Katakomben 1x01

© zenenbild aus der Pilotepisode von Katakomben / (c) Joyn
Der deutsche Streaminganbieter Joyn hat bestimmt schon Eigenproduktionen im zweistelligen Bereich. Hierzu zählt nun auch das neue sechsteilige Drama Katakomben, das in München bei den Reichen und Schönen angesiedelt ist. Deren Welt stößt mit der Welt der Armen zusammen, als erstere auf einen Rave in die Katakomben unter der Stadt gehen, in denen sich Obdachlose ihr eigenes Zuhause gebaut haben.
Was passiert in der Pilotepisode von Katakomben?
Nellie (Lilly Dreesen), ihr Bruder Max (Nick Romeo Reimann), seine Freundin Maja-Florence (Sofie Eifertinger) und André (Christian Baumann) leben ein äußerst privilegiertes Leben in Reichtum und Wohlstand, das aus Partys, Drogen und teurer Mode besteht. Dabei nimmt vor allem André, Nellies bester Freund, eine besondere Rolle ein: Er arbeitet in einer exklusiven Boutique, trägt teure Mode und ist Influencer. Doch das ist alles nur Schein: Denn er lebt in einer Hochhaussiedlung am Rande der Stadt und sein Vater scheint bei der öffentlichen Instandhaltung tätig zu sein - und ist eben kein Banker oder Geschäftsmann/-frau wie die Eltern der anderen.
Doch das Leben der Reichen hat nicht nur Vorteile. Vor allem Nellie leidet unter der fehlenden Intimität und dem oberflächlichen Kontakt zu ihrer Familie. Ihre Mutter ist Geschäftsfrau und arbeitet deshalb 24/7. Sie setzt sich für die Armen ein, indem sie mehr Unterkünfte garantiert. Diese hängen (irgendwie) im Zusammenhang mit den Katakomben, die sich unter dem Hauptbahnhof Münchens befinden. Doch wie genau diese Dinge miteinander verbunden sind, ist noch unklar.
In ebendiesen Katakomben findet jedenfalls ein geheimer Rave statt, auf den die besagten Jugendlichen gehen. Dort ist auch eine Polizistin unterwegs, die unerklärlich verbissen an einem Fall arbeitet und dort ermittelt. Ihre Untersuchungen führen sie schließlich zu Max. Bevor sie jedoch mit ihm reden kann, fällt der Strom auf dem Rave aus, es entsteht ein Feuer und Panik bricht aus. Alle Rave-Teilnehmer fliehen nach draußen, wobei es dutzende Verletzte gibt.
Jedoch nicht alle schaffen es nach oben. Ausgerechnet Max, seine Freundin Maja-Florence und noch ein Freund befinden sich während des Brandes hinter einer verschlossenen Tür, so dass sie nicht aus den Katakomben entkommen können und dort feststecken. Die Leiche von Maja-Florence wird am nächsten Tag am Fluss entdeckt und die anderen beiden befinden sich noch in den Katakomben. Dort werden sie von vermeintlichen Bewohnern des Münchner Untergrunds festgehalten.
An den Geschehnissen in den Katakomben sind nicht nur Nellie und die Polizei interessiert, sondern auch eine Immobilienfirma, die über der Stelle, an der sich die Katakomben befinden, ein riesiges Luxus-Bauprojekt starten wollen.

So kommt Katakomben rüber
Die Handlung von „Katakomben“ spiegelt die zwei Pole der Gesellschaft wider: die Reichen und die Armen. Deren Leben prallen in den Katakomben aufeinander, indem die Reichen in den Lebensraum der Armen eindringen. Diese sind scheinbar erzürnt darüber, wollen einander beschützen und sich eventuell auch rächen. Die Motive für ihre Handlungen sind noch nicht ganz deutlich: Warum haben sie Maja-Florence umgebracht? Warum halten sie Max und seinen Freund fest? Was wollen sie?
Insgesamt spielt die Joyn-Serie in ihrer Pilotepisode stark mit dem Element des Ungewissen. Neben dem Leben, den Handlungen und Motiven der im Untergrund Lebenden ist auch unklar, wie Nellies Mutter genau mit den Katakomben verbunden ist. Welche Ermittlungen die Polizistin durchführt und warum sie dabei so verbissen handelt, wissen wir noch nicht und auch hinter den Verwicklungen der Immobilienfirma steckt mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist.
Die Katakomben dienen auch als Knotenpunkt für die Ermittlungen der Polizei, die Baupläne der Immobilienfirma, die Wohltätigkeitsarbeit von Anna Mahler (Aglaia Szyszkowitz), das Nachtleben Münchens und das Leben der Armen. Wenn diese Elemente gekonnt miteinander verbunden werden, könnte daraus durchaus eine spannende Serie entstehen, die nebenbei auch noch die tragische Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland thematisiert. Doch in der Pilotepisode hinterlässt „Katakomben“ noch nicht diesen Eindruck. Die gleiche Einschätzung würde ich auch verteilen, was die Performance der Darsteller/-innen betrifft: Zu oft erscheint mir das Schauspiel typisch deutsch und es fühlt sich zu „geschauspielert“ an. Die Schauspieler/-innen sind auch bis auf Szyszkowitz unbekannt und Jungschauspieler. Visuell leistet die Serie jedoch gute Arbeit. Im Leben der Reichen ist alles farbenfroh und ästhetisch. In den Katakomben hingegen ist wenig Licht und auch die Kostüme sind farblos.
Fazit
Insgesamt liefert Katakomben in seiner Pilotepisode einen soliden Eindruck. Es werden viele verschiedene Handlungsstränge aufgemacht, die in den Katakomben münden und Neugierde wecke. Diese bieten Potential für die sechsteilige erste Staffel der Joyn-Serie. Dabei wird im Piloten vor allem auf Mysteriöses gesetzt. Es bleibt abzuwarten, wie dieses im Laufe der Staffel ausgespielt wird.
Hier abschließend noch der Trailer:
Verfasser: Maike Karr am Donnerstag, 11. März 2021(Katakomben 1x01)
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