Keep Breathing 1x01

© elissa Barrera in der Serie Keep Breathing - hier unser Review. (c) Netflix
Survival-Serien sind immer eine schöne Sache, weil sie einerseits zum Mitdenken anregen („Wie würde ich selbst in der Wildnis klarkommen?“) und weil sie andererseits mit wunderbaren Naturaufnahmen glänzen. Auch für Schauspieler:innen sind diese Geschichten nach dem klassischen Schema „Mensch vs. Natur“ durchaus verlockend. Die Dreharbeiten mögen zwar kräftezehrend sein, doch kann man die ganze Palette roher Emotionen vorführen. Kein Wunder, dass Leonardo DiCaprio erst für „The Revenant“ seinen überfälligen Oscar gewann.
Im Serienbereich ist das bekannteste Survival-Format sicherlich Lost. An der Mysteryserie müssen sich selbst Titel messen lassen, die keine übernatürlichen Elemente einbauen. Eine würdige Vertreterin fand sich zuletzt in Yellowjackets beim Kabelsender Showtime (hierzulande kann man die Auftaktstaffel beim Sky-Streamer WOW sehen). Mit dem Sechsteiler Keep Breathing legt nun auch Netflix nach, obwohl der etwas einfallslose Neustart leider keine großen Überlebenschancen beim Publikum haben dürfte.
Als Showrunner fungieren der frühere Blindspot-Schöpfer Martin Gero und sein Autorenkollege Brendan Gall. Die Inszenierung der drei ersten Episoden - inklusive der halbstündigen Pilotepisode namens Ankunft - übernahm die Regisseurin Maggie Kiley (Dirty John, Dr. Death). Den Rest steuert Rebecca Rodriguez (Snowpiercer, Doom Patrol) bei. Alle Folgen erscheinen am heutigen Donnerstag, den 28. Juli.
Worum geht's?
Die Protagonistin von „Keep Breathing“ (zu Deutsch: „Weiteratmen“) heißt Liv. Gespielt wird sie von Melissa Barrera, die einen schon in der Starz-Serie Vida oder dem Musicalstreifen „In the Heights“ verzaubern konnte. Die Heldin der Serie wird uns als taffe Anwältin vorgestellt, die die Dinge gern in die Hand nimmt. So chartert sie eines Tages einen Privatflug, um trotz der Airline-Verspätung rechtzeitig an ihrem rätselhaften Ziel anzukommen. Der fatalste Entschluss ihres Lebens...

Die zwei Piloten George (Mike Dopud) und Sam (Austin Stowell) wollen Liv zunächst nicht mitnehmen. An Bord kommen darf sie nur, weil sie am Flughafen „eine Szene“ macht, die den beiden ziemlich unangenehm ist. Dass unsere Hauptfigur zunächst ein bisschen unsympathisch rüberkommt, liegt einfach daran, dass sie einen beschissenen Tag hat. George und Sam schaffen es aber trotzdem, Liv zu unterbieten, indem sie sich zunächst sehr machomäßig aufführen, um sich später als Angsthasen zu entpuppen. Das soll nicht heißen, dass man bei einem Flugzeugabsturz keine Angst haben darf, aber die zwei davor so großmäuligen Männer legen schon eine krasse Wendung hin, was ihren Auftritt angeht.
Liv hingegen wächst in der Notsituation über sich hinaus (wie manche unscheinbare Menschen das in solchen Fällen tatsächlich oft tun). Sie versucht sogar, ihren Mitreisenden zu helfen, die sie sofort sich selbst überlassen hätten. Wer am Ende den Crash in der kanadischen Wildnis überlebt, lassen wir mal offen. Die kommenden fünf Folgen werden wohl zeigen, ob Liv - oder sonst jemand - jemals wieder die Zivilisation erreichen kann. Außerdem wird zum Ende der Auftaktepisode ein kleines Geheimnis der Protagonistin gelüftet, das einige Probleme mit sich bringen könnte...
Wie ist es?
Die Pilotfolge einer Survival-Serie sollte vor allem eines schaffen: Das Publikum dazu bringen, um das Schicksal der Figuren zu fürchten, die uns also schnell am Herzen liegen sollten. Das gelingt im Fall der neuen Netflix-Miniserie Keep Breathing höchstens, weil die Hauptdarstellerin Melissa Barrera selbst eine angenehme Ausstrahlung mitbringt. Ihr Charakter bleibt derweil sehr unkonkret, wie auch das Drehbuch an sich sehr oberflächlich scheint. Vieles wirkt einfach zu klischeemäßig, worin die größte Schwäche des Formats liegen dürfte.
Die größte Stärke liegt natürlich in den Bildern von der Landschaft Kanadas (gedreht wurde offenbar in Vancouver und Umgebung). Mit welchen weiteren Facetten der Sechsteiler überzeugen will, ist nach dem Auftakt kaum zu sagen. So wissen wir nach der ersten halben Stunde noch nicht, inwiefern zum Beispiel Flashback-Szenen oder übernatürliche Bedrohungen zum Einsatz kommen, die bei Lost und Yellowjackets fest zur Erfolgsformel zählten. Ganz ohne solche Anreicherungen wird es für den Neustart schwer - außer man lernt nützliche Survival-Tricks, wovon aber eher nicht auszugehen ist.
Hier abschließend noch der Trailer zur Miniserie Keep Breathing beim Streamingdienst Netflix:
Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 28. Juli 2022Keep Breathing 1x01 Trailer
(Keep Breathing 1x01)
Schauspieler in der Episode Keep Breathing 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?