Chapelwaite: Kritik zum Serienstart der Stephen-King-Adaption mit Adrien Brody

Chapelwaite: Kritik zum Serienstart der Stephen-King-Adaption mit Adrien Brody

Der Kabelsender Epix erweckt in der Horrorserie Chapelwaite mit Adrien Brody die King'sche Kurzgeschichte Briefe aus Jerusalem zum Leben. Der langsame Auftakt setzt nun voll auf die Düsterkeit der Atmosphäre. Unsere Kritik.

Adrien Brody in der Serie Chapelwaite (c) Epix
Adrien Brody in der Serie Chapelwaite (c) Epix
© drien Brody in der Serie Chapelwaite (c) Epix

Es gab mal eine Zeit, da waren Serienadaptionen von Stephen-King-Stoffen etwas Besonderes. Doch inzwischen scheint alle zwei Wochen ein neues Format zu starten, das auf einem der unzähligen Werke des Horrorfürsten basiert. So nun auch die neue Epix-Serie Chapelwaite, die Kings Kurzgeschichte „Briefe aus Jerusalem“ von 1978 als Vorlage nimmt. Die Umsetzung stammt von den Brüdern Jason und Peter Filardi („Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben“).

Für die Hauptrolle konnte der Oscarpreisträger Adrien Brody („Der Pianist“) gecastet werden, der bald auch in der HBO-Serie Succession mitspielt. An seiner Seite tritt die Kanadierin Emily Hampshire (Schitt's Creek) auf, die von den Youngsters Jennifer Ens, Sirena Gulamgaus und Ian Ho begleitet wird. Die erste Episode der nun angebrochenen Auftaktstaffel trägt den unheimlichen Titel Blood Calls Blood, und wurde vom „Stolz und Vorurteil und Zombies“-Regisseur Burr Steers inszeniert.

Ein deutscher Abnehmer hat sich für die King-Adaption Chapelwaite noch nicht gefunden. Wir behalten das im Auge.

Worum geht's?

Die Geschichte beginnt 1817 in Massachusetts: Die Hauptfigur Captain Charles Boone (später Brody) ist noch ein Kind. Eines Nachts hört der Junge, wie sein Vater im wilden Wahn ein Grab im Garten aushebt. Landen soll darin Charles, denn der Teufel oder irgendeine dunkle Macht scheint von seinem Vater Besitz ergriffen zu haben. Im letzten Moment kann Charles' Mutter ihrem Sohn das Leben retten und fleht ihn an, weit wegzulaufen und nie wieder zurückzukehren.

33 Jahre später sehen wir, dass Charles dem Rat seiner Mutter gefolgt ist. Als Seemann reist er mit seiner fünfköpfigen Familie durchs japanische Meer. Doch, als seine Frau stirbt, ruft das Festland nach ihm, denn er will seine Töchter Honor (Ens), Loa (Gulamaus) und Tane (Ho) nicht auf offener See aufwachsen sehen. Kurzerhand beschließt der Familienvater, einem Erbe seines Cousins nach Maine - dem King'schen Bundesstaat - zu folgen und dort das alte Anwesen Chapelwaite mitsamt Sägemühle zu beziehen. Hier wollen die Boones einen Neustart wagen.

Epix
Epix - © Epix

Auf Anhieb wirkt ihr neues Zuhause leicht verflucht. Zumal sich auch ihre Nachbarn in der Kleinstadt Preacher's Corners recht unfreundlich verhalten. Der Name Boone ist vorbelastet und wird allgemein mit Unglück in Verbindung gebracht. So macht beispielsweise der puritanische Prediger der Gemeinde Charles und seinen Kindern klar, dass sie nicht willkommen sind. Nur die aufstrebende Autorin Rebecca Morgan (Hampshire) zeigt sich einladend und fängt als Haushälterin bei den Zugezogenen an. Dabei will auch sie lediglich die Geheimnisse der Familie lüften, um einen spannenden Artikel zu schreiben.

Nun bleibt abzuwarten, ob die Boones tatsächlich einen Fluch nach Preacher's Corners bringen. Im Finale der ersten Episode spitzen sich die gruseligen Ereignisse jedenfalls schon zu. Der Tod liegt in der Luft - und man kann nur hoffen, dass das, was vor 33 Jahren Charles' Vater überwältigt hat, nicht auch ihn befällt. Sind seine Töchter hier wirklich sicherer als auf See?

Wie ist es?

Die Auftaktfolge von Chapelwaite fällt mit etwas mehr als einer Stunde Laufzeit leider doch eher langatmig aus. Abgesehen vom furiosen Anfang und Ende der Episode passiert vor allem zur Mitte hin wenig Spannendes. Und auch die Gruselszenen sind - zumindest für meinen Geschmack - nicht gruselig genug, um die Ereignislosigkeit zu kompensieren. Lebendige Familienporträts und zugewachsene Gräber im Vorgarten, eklige Krabbeltierchen oder religiöse Flüche: Das alles sind sehr gewöhnliche Motive im Horrorgenre, die heutzutage kaum für Aufsehen sorgen können. Wobei natürlich Stephen King zu denjenigen gehört, die diese Klischees überhaupt erst erfunden haben.

Trotzdem hätten sich die beiden Serienautoren Jason und Peter Filardi vielleicht ein bisschen was Neues einfallen lassen sollen, wenn sie schon einen Stoff adaptieren, der mehr als 40 Jahre als ist. Bislang lässt Chapelwaite inhaltlich jedenfalls einen eigenen Charakter vermissen. Und auch der Regisseur Burr Steers spielt die Sache sehr sicher. Wobei es ihm durchaus gelingt, eine eindrucksvolle Atmosphäre zu kreieren, die einiges entschuldigt.

Spaß macht auch das Schauspielensemble, angeführt vom Filmstar Adrien Brody, der aufgrund seiner einzigartigen Erscheinung sowieso stets heraussticht. Er passt bestens in das historische Setting und gibt einen sympathischen und doch hintergründigen Helden ab. Emily Hampshire überzeugt ebenfalls, weil ihre freche Art im sonst so puritanischen Maine der damaligen Zeit etwas erfrischend Modernes ausstrahlt. Gleiches gilt auch für die Kinder in der Serie. Alles in allem kein perfekter Start für Epix' Chapelwaite, aber Potential ist durchaus da.

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie Chapelwaite auf Epix:

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