Jett: Kritik zur Cinemax-Serie mit Carla Gugino

Jett: Kritik zur Cinemax-Serie mit Carla Gugino

Der berühmte letzte Job vor dem wohlverdienten Räuberruhestand geht bekanntlich immer schief. So nun auch in der neuen Cinemax-Serie Jett. Carla Gugino spielt darin eine Meisterdiebin. Ihren Boss mimt Giancarlo Esposito.

Carla Gugino und Giancarlo Esposito in „Jett“ (c) Cinemax
Carla Gugino und Giancarlo Esposito in „Jett“ (c) Cinemax
© arla Gugino und Giancarlo Esposito in „Jett“ (c) Cinemax

Cinemax, der zügellose kleine Schwestersender von HBO, kam über die Jahre immer wieder mit guten, aber leider kaum beachteten Serien um die Ecke, darunter beispielsweise Banshee, Quarry oder The Knick. Das jüngste Mitglied dieser Riege dürfte nun der Sommerkrimi Jett mit Carla Gugino (The Haunting of Hill House) und Giancarlo Esposito (Breaking Bad) werden. Sie tritt als verführerische Meisterdiebin auf, die frisch aus dem Gefängnis kommt und einen allerletzten Job erledigen will, und er als ihr enigmatischer Boss. Kreiert wurde das Ganze von Sebastian Gutierrez („Snakes on a Plan“).

One. Last. Job.

Dass sich Gutierrez durchaus mit dem Genre auskennt, beweist er bereits in der Eröffnungsszene, in der zwei Verbrecher eine „Pulp Fiction“-artige Unterhaltung führen, kurz bevor sie einen Mann umbringen und eine Frau entführen. Die Profanität, mit der die geübten Gesetzesbrecher an ihre Arbeit gehen, hat etwas Erschreckendes. Davon abgesehen, ist alles andere in Jett aber keineswegs profan, sondern geradezu extraordinär, was besonders für die glanzvolle Hauptdarstellerin Gugino gilt.

Ihr Charisma bringt die Serie erst zum Leuchten und wirft zugleich die Frage auf, wieso die 47-jährige Schauspielerin eigentlich keine größere Karriere hatte? Ihre tolle Darbietung vermag sogar darüber hinwegzutäuschen, dass ihr Charakter eigentlich einen ziemlich abgenutzten Prototypen perpetuiert (der zugegebenermaßen aber meist von einem Mann gespielt wird). Das Gefängnis war für Daisy „Jett“ Kowalski - übrigens trägt auch die Pilotepisode der neunteiligen Auftaktstaffel den Namen Daisy (1x01) - ein letzter Warnschuss. Auch, um endlich für ihre Tochter da sein zu können, will sie ihren Gaunerhut nun ein für alle Mal an den Nagel hängen. Doch der berühmte letzte Job kurz vor dem Ruhestand verführt auch sie...

Dabei ist sie es sonst, die alle anderen verführt. Doch Daisy tut das nicht nur für ihren Job, sondern schlichtweg aus Spaß. Wäre die Protagonistin ein Mann, würde mal wohl meinen, dass Gutierrez ein bisschen zu viele „James Bond“-Filme gesehen hat, aber mit einer weiblichen Verführerin hat das Ganze eben einen anderen Anstrich. Ohnehin wäre die Serie Jett eine schlechtere, wenn Gugino zufällig männlichen Geschlechts wäre. Denn dann würden auch ein paar andere Randnotizen schwerer zur Last fallen, so etwa die Art und Weise, wie ein gewisser Gangster namens Bennie (Christopher Backus) sein Entführungsopfer behandelt. Erst droht er ihr mit Vergewaltigung, dann beschwert er sich, dass sie zu emotional sei. Zu guter Letzt macht er ihr sogar noch Vorwürfe, weil sie kurz zuvor ihren Ehemann betrogen hatte. Na da hat einer aber Nerven!

Mustafa Shakir und Carla Gugino in Jett
Mustafa Shakir und Carla Gugino in Jett - © Cinemax

Der einzige, der Gugino das Wasser reichen kann, ist Esposito, der wie gesagt ihren Chef Charlie Baudelaire spielt. Er braucht Jett, damit sie für ihn seinen Erzfeind Miljan Bestic (Greg Bryk) in dessen Domizil auf Kuba beklaut. Auch hier fallen Sprüche wie: „Nur einer kann diesen Job erledigen, und das bist du.“ Doch Gutierrez gelingt es irgendwie, dem Ganzen einen Hauch von Selbstironie zu verleihen, so dass die Klischees weniger für Ärger als für Freude sorgen. Auch seine Inszenierung ist eher konventionell, mit klaren Anleihen aus Heist-Movies wie „Ocean's Eleven“. Gleichzeitig wirkt das Gesamtkunstwerk aber so professionell, dass man einfach applaudieren will, weil der Showrunner sein Handwerk so meisterhaft beherrscht.

Highlight der ersten Episode von Jett, die bereits am vergangenen Freitag, den 14. Juni bei Cinemax erschien, ist der finale Trip in die Karibik, auf den die Hauptfigur nun auch ihren ehemaligen Lover Quinn (Mustafa Shakir) mitnimmt, bei dem es sich (nicht ganz zufällig) um den besten Safeknacker der Welt handelt. Der besondere Esprit der Serie - der sie letztendlich von ähnlichen Formaten abhebt - wird überdeutlich, als die beiden, bevor sie an die Arbeit gehen, zunächst das Touriprogramm in Havanna durchziehen, wie echte Menschen es eben machen würden. Weitaus weniger spaßig wird es aber dann, als es schließlich ans Werk geht. Denn, wie gesagt: Auf dem berühmten letzten Job eines Verbrechers liegt offenbar ein Fluch...

Fazit

Dem Regisseur und Chefautor Sebastian Gutierrez mag mit Jett nicht gerade eine Neuerfindung des Heist-/Krimigenres gelungen sein, aber manchmal ist das auch gar nicht nötig. Im Gegensatz zur neuen Amazon Prime Video-Serie Too Old to Die Young von Nicolas Winding Refn hat sein Werk auch nicht den Anspruch, Bildkompositionen auf die Leinwand zu bringen, über die Filmstudierende ihre Abschlussarbeiten schreiben können. Aber wie für Cinemax üblich, ist die Optik (genau wie der Soundtrack) natürlich trotzdem makellos - und für reichlich Spaß und Spannung scheint ebenfalls gesorgt zu sein. Und besser noch: Die Serie bietet Carla Gugino eine Bühne, um endlich als unangefochtener Star ihr Können zu beweisen.

Für Fans von Serien wie Sneaky Pete, die ja kürzlich leider abgesetzt wurde, oder aber auch von Justified dürfte Jett genau das Richtige sein. Nach der Pilotepisode derweil noch fraglich ist, wie linear die Erzählung ausfallen wird, denn im Prinzip würde sich hier sogar ein Procedural-Format anbieten (wie es die beiden oben genannten Kandidaten auch anfangs waren). Mit Blick auf die bevorstehenden schlaflosen Sommernächte kommt die Serie sicherlich vielen sehr gelegen.

Hierzulande wird die Cinemax-Serie „Jett" bei Sky Atlantic HD zu sehen sein. Wann genau, ist allerdings noch unbekannt.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie des Kabelsenders Cinemax „Jett":

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