Justified: City Primeval 1x01

© FX
Vom großen Publikum weitestgehend übersehen, gehört der FX-Neo-Western Justified sicherlich zu den besten Serien des vorangegangenen Jahrzehnts. Mit Justified: City Primeval durfte das Duo Dave Andron und Michael Dinner nun ein Revival auf die Beine stellen, wobei der damalige Creator Graham Yost nur noch als Produzent involviert war (er hatte zuletzt Silo bei Apple TV+ zu verantworten). Zurückgekehrt ist dafür der Hauptdarsteller Timothy Olyphant (auch bekannt für Deadwood oder Santa Clarita Diet), der erneut in seine Paraderolle Raylan Givens schlüpft.
Dabei hätte die Buch-Vorlage von Elmore Leonard eigentlich auf den coolsten Revolverhelden unserer Gegenwart verzichtet. Andron und Dinner wussten aber richtig einzuschätzen, dass „Justified“ nur mit dem Charme von Olyphant funktionieren kann. Dass man derweil ohne den Superschurken Boyd Crowder auskommt, gespielt von Walton Goggins (aktuell in I'm a Virgo), geht dadurch auf, dass ein schaurig starker Boyd Holbrook (Narcos, The Sandman) an seiner Stelle mit von der Partie ist.
Dank seiner Darbietung, der des Protagonisten, der stimmungsvollen Inszenierung und dem stilgerecht adaptierten Drehbuch erweist sich „City Primeval“ als perfekter Sommernachtsthriller.
Siehe auch: US-Quoten: Justified - City Primeval startet solide
Hierzulande wird die achtteilige Revival-Season übrigens ab dem 6. September bei Disney+ zur Verfügung stehen. Beim gleichen Streamingdienst kann man übrigens schon jetzt die sechs Original-Staffeln (mit insgesamt 78 Episoden) streamen, die einst zwischen 2010 bis 2015 liefen.
Worum geht's?
Deputy U.S. Marshal Raylan Givens (Olyphant) ist inzwischen von Kentucky nach Florida umgesiedelt. Dort arbeitet er weiter als Gesetzeshüter mit Hang zu Aggressionsproblemen und einer oft viel zu schnell gezogenen Waffe. Was als Prämisse vor der #BlackLivesMatter-Bewegung noch irgendwie ganz unterhaltsam klang, muss man heutzutage natürlich etwas kritischer beleuchten. Und genau das tut „City Primeval“ auch, indem dem Helden mit der Anwältin Carolyn Wilder (Aunjanue Ellis, Lovecraft Country) eine großartige Gegenspielerin gegeben wird, die eigentlich am ehesten die Heldenrolle erfüllt.
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Raylan redeemt sich vor allem in seiner Funktion als Vater. Seine 15-jährige Tochter Willa tritt im Revival prominenter denn je in Erscheinung. Gespielt wird sie interessanterweise von Vivian Olyphant, also dem realen Sprössling des Serienstars. Somit ist die besondere Chemie der beiden unübersehbar. Und die Teenagerin hat zudem eine Schlüsselfunktion in der Beziehung zwischen Raylan und seiner neuen Nemesis Clement Mansell (Holbrook), den man als „The Oklahoma Wildman“ kennt. Der selbstverliebte Serienkiller treibt in Detroit, Michigan sein Unwesen, was den Marshal unfreiwillig auf den Plan ruft...

Die Geschichte beginnt für Raylan, als er mit Willa auf Reisen ist. Typisch für ihn, zieht er die bösen Buben magnetisch an. Kurzerhand nimmt er zwei Gauner gleichzeitig in Gewahrsam und muss daher vor Gericht eine Aussage machen. Dabei legt er sich sowohl mit der besagten Advokatin an, die seiner Art, nicht zu streng auf die Regeln zu schauen, ganz und gar nichts abgewinnen kann, als auch mit dem Richter Alvin Guy, der von Keith David gespielt wird, welchen man aus Rick and Morty als Stimme des US-Präsidenten kennt.
Dieser Judge Guy ist ein ganz harter Knochen, der sich nicht einmal durch eine Autobombe einschüchtern lässt, die ihn am Morgen der Verhandlung hätte umbringen sollen. Obwohl er Raylan verachtet, hält er ihn genau für den richtigen Mann, um nach den Verantwortlichen zu fahnden. Denn manchmal brauche es eben einen frechen Weißen, wenn man einen anderen frechen Weißen erwischen will, wie er so schön erklärt. Dass Holbrooks Antagonist mit der Sache was zu tun haben könnte, deutet sich recht bald an. Unterstützung kriegt er von seiner Partnerin Sandy Stanton (Adelaide Clemens, Rectify).
Ebenfalls im Ensemble: Vondie Curtis Hall (The Recruit) als zwielichtiger Barbetreiber Marcus „Sweety“ Sweeton sowie Marin Ireland (Sneaky Pete), Victor Williams (King of Queens) und Nobert Leo Butz (Debris) als Detroiter Detectives. Regie bei den beiden Auftaktepisoden die wir vorab sichten konnten, führte Michael Dinner.
Wie ist es?
Dem verantwortlichen Showrunner-Gespann Dave Andron und Michael Dinner ist es tatsächlich - auch ohne Hilfe von Ur-Schöpfer Graham Yost - gelungen, den alten Justified-Charme im Revival Justified: City Primeval wiederzubeleben, was sie sicherlich zu einem Großteil der Teilnahme des Hauptdarstellers Timothy Olyphant verdanken. Sein Raylan Givens ist und bleibt eine der spannendsten Heldenfiguren unserer Zeit - deren Faszination genau darin liegt, dass sie eigentlich nicht mehr in unsere Zeit passt.
Mit Boyd Holbrook wurde zudem wieder ein fantastischer Schurke gefunden, der garantiert, dass man auch in den Szenen, in denen unser Lieblingsgesetzeshüter nicht zu sehen ist, gebannt am Bildschirm bleibt.
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Nicht nur bietet die Serie die besten Sprüche, die das Fernsehen zu bieten hat, auch profitiert die Story von der mutigen Entscheidung, den „Justified“-Hauptcharakter in diese Adaption der größtenteils Raylan-losen Elmore-Leonard-Vorlage zurückzuholen. Außerdem kann das tolle Revival als Erinnerung verstanden werden, „Justified“ endlich nachzuholen, falls man es damals verpasst haben sollte. Viereinhalb von fünf Revolvern für den Auftakt dieses TV-Highlights 2023.
Hier abschließend noch der Trailer zum Revival - der hier rezensierten Serie „Justified: City Primeval“
Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 1. August 2023Justified: City Primeval 1x01 Trailer
(Justified: City Primeval 1x01)
Schauspieler in der Episode Justified: City Primeval 1x01
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