Jerks: Review der Pilotepisode

© ahri Yardim und Christan Ulmen in „Jerks“ (c) Maxdome
Jerks, die neue Serie von und mit TV-Tausendsassa Christian Ulmen, der sich darin gemeinsam mit seinem besten Freund Fahri Yardim durch den ganz normalen Alltagswahnsinn improvisiert, ist nicht nur die erste eigenen Serienproduktion aus dem Hause des VoD-Anbieters Maxdome. Man kommt auch den beiden Branchenriesen Netlfix und Amazon zuvor, die mit Dark respektive You Are Wanted (Premiere am 17. März) erst später im Jahr nachziehen und versuchen werden, das mit vorwiegend US-amerikanischen TV-Serien verwöhnte deutsche Streaming-Publikum mit ihren Formaten zu überzeugen.
Doch das Produzieren des nächsten deutschen Serienhits ist kein Wettstreit in dem Sinne, wer zuerst aus den Startlöchern kommt. Entscheidend ist nach wie vor die Qualität. Und diese ist bei „Jerks“ durchaus gegeben, auch wenn beim Genre der Improvisationskomödie die Bewertung wahrscheinlich so extrem vom Geschmack des einzelnen Zuschauers abhängt, wie nirgendwo anders. Die Pilotepisode des neuen Formats könnte aber selbst Skeptiker ansprechen, was vor Allem daran liegt, dass sich die beiden Hauptdarsteller nahezu blind verstehen und die Chemie zwischen Ulmen und Yardim förmlich greifbar ist.
Der Schöne und der Schrat
Viele Improv-Serien scheitern bereits an dieser auf dem Papier sehr einfach erscheinenden Voraussetzung. Mit Christian Ulmen und Fahri Yardim haben sich aber zwei Gleichgesinnte gefunden, denen man ihr authentisches Zusammenspiel von der ersten Minute an abkauft. Die Prämisse von „Jerks“ ist relativ simpel: als Zuschauer begleitet man das Duo beim alltäglichen Leben, von furchtbar unangenehmen Situationen bis hin zu schrecklich peinlichen Unterhaltungen oder was auch immer. Die Texte und Szenen sind dabei improvisiert, wobei eine gewisse Richtung natürlich vorgegeben ist.
„Jerks“ punktet wie so viele andere bekannte Serienproduktionen dieser Art (am ehesten bietet sich der Vergleich mit dem grandiosen Curb Your Enthusiasm von und mit Larry David an) dadurch, dass wir Zeugen von Alltagssituationen werden, in die sich ein jeder hineinversetzen kann oder sie gar schon selbst erlebt hat. Was folgt, ist eine gehörige Portion Fremdscham sowie ein paar deftige Witze, die im wahrsten Sinne unter die Gürtellinie gehen und so manches Tabu brechen. Ulmen (Hauptdarsteller, Autor und Regisseur in Personalunion) und Yardim ziehen es aber eiskalt durch. Und es funktioniert.

Wenn der Wein korkt
Gut, zwar nicht immer, aber die meiste Zeit. Die Pilotfolge, in der Ulmen seine Fruchtbarkeit durch eine Samenspende überprüfen lassen will, bedient sich einer doch sehr simplen Ausgangssituation, die automatisch etliche peinliche Momentaufnahmen nach sich zieht, aus denen man einen guten, wenn auch nicht besonders originellen Gag zaubern kann. Natürlich geht bei einer Samenspende etwas schief, und es ist ja gleich noch viel lustiger, weil es eben das Sperma von Christian Ulmen und generell ein Thema ist, dass den Leuten die Schamesröte ins Gesicht treibt. Über so etwas kann man in der Öffentlichkeit doch nicht sprechen, was denken denn da Leute von einem?
Ich frage mich, ob die Serie im Laufe ihrer zehnteiligen ersten Staffel vorwiegend auf diese Art Humor zurückgreifen wird, der zwar ganz witzig sein kann, weil man damit eben aneckt, jedoch gleichzeitig auch recht schnell verbraucht sein könnte. Die ersten Folge von „Jerks“ dreht sich größtenteils um alles, was sich südlich des Äquators abspielt. Ja, das ist ganz amüsant, bisweilen zum Brüllen komisch und lässt einen zwischenzeitlich im Erdboden versinken, so unangenehm ist es. Aber es ist eben auch einfach. Ein paar höhere Ambitionen als das wären definitiv wünschenswert, wir befinden uns aber gerade am Anfang der Staffel, also gebe ich „Jerks“ noch etwas Zeit dafür.
Alles gut, alles gut
Ich bin gespannt, ob Ulmen und sein mit sehr bekannten Namen gespickter Cast (Nora Tschirner, Ulmens Ehefrau Collien Fernandes, die hier seine Ex-Frau spielt und mit Deutschrapper Kay One anbandelt, oder Emily Cox, die einige vielleicht aus dem Historiendrama The Last Kingdom kennen) auch andere Facetten des Lebens finden kann, in denen es nicht nur gewollt komisch zugeht. Teilweise macht sich bei mir schon ein wenig der Eindruck breit, dass man etwas zu viel möchte und die Witze offensichtlich in Stellung bringt, sodass sich die Improvisation nicht mehr so natürlich anfühlt, wie es sein sollte.
Einigen Nebendarstellern merkt man nämlich schon an, dass die Dialoge nicht ganz so spontan und frei von der Leber weg kommen wie bei Ulmen und Yardim selbst. Die große Stärke von Jerks bleiben diese beiden. Allein wegen ihnen lohnt sich der Blick in diese insgesamt sehr kurzweilige Comedy, die in naher Zukunft hoffentlich noch etwas ihren Themenhorizont erweitern wird, um komplexer und abwechslungsreicher zu werden. Das in „Jerks“ vorgetragene, eher gewöhnliche Serienkonzept bekommt einen frischen, unterhaltsamen Anstrich mit zwei sympathischen Hauptdarstellern und muss nun nur noch etwas verfeinert werden.
„Jerks“ ist seit dem 26. Januar auf Maxdome verfügbar, wo es wöchentlich neue Folgen zu sehen gibt. Ab dem 21. Februar zeigt ProSieben „Jerks“ im Free-TV.
Trailer zu „Jerks“: