Justified 1x12

Justified 1x12

Justified bewegt sich entschlossen auf das großen Finale zu - und eins macht die Serie klar: Nicht jede Figur wird das erreichen, wonach sie strebt. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev steht auf der BrĂŒcke und beobachtet die LKWs.

Like Father, like Son / (c) FX
Like Father, like Son / (c) FX

Bei Serien wie Justified kann man schwer ĂŒber Doppelepisoden oder Ähnliches reden. Es ist zwar ersichtlich, dass der Weg immer enger und die Bewegung immer schneller wird - von Veterans ĂŒber Fathers and Sons zum Finale Bulletville (schon bei dem Titel zuckt mein Zeigefinger) -, aber im Grunde ist dieser Dreiakter Ergebnis der kleinen, aber feinen Bewegungen der ErzĂ€hlung aus all den vorherigen Episoden. Justified schafft es, den Vorgeschmack auf das Finale extrem intensiv zu gestalten, indem diese Episode ganz klar zeigt, wieviel fĂŒr die Figuren auf dem Spiel steht.

Das Interessante daran: Im Grunde will keine der Figuren diese Entwicklung in Richtung Showdown wirklich! Wenn nur die Kentucky-Bewohner nicht eine so extreme HartnĂ€ckigkeit an den Tag legen wĂŒrden... Als Zuschauer allerdings ist man fĂŒr diese HartnĂ€ckigkeit dankbar - auch fĂŒr die der Autoren, die sich schon frĂŒh entschlossen hatten, Walton Goggins aka Boyd in den Hauptcast zu befördern: denn geschickt setzen sie ihn im Laufe der kompletten Season als Dreh- und Angelpunkt der Bewegung innerhalb der Justified-ErzĂ€hlung ein. Zwar erzĂ€hlt Justified Raylans (Timothy Olyphant) Geschichte, aber Boyd ist derjenige, der sie vorantreibt. Durch seine Handlungen und seine Beziehung zu Raylan befördert er sĂ€mtliche Facetten von Raylans Charakter ans Tageslicht und treibt ihn somit unausweichlich dazu, sich selbst zu begegnen, Entscheidungen nicht leichthĂ€ndig zu treffen. Wenn man es ganz genau nimmt, redet Boyd zwar davon, dass er durch Raylans Tat verĂ€ndert wurde - aber eigentlich ist es Raylan, der in den letzten Episoden durch Boyd verĂ€ndert wurde.

Fathers and Sons zeigt eins: Boyds Worte, wenn auch in biblische Metaphern verpackt, sind nicht leer. Sie lauteten und lauten noch immer: „Fire in the Hole!“ Um diesen Ausruf - ĂŒbrigens Titel von Leonards Vorlage fĂŒr die Serie! - gruppieren sich die letzten Episoden: um ihn und um Boyds Gesicht, das nach wie vor schwer zu lesen ist. Zwischen den Zeilen muss wiederum Bo in dieser Episode lesen, um festzustellen, dass Boyd ihn in seiner großartigen, selbst inszenierten und gespielten Predigt in der Kirche eine letzte Warnung ĂŒbermittelt hat: „Like Jesus, we must never be afraid to strike out against those who practice evil.“ Das Familienblut wird immer dĂŒnner.

Söhne rebellieren gegen VĂ€ter, was Letzteren - wie immer, wie ĂŒberall - nicht gefĂ€llt. Arlo sagt zu Raylan: „Should be glad your mother didn't live to see how you turned out.“ Das passiert, nachdem die Marshalls mit Arlo einen Deal abgeschlossen haben: Arlo soll als Maulwurf arbeiten, um Bo und Boyd hinter Gitter zu bringen. Raylan besteht darauf, dass er eine Wanze trĂ€gt, was Arlo ganz und gar nicht zusagt. Sein Plan: die Marshalls ausnutzen, beide Seiten gegen einander ausspielen, um selbst aus dem Schneider zu kommen und obendrein vielleicht ein bisschen was zu verdienen... Faszinierend spielen Raymond J. Berry (Arlo) und M.C. Gainey (Bo) die Szene, in der Arlo zu Bo geht und ihm mit Stift und Papier mitteilt, dass er Maulwurf ist und eine Wanze trĂ€gt. Arlo kann sehr geschickt Geschichten flechten, wie wir im Veteranenheim erleben dĂŒrfen, als er den Soldaten mit einer - wie man spĂ€ter erfĂ€hrt: erfundenen - Geschichte aus dem Vietnamkrieg ĂŒberreden kann, sich und das Haus nicht mit der Granate in die Luft zu jagen.

Like father, like son! So hĂ€tten die VĂ€ter es gern. Die Söhne aber haben ihre CharakterzĂŒge nur ĂŒbernommen, um sich gegen ihre VĂ€ter aufzulehnen: „My son's been fighting wars since the day he was born“, sagt Arlo. Die Frauen neigen ihrerseits dazu, um Raylan zu kĂ€mpfen: Winona (Natalie Zea) lĂ€sst hier dem Flirt am Fahrstuhl (letzte Woche) den nĂ€chsten Schritt folgen und stattet Raylan einen romantischen nĂ€chtlichen Besuch ab. Man sah es kommen! Ava auch - denn leider sieht sie Winona aus Raylans Zimmer gehen und konfrontiert ihn spĂ€ter mit der Tatsache. Fast alle Frauen der Serie - es sind ihrer ja nicht viele - sehen wir involviert in TĂȘte-Ă -tĂȘtes. Winona: „It's kinda hard to stay mad at Raylan.“ Ava: „I wouldn't know. I'm just getting started.

Da Bo weiterhin seine Leute hinter Ava herschickt, sieht sie sich gezwungen, ihm einen bewaffneten Besuch abzustatten, nachdem sie sich von Helen das passende Gewehr geholt hat. Ich finde, diesmal haben die Autoren die Frauen-Szenen herausragend hinbekommen. Was mich aber ein bisschen stört, ist Rachels Verschwinden. NatĂŒrlich hat man mit den Geschichten aller Übrigen reichlich zu tun, aber Rachel einfach verschwinden zu lassen...? Oder habe ich die BegrĂŒndung dafĂŒr verpasst?

Bo nun verpasst tatsĂ€chlich etwas. Er besucht den Drogenboss in Miami, um das große bevorstehende Meth-GeschĂ€ft abzuwickeln. Nach dem ĂŒblichen "Ich-drohe-dir-du-drohst-mir" werden sie sich einig, und die Lieferung ist unterwegs. Aber Bo hat die Rechnung ohne seinen Sohn gemacht, denn ein Raketenwerfer ist nicht dazu da, Staub zu fangen...

Was wir definitiv alle auf der Rechnung haben mĂŒssen, ist das Finale nĂ€chste Woche:

Fire in the Hole!

Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 2. Juni 2010
Episode
Staffel 1, Episode 12
(Justified 1x12)
Deutscher Titel der Episode
VÀter und Söhne
Titel der Episode im Original
Fathers and Sons
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 1. Juni 2010 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 26. Mai 2012
Autor
Dave Andron
Regisseur
Michael Katleman

Schauspieler in der Episode Justified 1x12

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