Kaleidoscope 1x01

Kaleidoscope 1x01

Ein gutes Gimmick garantiert noch keine gute Serie - kann die Netflix-Show Kaleidoscope mit ihrem nicht-chronologischen Ansatz überzeugen? Fans vom Heist-Drama Haus des Geldes sollten mal reinschauen...

Szenenfoto mit Giancarlo Esposito (2. v. l.) in der Serie Kaleidoscope (c) Netflix
Szenenfoto mit Giancarlo Esposito (2. v. l.) in der Serie Kaleidoscope (c) Netflix
© zenenfoto mit Giancarlo Esposito (2. v. l.) in der Serie Kaleidoscope (c) Netflix

Eine Serie, deren Episoden man in beliebiger Reihenfolge sehen kann, war der Pitch von Eric Garcia („Repo Men“), mit dem der Drehbuch-Autor Netflix in Begeisterung versetzte. Natürlich konnte nur dem Streamingservice, der das lineare Fernsehen verdrängen will, ein solcher Vorschlag revolutionär erscheinen. Denn in der Praxis schauen eh die meisten Menschen genau so ihre Lieblingsserien, also kreuz und quer - eben das, was gerade läuft. Mal ist Sheldon bei der millionsten Wiederholung von The Big Bang Theory schon verheiratet, mal ist er noch Junggeselle...

Der nicht-chronologische Ansatz von Kaleidoscope kann in seiner Einzigartigkeit daher durchaus hinterfragt werden. Trotzdem verkauft Netflix das Format, das unter anderem von Ridley Scott („Alien“, „Blade Runner“) produziert wird, als „einzigartiges Seherlebnis“ - zumal der Streamer die Randomisierung der insgesamt acht Ausgaben gleich selbst einstellt. Soll heißen: Jeder User sieht die Serie anders; nur das Finale mit dem Titel „Weiß“ wird stets zuletzt abgespielt.

So ergeben sich in der Theorie 5040 verschiedene Versionen von „Kaleidoskop“. Wer aber keinen Bock auf Experimente hat, kann sich auch hier erklären lassen, welche gewählte Sequenz am meisten Sinn ergibt. Die vorliegende Besprechung wurde mit der Episode „Gelb“ als Pilot geschrieben, die sowieso ein guter Startpunkt ist, weil es schon viel um den zentralen Heist geht, auf den am Ende alles hinausläuft. Andere Episoden sind weitaus mehr auf die back story konzentriert, was etwas dröge sein kann, weil einem die Figuren zu Anfang ja noch völlig fremd sind (später vielleicht immer noch).

Nicht egal sein kann einem jedoch der beeindruckende Cast, den Netflix und Garcia hier versammeln konnten: Angeführt wird das Team von Giancarlo Esposito, den wir eigentlich als notorischen Schurken kennen (zum Beispiel aus Breaking Bad, The Boys und The Mandalorian). Er spielt diesmal einen Verschnitt des Haus des Geldes-Professors - insgesamt ist die spanische Erfolgsserie eindeutig ein Vorbild von „Kaleidoskop“ gewesen (der Algorithmus will es so).

Ebenfalls dabei: Rufus Sewell (The Man in the High Castle), Paz Vega (The OA), Rosaline Elbay (Ramy), Jai Courtney (The Terminal List), Tati Gabrielle (You), Niousha Noor (Here And Now) und Peter Mark Kendall (Strange Angel).

Worum geht's?

Die Story dreht sich um den Meisterdieb Leo Pap (Esposito), der mit seiner Crew von Fachleuten den ganz großen Coup landen und sage und schreibe sieben Milliarden Dollar erbeuten will. Doch Gier und Betrug in den eigenen Reihen setzen die Mission aufs Spiel. Welche Motive eine Rolle spielen, erfährt man durch den einen oder anderen Blick in die Vergangenheit der Figuren. Aber auch die Zeit nach dem Heist wird bereits beleuchtet...

Netflix
Netflix - © Netflix

Sewell spielt den ehemaligen Dieb Roger Salas, der nun auf der anderen Seite aktiv ist und versucht, Leute wie Leo zu stoppen. Vega ist als Anwältin und Waffenspezialistin Ava Mercer zu sehen, während Elbay die Sprengstoffspezialistin Judy Goodwin spielt. Courtney ist ihr hitzköpfiger Ehemann Bob, der sich auf das Panzerknacken versteht. Kendall tritt als talentierter Schmuggler Stan Loomis auf, den Leo einst im Gefängnis kennenlernte.

Gabrielle spielt derweil eine Mitarbeiterin von Roger, die aber auch eine Verbindung zu Leo hat. Sie ist sozusagen die Brücke zwischen den Parteien, die miteinander auf Kriegsfuß stehen. Noor ist als FBI-Agentin Nazan Abbasi gesetzt, die den Masterplan von Leo und Co ebenfalls durchkreuzen könnte. Bei Haus des Geldes war es leichter, sich die Figuren zu merken, das sie praktischerweise mit Städtenamen versehen wurden.

Doch vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, immer den Überblick zu behalten. Denn aufgrund ihrer „Randomisierbarkeit“ bleibt die Serie an vielen Stellen vage, damit ja niemand verwirrt wird. Besonders nichtssagend sind die Einstiege der einzelnen Episoden, in denen Esposito quasi Glückskekssprüche über das Leben als Verbrecher aufsagt. Dass die nach Farben benannten Folgen alle irgendwie gleich sind, macht das Experiment zwar sicherer, aber auch langweiliger...

Wie ist es?

Eigentlich das spannendste Experiment, das Kaleidoscope zu bieten hat, ist es, den Hauptdarsteller Esposito ausnahmsweise mal als Sympathieträger statt als Schurken zu erleben. Wobei auch das eher ein Fehlschlag ist, was weniger am Schauspieler liegt, sondern am wirklich schwachen Skript des Serienmachers Eric Garcia. Die Serie schaut sich wie ein schlechteres „Haus des Geldes“, wobei sich „Haus des Geldes“ schon wie ein schlechteres „Ocean's Eleven“ angefühlt hat.

Besonders die Dialoge stechen negativ hervor. An einer Stelle lässt man Esposito tatsächlich „Boo-yaa!“ sagen und einen Fistbump geben, weil ihm eine Suppe gut schmeckt. Jeder zweite Satz, der gesprochen wird, ist ein richtig langweiliger Spruch, der cool klingen soll. So Sachen wie: „Hör auf, ihn zu verprügeln, ich brauche meinen Schönheitsschlaf.

Da fängt man selbst an zu gähnen, doch Netflix ist historisch betrachtet mit derart oberflächlichen und klischeeüberladenen Eigen-Produktionen eigentlich immer gut gefahren. Also wird wohl auch „Kaleidoskop“ ein großer Erfolg werden, über den man beim nächsten Familientreffen mit Onkel und Tante sprechen kann. Interessanterweise scheint die Serie für User, die über dasselbe Konto (aber über verschiedene Profile) schauen, die Reihenfolge nicht zu randomisieren. So weicht wenigstens die Seherfahrung innerhalb der Familie nicht ab.

Abschließend vielleicht noch was Versöhnliches: Der Soundtrack ist relativ sympathisch, mit einem 70er Jahre Funk-Vibe. Außerdem gibt es hin und wieder schöne Einstellungen, was das bunte Farbthema angeht. Davon abgesehen trifft es der Serientitel „Kaleidoskop“ eigentlich selbst am besten, denn bei dem Kinderspielzeug ist es ähnlich wie bei der neuen Netflix-Serie: Zunächst scheint das Ganze sehr faszinierend, doch nach wenigen Minuten herrscht bereits Langeweile. Oder hat schon mal jemand länger als zwei Minuten in ein Kaleidoskop geblickt? Zwei von fünf Sterne.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie Kaleidoscope:

Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 2. Januar 2023
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Kaleidoscope 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Schwarz: Einführung in Kaleidoskop
Titel der Episode im Original
Yellow
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. Januar 2023 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 1. Januar 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Sonntag, 1. Januar 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Sonntag, 1. Januar 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Sonntag, 1. Januar 2023
Autor
Eric Garcia
Regisseur
José Padilha

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