerin lässt ihn kaum an sich heran und auch seine Schwester hat nicht die Kraft, sich mit seiner Unzuverlässigkeit auseinanderzusetzen.
Bereit seinen Rückflug anzutreten, bringt ihn ein Ereignis mit einem Fremden dazu, an sich und seine Fähigkeiten zu glauben und wieder umzudrehen, um mehr Zeit mit Amy und Reese zu verbringen und mit der Hilfe von Yvette für sie und andere Menschen da zu sein.
Ein Engel auf Erden?
Kevin (Probably) Saves the World setzt von Beginn an auf warmherzige positive Energie und ist eine der Serien, welche versucht, den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl zurückzulassen. Bei dieser Thematik ist die Grenze zum Pathos oder zumindest eines sehr naiv positiven Blicks auf die Welt immer etwas, was im Raum steht.
Die Pilotepisode kratzt an dieser Grenze, ohne diese letztendlich zu überschreiten. Hauptdarsteller Jason Ritter vermittelt dabei als sympathischer von Problemen geplagter Mensch die richtige Dosis Skepsis, um seine Mission nicht blind und gläubig zu akzeptieren. Dabei spielt er Kevin als facettenreiche Figur mit jeder Menge authentischer Energie, welche gerade die Zuschauer mit abholen könnte, die das in der Serie enthaltene Thema Spiritualität spontan und bestimmt dem Fantasy-Genre zuordnen würden.
Glaube ist zwar eines der enthaltenen Elemente der ersten Episode und gläubige Menschen dürften sicherlich einfacher Zugang zu den Gegebenheiten finden, mit denen der Protagonist konfrontiert wird, doch die Kernaussage sind vielmehr die Werte der Serie, die unter anderem Inspiration von „Highway to Heaven“ bezogen zu haben scheint, wie Menschlichkeit und der Umgang miteinander.
Kevin beginnt als suizidgefährdeter Mensch auf seiner Reise zu verstehen, dass nicht nur sein eigenes Leben wertvoll ist, sondern er vor allem auch das Leben anderer Menschen verbessern kann, was sicherlich eine gute und positive Aussage ist. Die Comedyelemente drehen sich gänzlich um Kevins Interaktion mit Yvette und die seltsamen Momente, die durch seine Gespräche mit der Unsichtbaren entstehen.
Doch nicht jedem wird diese Art von Humor gefallen und so manchem wird das Feel-Good-Drama zu dick auftragen, denn besonders gegen Ende wirkt speziell das Verhalten von Teenagerin Reese (Chloe East) sehr inkonsequent: Sie nimmt ihren Onkel und seine sonderbaren Eigenschaften als etwas Positives an, ohne dass er ihr wirklich einen erkennbaren Grund gegeben hat, ihre Meinung über ihn zu revidieren. Auch seine Schwester (JoAnna Garcia Swisher) fällt ihm natürlich bei seiner Rückkehr in die Arme und ganz sicher wird nun alles wieder gut. Zudem scheint die Serie sich in der Pilotepisode noch nicht festlegen zu wollen, in welche Richtung es gehen soll: Will man die religiöse Schiene stärker verfolgen, mehr auf Humor setzen oder doch ein Familendrama sein? Vielleicht passt ja auch alles unter einen Hut.
Fazit
Kevin (Probably) Saves the World hat das Herz am richtigen Fleck und kann mit ein paar lustigen Momenten und einem charismatischen Hauptdarsteller punkten. Allerdings dürfte der religiöse Unterton und der dezente Hang zum Kitsch viele Zuschauer verschrecken. Weitere Episoden dürften klären wohin die Reise gehen soll, da sich die erste Episode noch nicht deutlich festlegen wollte, was der stilistische Schwerpunkt der Serie sein soll. Wer dem Ganzen einen gewissen Charme abgewinnen kann, sollte weiter an Kevin glauben und ruhig noch einmal reinschauen, wer allerdings bei der Aussicht auf eine „Heile-Welt-Serie“ das kalte Grauen bekommt, sollte besser einen Bogen um Kevin und seine Familie machen.

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