Jinn 1x01

© er Cast von „Jinn“ (c) Netflix
Die erste Episode von Jinn führt uns nach Jordanien und zeigt eine Gruppe von Teenagern bei einem Schulausflug. Als einer von ihnen während des Trips tödlich verunglückt und die junge Mira (Salma Malhas) in derselben Nacht mysteriösen Besuch erhält, nimmt die Vermutung, dass übernatürliche Kräfte am Werk sind, immer mehr Form an.
Was geschieht in der Pilotepisode von „Jinn"?
Klassenrüpel Tarek (Abdelrazzaq Jarkas) macht sich im Zuge des Tages reichlich unbeliebt bei seinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Kurze Zeit später stürzt er auf mysteriöse Art und Weise betrunken von einem Felsen und landet vor den Füßen einer entsetzten Mira. Kurz darauf erhält die Klasse die schockierende Nachricht, dass er das vermeidliche Unglück nicht überlebt hat. Doch war es wirklich ein Unfall oder ist etwas anderes am Werk? Als Mira nachts ungebetenen Besuch von einem Jungen namens Kerah (Hamzeh Okab) bekommt, der sie kryptisch vor einer Gefahr warnt und sich kurz darauf in Luft auflöst, beschleicht sie die Ahnung, dass an dem Mythos der Jinns etwas dran sein könnte. Dieser Verdacht erhärtet sich am nächsten Tag, als einer ihrer Mitschüler den Eindruck macht, nicht er selbst zu sein und sich zum Schrecken aller vor der versammelten Schülerschaft ein Messer zur Kehle führt.
Ein arabisches „Riverdale"?
Als ersten Eindruck lässt sich sagen, dass „Jinn“ sich produktionstechnisch qualitativ zumindest im Großen und Ganzen auf Augenhöhe mit anderen Formaten des VoD-Anbieters befindet und Jordaniens Hauptstadt Amman und deren Umgebung ansprechend in Szene gesetzt sind. Defizite zeigen sich dafür früh an anderen Stellen auf: Die größte Baustelle ist dabei der unerfahrene Cast, der stellenweise durch sehr hölzernes Schauspiel auffällt, so dass es manch eine/-r schafft, die ganze Episode über jede mögliche Gemütslage mit dem gleichen Gesichtsausdruck darzustellen. Positiv sticht da zumindest Aysha Shahaltough in der Rolle der selbstbewussten Vera heraus, die mit Abstand am meisten aus ihrer Figur herausholt und am natürlichsten wirkt.
Die Horror-/Thrilleraspekte können einen bisher noch nicht so richtig vom Hocker reißen, was aber auch daran liegt, dass einer/-m so manche Szene als gruselig verkauft wird, die es absolut nicht ist. So steigt etwa die Lehrerin bei persönlichen Nachforschungen auf den Felsen, von welchem ihr Schüler gestürzt war, woraufhin bedrohliche Musik einsetzt, die einfach irgendwie unangemessen an dieser Stelle wirkt und ein großes Fragezeichen hinterlässt. Mehr Fokus wird dafür auf das Drama unter den Schülerinnen und Schülern gelegt, welches sich erstaunlicherweise genau wie die generelle Darstellung der Serie sehr an westlichen Vorbildern orientiert: Wir haben Archetypen wie Klassenrüpel oder den Nerd mit einer Vorliebe für Übernatürliches, der im Grunde über nichts anderes redet, und natürlich die Themen Partys, Alkohol und Beziehungen, die bei den Charakteren im Mittelpunkt stehen.

Man gibt sich offensichtlich viel Mühe, westlich zu wirken, was wirklich schade ist, denn so wird die Gelegenheit verpasst, in den Alltag der jungen Generation einer Kultur einzutauchen, die uns in Europa nur selten vor Augen geführt wird. Stattdessen wirken viele Aspekte leider zu vertraut und man verwendet Konventionen und Klischees, die für westliche Sehgewohnheiten keine Besonderheit sind. Um mehr zu erreichen, müsste man sich viel mehr trauen, denn der in vielen Medien aufgegriffene Vergleich zu Riverdale hinkt etwas, da zumindest die erste Episode einfach nicht verrückt genug ist, um in diese Unterhaltungssparte zu rutschen.
Da wäre auch noch die Sache mit der Sprachauswahl: Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht (zumindest habe ich keine entdeckt) und die englische Synchro klingt zu 90% nach einer Parodie, da fast alle Figuren einen völlig überbetonten arabischen Klischeeakzent verpasst bekommen, der mehr peinlich als angemessen klingt. Die passendere Variante schien in diesem Fall dementsprechend das Original mit Untertiteln.
Fazit
Plot und Aufbau von Strange Whispers legen ein solides Fundament für die erste Staffel von Jinn, die mit einer Länge von fünf Episoden ziemlich schlank geraten ist. Die interessante übernatürliche Mythologie wird bisher recht zurückhaltend eingesetzt, verspricht jedoch Potential. Gebremst wird das Ganze allerdings vom qualitativ mäßigen Schauspiel vieler Darstellerinnen und Darsteller, deren geringe Erfahrung leider oft durchscheint. Als erste „arabische“ Netflix-Produktion ist Jinn meines Erachtens sicherlich kein großer Hit, könnte aber für so manchen unterhaltsam genug zu sein, um die kurze Staffel trotzdem zu verschlingen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie Jinn:
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 13. Juni 2019Jinn 1x01 Trailer
(Jinn 1x01)
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