Justified 1x06

Das nennt man Timing: Die Justified-Produzenten haben The Collection definitiv mit Absicht als sechste Episode platziert, damit sie an einem ganz bestimmten Tag ausgestrahlt werden kann, nĂ€mlich an Adolf Hitlers Geburtstag. Warum das? Weil die Thematik der Episode Kentucky mit dem Dritten Reich in Verbindung bringt. Nein, Boyd (Walton Goggins) ist nicht aus dem GefĂ€ngnis ausgebrochen, um mit der Panzerfaust in der Hand den Geburtstag des FĂŒhrers zu feiern.
In The Collection geht es um Hitlers Kunst. Kunstvoll setzt Justified den Fall der Woche als Spiegel fĂŒr Raylans GemĂŒtszustand ein und montiert alle laufenden Subplots klein, aber fein dazwischen: Der Schatten der Entlassung von Boyds Vater lastet auf Ava und Raylan (Timothy Olyphant); Boyd selbst scheint verdĂ€chtig gelĂ€utert; Winona (Natalie Zea) braucht Raylans Hilfe, und die US-Anwaltschaft hat sich in Gestalt von David Vasquez (Rick Gomez) vorgenommen, einen genauen Blick auf Raylans SchieĂĂŒbungen der letzten Jahre zu werfen.
Ich zĂ€hle das alles nicht auf, um eine Inhaltsangabe zu liefern, sondern um zu zeigen, wie viel die Autoren in einer - auf dem ersten Blick - Stand Alone-Episode zu "verbergen" wissen. Warum verbergen? Weil keiner dieser ErzĂ€hlstrĂ€nge besonders hervorgehoben wird. Die Serie behandelt alles auf eine sehr gelassene Art und Weise, wie man es von Elmore Leonard kennt, und spiegelt damit wiederum das Wesen ihrer Hauptfigur Raylan Givens. Kann sein, dass ich mich jedes Mal wiederhole, aber fĂŒr mich sind die Höhepunkte jeder Episode Raylans Geschichten, mit denen er die VerdĂ€chtigen einlullt, um ihnen etwas mitzuteilen, ohne es ihnen mitzuteilen, und sie somit komplett aus der Bahn wirft.
Um ganz ehrlich zu sein: der Fall der Woche - mit der untreuen Ehefrau (Katherine LaNasa), dem Pferdetrainer und Liebhaber (Brett Cullen) und dem kompletten Verschwörungsdreieck, wo jeder jeden auszuspielen versucht - ist an sich nicht Bahn brechend. Aber die Art, wie Raylan mit jeder der beteiligten Figuren interagiert, macht den Unterschied zu einem herkömmlichen Krimi aus. Justified vergisst nicht, seinen Helden dazu zu zwingen, auch mit sich selbst zu interagieren, sich selbst nicht davon kommen zu lassen.
Ausgerechnet Boyds Figur wird zum Auslöser fĂŒr Raylans SelbstgesprĂ€che. Denn im Austausch fĂŒr Informationen ĂŒber Raylans Vater Arlo verlangt Boyd, dass Raylan tief in seine Seele blickt und sich Fragen ĂŒber das Thema "Verzeihen" stellt. Geschickt verdoppelt die Serie diesen Druck auf Raylan mit der vorletzten Szene, als der Kunstsammler (Robert Picardo) Raylan seine Hitler-Sammlung zeigt. Sein Vater nĂ€mlich war als Kunstexperte fĂŒr das Dritte Reich tĂ€tig. Sein ganzes Leben hat der Kunstliebhaber damit verbracht, seinen Vater zu hassen: er kaufte deswegen jedes von Hitler gemalte Bild, um es dann zu verbrennen und GlĂ€ser voller Asche zu sammeln.
Somit lautet der Cliffhanger, den Boyd in der letzten Szene mit Raylan inszeniert: Hass hinterlÀsst nichts als Asche. Willst du sie sammeln?
Verfasser: Vladislav Tinchev am Mittwoch, 21. April 2010(Justified 1x06)
Schauspieler in der Episode Justified 1x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?