Neun Jahre lang hat es gedauert, doch nun kehrt Komiker Kevin James in Kevin Can Wait auf seinen alten CBS-Sendeplatz zurück. Doch kann der ehemalige King of Queens auch mit seiner neuen Comedy überzeugen?

Kevins Familie in „Kevin Can Wait“ / (c) CBS
Kevins Familie in „Kevin Can Wait“ / (c) CBS

Eines gleich einmal vorweg: Ich spare mir hier alle schlechten Warte-Witze. Ich hätte ich also weder lieber länger gewartet, kann kaum drauf warten dass die Serie abgesetzt wird oder warte auf eine Entschuldigung von Kevin (James). Hoffen tue ich allerdings noch, und leider hoffte ich bei Kevin Can Wait vor allem darauf, dass einer der Witze endlich einmal zünden möge.

Worum gehts?

Kevin (Kevin James) is ein Polizist, der nach 20 Jahren im Einsatz nun endlich in die wohl verdiente Rente starten kann. Dazu beglückwünschen ihn Frau Donna (Erinn Hayes) und die gemeinsamen Kinder, von denen es angeblich drei gibt, wobei lediglich Tochter Kendra (Taylor Spreitler) irgendeine Art von Aufmerksamkeit geschenkt bekommt.

Der ungeliebte Chale (Ryan Cartwright) © CBS
Der ungeliebte Chale (Ryan Cartwright) © CBS

Denn während Kevin eigentlich seine Rente genießen und kindischen Unsinn treiben möchte, enthüllt Tochter Kendra ihm, dass sie mit dem Loser Chale (Ryan Cartwright) zusammen und verlobt ist. Außerdem wird sie, um ihn bei seinem App-Traum zu unterstützen, die Uni abbrechen und als Kellnerin arbeiten. Mutter Donna kommentiert dies passenderweise mit einem „That's literally every stripper's backstory!

Und so entschließt sich Kevin dazu, das Apartment, welches er vermieten wollte, seiner Tochter und dem ungeliebten zukünftigen Schwiegersohn zur Verfügung zu stellen und sich einen Nebenjob zu suchen, statt in Rente zu gehen.

Was ist das Problem?

Klar, das liest sich jetzt eigentlich nach einer herzzerreißenden Hintergrundgeschichte, aus der man echt etwas herausholen kann. Aber leider wird diese Prämisse so lieblos verpulvert und nicht funktionierenden Gags geopfert, dass man sich fast für die Serienschöpfer schämt. Was passiert hier denn? Ein Vater opfert seine mühsam erarbeitete Rente, damit Töchterchen doch noch studiert und weiterhin mit dem geliebten Freund zusammen sein kann. Das bietet einiges an Konflikt- und Mitfühlpotenzial, emotionale Implikationen werden allerdings die meiste Zeit völlig weggelassen.

Dabei kann der Cast eigentlich überzeugen. Kevin James spielt quasi Kevin James, ist aber immer noch ein ausgezeichneter Komiker. Taylor Spreitler, einigen vielleicht aus Melissa & Joey bekannt, kann auch hier wieder als Tochter glänzen. Apropos: „Melissa & Joey“ schaffte es viel, viel besser, emotionale Momente mit Humor zu verbinden.

Kevin (Kevin James) und Frau Donna (Erinn Hayes) © CBS
Kevin (Kevin James) und Frau Donna (Erinn Hayes) © CBS

Lediglich Erinn Hayes kauft man ihre Rolle als liebevolle Frau nicht ganz ab: Die viel zu hübsche Frau, die ihren trotteligen und verspielten Ehemann abgöttisch liebt, ist eine klassische Serientrope. Doch während die Chemie beispielsweise zwischen James und Leah Remini in King of Queens irgendwie stimmte, kann das Paar Kevin und Donna nicht überzeugen.

Kevin Can Wait“ möchte zweifellos auf eine gewisse Nostalgie aufbauen. Einer Nostalgie nach einfachen, simplen Sitcoms der 90er Jahre. Doch während es beispielsweise das diese Woche gestartete Hooten and the Lady schaffte, 90er Nostalgie mit sympathischem Cast und solidem Drehbuch zu bedienen, scheitert „Kevin Can Wait“ nicht zuletzt am schwachen Drehbuch und einfach nur schlechten Witzen.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, ob der eigentlich gute Cast vielleicht aus den nächsten Episoden der Serie noch etwas herausholen kann. Die eigentlich sympathischen Darsteller, die allesamt vom miserablen Drehbuch verpulvert werden, sind auch der einzige Grund für die noch großzügigen zwei Sterne, mit denen ich die Pilotepisode bewerte. Momentan allerdings ist die Serie nicht einmal etwas für Leute, die sich mit warmen Bauchgefühl an „King of Queens“ erinnern. Mehr als ein gleichgültiges Schulterzucken ist da nicht drin.

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