Jury Duty: Kritik zur verrückten Gerichtskomödie mit James Marsden

Jury Duty: Kritik zur verrückten Gerichtskomödie mit James Marsden

Wenn man es richtig macht, kann man andere Menschen auch mit ganz viel Herz hinters Licht führen und dabei reale Freundschaften schließen. Genau das erleben wir in der Freevee-Mockumentary „Jury Duty“ mit James Marsden.

James Marsden (r.) in „Jury Duty“
James Marsden (r.) in „Jury Duty“
© Amazon Freevee

Das komödiantische Autorenduo Lee Eisenberg und Gene Stupnitsky (The Office, „Good Boys“) hat sich offenbar gefragt, wie man „Die Truman Show“ in echt umsetzen kann, aber nicht als dystopische Medienkritik, sondern als Gerichtskomödie und Feier von Freundschaft. Mithilfe von „Funny or Die“-Regisseur Jake Szymanski sowie Schauspielstar James Marsden (Westworld, „Sonic the Hedgehog“) haben sie für die kostenlose/werbefinanzierte Streaming-Plattform Amazon Freevee die halbfiktionale Mockumentary Jury Duty (zu Deutsch: „Geschworenenpflicht“) kreiert, die man seit dem 7. April abrufen kann.

Mittlerweile sind alle acht Episoden der Auftaktstaffel online. Und nachdem wir Euch dieses ganz spezielle Format schon als Streamingtipp empfohlen haben, wollen wir nun auch nochmal auf das Finale eingehen. Wer hätte gedacht, dass aus dieser kleinen - und ehrlicherweise ziemlich verrückten - Idee eines der frühen Serienhighlights 2023 entspringen würde?

Ebenfalls im (absichtlich wenig namhaften) Cast der Multi-Kamera-Comedy: Alan Barinholtz (History of the World: Part II), Susan Berger (Brooklyn Nine-Nine), Cassandra Blair (Hacks), David Brown, Kirk Fox (Reservation Dogs), Ross Kimball, Pramode Kumar, Trisha LaFache, Mekki Leeper (The Sex Lives of College Girls), Brandon Loeser, Edy Modica (Made for Love), Rashida Olayiwola (South Side), Kerry O'Neill (Murderville), Whitney Rice, Maria Russell, Ishmel Sahid, Ron Song, Ben Seaward und Evan Williams. Der Star der Serie ist jedoch ein ganz normaler Typ: Ronald Gladden (aka Juror #6).

Worum geht's?

In „Jury Duty“ wird ein typischer und gleichzeitig untypischer US-amerikanischer Gerichtsfall erzählt, der von vorne bis hinten fake ist. Nur ein einziges Element ist echt, nämlich einer der Geschworenen, für den das ganze Schauspiel aufgeführt wird. Die anderen elf Geschworenen, der Richter, die Gerichtsdienerin, die Klägerin, der Angeklagte und die Advokat:innen beider Seiten sind geskriptet. Ziel war es wohl zunächst, die Absurditäten des Justizsystems der Vereinigten Staaten aufzuzeigen. Doch dann haben die Verantwortlichen begriffen, dass ihr „Opfer“, der im sonnigen San Diego beheimatete Solarfachmann Ron, der netteste Kerl der Welt ist. Bald schon haben die Lockvögel reale Sympathien für ihn entwickelt.

Nur einer hat die ganze Zeit über daran festgehalten, Störenfried zu sein: James Marsden. Der relativ bekannte B-Lister in Hollywood hatte allergrößten Spaß daran, die arrogante Filmdiva zu spielen. Die größte Demütigung für ihn: Er darf nur als Ersatzjuror fungieren, während Ron zum Sprecher der Geschworenen gewählt wird. Eine Aufgabe übrigens, bei der er über sich hinauswächst. Verblüffend geduldig und rührend einfühlsam versucht er alle mitzunehmen. Es ist ziemlich unglaublich, dass bei einer Serie, wo alles kontrolliert wurde, außer dieser eine Faktor, ausgerechnet er das Beste daran ist...

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„Jury Duty“
„Jury Duty“ - © Amazon Freevee

Wenn man „Jury Duty“ schaut, vergisst man immer wieder, dass das alle nur gefälscht ist. Das muss man sicher auch dem Ensemble anrechnen, das selbst in den lustigsten Situationen nie aus der Rolle fällt. Ich persönlich hätte spätestens, als die Verteidigung ihre Animation des Tathergangs präsentiert, die Contenance verloren und angefangen zu lachen. Dann wäre die aufwändige und kostspielige Inszenierung umsonst gewesen. Also großes Kompliment an alle Beteiligten für ihre Disziplin und ihre Professionalität. Selbst für die geübtesten Schauspieler:innen ist dies keine einfache Aufgabe.

Man hat sich viele fantastische Figuren ausgedacht: das dysfunktionale Liebespaar Noah (Leeper) und Jeannie (Modica); den unbeholfenen Erfinder Todd (Brown); die schläfrige Seniorin Barbara (Berger); den unter seiner Scheidung leidenden Lehrer Ross (Kimball); den spielsüchtigen Koreaner Ken (Song); die angeblich emotional traumatisierte Klägerin Jacquiline Hilgrove (Rice); den sichtlich benachteiligten Angeklagten Trevor Morris (Seaward); den wunderbar inkompetenten Verteidiger Shaun Sanders (Evan Williams); Olayiwola als Officer Nikki Wilder; und zu guter Letzt Barinholtz als betagter Richter Alan Rosen.

Kurz vor dem Finale (aka The Verdict) konnte man trotzdem nervös sein, wie das Ganze aufgeklärt wird. Wie gesagt: Die Freundschaften, die Ron und die Fake-Geschworenen geschlossen haben, wirkten echt. Man hatte also Sorge, dass Rons Herz gebrochen würde, sobald er erfährt, dass er an der Nase herumgeführt wurde. Tatsächlich hat man die Auflösung genauso gefühlvoll umgesetzt wie den Rest der Serie. Der ehrenwerte Richter sprach unseren Lieblingsgeschworenen schuldig im Anklagepunkt, ein guter Mensch zu sein. Dass sich die Macher:innen zum Schluss eine ganze Folge Zeit genommen haben, uns hinter die Kulissen blicken zu lassen, war in dieser Hinsicht ebenfalls sehr erfreulich...

Wie ist es?

Alles in anderem wollen für „Jury Duty“ bei Amazon Freevee nochmal unsere allerwärmste Empfehlung aussprechen. Es gibt nicht viele Comedyserien - vor allem, wenn sie auf einer Täuschung basieren -, die so viel Herz haben. Die Gerichtskomödie mit James Marsden als ihm selbst beziehungsweise eine arrogante Version seiner selbst hat viele Überraschungen zu bieten. Sie wird einen zum Lachen und auch zum Lächeln bringen, sie ist lustig und gleichzeitig ganz lieb.

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Dafür vergeben wir insgesamt viereinhalb von fünf möglichen Sternen. Gebt dem Ganzen beim Gratisstreamer Freevee gern mal eine Chance. Und wenn Ihr das außergewöhnliche Format bereits gesichtet habt, schreibt uns, was Ihr davon haltet.

Hier abschließend der Trailer zur Serie:

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