Joint Venture: Kritik zur französischen Drogenserie von Netflix

Joint Venture: Kritik zur französischen Drogenserie von Netflix

Nach der deutschen Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast) legt Frankreich mit Joint Venture nach. Lohnt sich der neue Drogenrausch? Und wo schneidet die französische Eigenproduktion zwischen Marseille und Osmosis ab?

Olivier Rosemberg und Jonathan Cohen in „Joint Venture“ (c) Netflix
Olivier Rosemberg und Jonathan Cohen in „Joint Venture“ (c) Netflix
© livier Rosemberg und Jonathan Cohen in „Joint Venture“ (c) Netflix

Wenn es nach Netflix geht, ist zurzeit nichts cooler als Drogen. Nach der kurzlebigen Chuck-Lorre-Comedy Disjointed mit Kathy Bates und der deutschen Eigenproduktion How to Sell Drugs Online (Fast), die überraschend innovativ ausfiel, erscheint mit dem französischen Original Joint Venture nun die nächste Serie, die psychoaktiven Substanzen frönt. Kreiert wurde sie vom in Russland geborenen Regisseur und Schauspieler Igor Gotesman („Five“), der darin die Geschichte einer jüdischen Familienfleischerei erzählt, die zum ersten Pariser Coffeeshop umgebaut wird.

Von der Fleischerei zur Fleisch-high-rei

Unser Protagonist, gespielt von Jonathan Cohen („Ein Lied in Gottes Ohr“), ist ein planloser Träumer, der von einer dummen Schnapsidee zur nächsten stolpert, dabei aber nie die Hoffnung aufgibt. Sein jüngster Coup: eine Handy-App, die simuliert, dass man in einen Tunnel fährt, so dass die Telefonverbindung abbricht, wann immer man es braucht.

Beim ersten Verkaufspitch wird gleich mal das Humorniveau der Serie ausgelotet: Auf die Frage, warum sein bester Kumpel, gespielt von Olivier Rosemberg („Die Herzen der Männer“), der sich als Programmierer der App ausgibt, nicht Python, sondern JavaScript als Skriptsprache ausgewählt hat, erwidert dieser, dass er Angst vor Schlangen habe. Sacre bleu!

Obwohl Gotesman nach solch einem Flachwitz seine Lizenz für Gags eigentlich für immer verlieren sollte, macht er einfach unbehelligt weiter und lässt seine Figuren zum Beispiel von Hunden erzählen, die ihnen beim Sex an den Testikeln lecken. Wer all die Peinlichkeiten und Fremdschamszenen der Pilotepisode Business plan (1x1) aber aushält, wird mit ein paar netten Charaktermomenten belohnt. Tatsächlich ist Familie Hazan, die im Zentrum all dessen steht, durchaus sympathisch.

Da wäre zunächst der verwitwete Patriarch, gespielt von Gérard Darmon („Die Herzen der Männer“), der mit seiner Sturheit die Fleischerei schnurstracks Richtung Insolvenz führt, seine Schwiegermutter, gespielt von Liliane Rovère (Call My Agent!), die mit ihrem grünen Daumen bald zur wertvollsten Akteurin wird, und natürlich die Schwester des Protagonisten, gespielt von Julia Piaton („Monsieur Claude und seine Töchter“), die in vielerlei Sinne die Stimme der Vernunft darstellt, dummerweise aber bald nach Japan umzieht, um mit ihrer heimlichen Geliebten zusammenzuleben.

Liliane Rovere in Joint Venture
Liliane Rovere in Joint Venture - © Netflix

Doch, wie man es von einer französischen Serie nicht anders erwartet hätte, ist dies nicht die einzige Affäre: Auch unser Protagonist hat eine Liebschaft, die nicht an die Öffentlichkeit dringen soll. Denn er ist mit der kleinen und noch ziemlich jungen Schwester seines zweiten besten Freundes liiert. Sie wird gespielt von Lina El Arabi („Noces“), er von Ali Marhyar („Katakomben“). Als Araber wollen sie nichts mit dem Plan der Hazans zu tun haben, legal Marihuana zu verkaufen. Schließlich wissen sie, dass sie vermutlich die Ersten wären, die die Polizei verhaften würde, falls etwas schiefgeht.

Hundertprozentig erlaubt ist das Unterfangen anfangs nämlich nicht. Dass Gras in Frankreich frei zum Verkauf angeboten werden soll, ist zunächst nur ein Gerücht. Durch eine alte Freundin, gespielt von Louise Coldefy („Kinder, Küche, Chaos“), bekommen die Hazans einen Tipp. Ihr Vater werde bald der nächste Gesundheitsminister und die Legalisierung von Marihuana stehe ganz oben auf seiner Agenda. Wer diese Information nutzt, kann früh zum Marktführer avancieren...

Fazit

Alles in allem ist Joint Venture, die neue Netflix'sche Eigenproduktion aus Frankreich, nicht der Rede wert. Das Thema Drogen ist längst kein Schocker mehr und wurde spätestens seit Breaking Bad fast schon überstrapaziert. Im Gegensatz zur deutschen Serie How to Sell Drugs Online (Fast) kann das französische Original auch inszenatorisch keine spannenden Akzente setzen. Die Figuren und Schauspieler/-innen wirken zwar ganz nett, aber der Humor von Showrunner Igor Gotesman lässt definitiv zu wünschen übrig, was für eine Komödie natürlich fatal ist.

Auf der anderen Seite sind sechs Episoden à 25 Minuten schnell geschaut. Und wer Lust aufs Pariser joie de vivre hat, kann das Ganze natürlich auch im Originalton schauen. Um die Serie, wie versprochen, abschließend zwischen den anderen beiden französischen Netflix-Eigenproduktionen einzuordnen, kann man wohl sagen: Joint Venture schlägt zwar das aufgeblasene Politdrama Marseille, muss sich aber der fantasievollen Sci-Fi-Serie Osmosis geschlagen geben.

Hier abschließend der Trailer zur französischen Netflix-Serie „Joint Venture":

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