Jennifer Falls 1x01

Jennifer Falls 1x01

Die neue TV-Land-Comedy Jennifer Falls erzählt in ihrer Pilotepisode die gewöhnliche Geschichte einer ehemals beruflich erfolgreichen alleinerziehenden Mutter, die ihren Job verliert und bei ihrer Mutter einziehen muss. Weil die Geschichte viel Herz beweist, ist das ganz nett anzusehen.

Das Ensemble der neuen Comedyserie „Jennifer Falls“ / (c) TV Land
Das Ensemble der neuen Comedyserie „Jennifer Falls“ / (c) TV Land

Der heutige Tag bedeutet eine Zäsur in der Geschichte kapitalistischer Wirtschaftssysteme. Die Europäische Zentralbank hat erstmals angekündigt, dass sie einen ihrer Zinssätze - den Einlagenzins für Banken - angesichts des wiederholt verfehlten europäischen Inflationsziels auf einen Minuswert senken wird. Viele Kommentatoren sehen darin schon das Ende des Kapitalismus - zumindest in der Form, in der die Industrienationen ihn seit beinahe 250 Jahren praktizieren.

Kapitalismuskrise im Kleinen

Seit nunmehr sieben Jahren tobt in den kapitalistischen Staaten des Westens eine Finanz- und Wirtschaftskrise, die abseits der großen Katastrophennachrichten auch ganz reale Auswirkungen auf einzelne Bürger hat. Für die Unterhaltungsindustrie ist das natürlich kein besonders attraktives Thema. In Hollywood gibt es nur wenige Beispiele, die sich diesem Komplex gewidmet haben. Der ausgezeichnete Film „The Company Men“ von John Wells mit Ben Affleck in der Hauptrolle widmet sich ebendiesen Auswirkungen auf der untersten, persönlichen Ebene.

Die neue TV Land-Comedy Jennifer Falls erzählt eine ähnliche Geschichte. Voller Vorfreude stürmt die erfolgreiche Karrierefrau Jennifer Doyle (Jaime Pressly) ins Büro ihres Vorgesetzten, weil sie dort endlich die Verkündung ihrer langersehnten Beförderung erwartet. Mit Entsetzen muss sie jedoch feststellen, dass der Chef (Jeffrey Tambor) sie - über einen Mittelsmann - entlässt. Weil sie mit ihrem sechsstelligen Einkommen bis dahin auf großem Fuß gelebt hatte, sieht sie nun einem tiefen Absturz in die Mittellosigkeit entgegen.

Nach sechsmonatiger erfolgloser Jobsuche bleibt ihr also nichts anderes übrig, als mit ihrer Tochter (Dylan Gelula) zurück zur Mutter (Jessica Walter, neben Tambor das zweite Arrested Development-Gesicht) zu ziehen. Die wirft sogleich eine Willkommensparty für ihre niedergeschlagene Tochter, bietet ihr eine Margarita an und vergisst dabei, das Salz wegzulassen. Jennifer lässt daraufhin ihren angestauten Frust an einer Pinata aus und bekommt wieder Hoffnung, als ihr Bruder Wayne (Ethan Suplee; er und Pressly kennen sich noch von My Name is Earl) ihr einen Job in seiner Bar anbietet.

Jennifer (Jaime Pressly) lässt ihrem Frust freien Lauf. © TV Land
Jennifer (Jaime Pressly) lässt ihrem Frust freien Lauf. © TV Land

Dort muss sie im hautengen „Sexy Schiedsrichterin“-Outfit antanzen und sich die lustvoll-hämischen Kommentare und „gut gemeinten“ Ratschläge ihrer Schwägerin Stephanie (Nora Kirkpatrick) anhören: „Life is funny. You used to babysit me and now I'm your boss.“ („Das Leben ist witzig. Früher hast du auf mich aufgepasst und jetzt bin ich deine Chefin.“)

Späte Wiedergutmachung

Außerdem darf sie sich von den Sachbearbeiterinnen im Arbeitsamt angesichts ihres astronomischen letzten Einkommens auslachen lassen, den Vorschlag von ihrer Mutter bekommen, bei ihr in Therapie zu gehen und sich mit ihrer ehemals besten Freundin Dina (Missi Pyle) auseinandersetzen. Letztere wirft ihr vor, nicht für sie da gewesen zu sein, als sie sie am meisten gebraucht habe. Am Ende hat sie einen spirituellen Erweckungsmoment, als es ihr zum ersten Mal gelingt, ein Bier richtig einzuschenken.

Solche Szenen werden durch Jennifers selbstreflektierte Einschätzungen in die Kamera unterstrichen: „I've gone from maximum profits to minimum wage.“ („Ich bin von maximalen Profiten zum Mindesteinkommen abgestiegen.“) Sie sieht dann aber auch ein, dass es beinahe 40 Millionen Frauen in den USA gibt, die ein ähnliches Schicksal teilen. Ihre Raison: „Maybe this was supposed to happen.“ („Vielleicht sollte das alles so geschehen.“) Da teilt sie gerade einen innigen Moment mit ihrer Tochter, der dann von der etwas trampeligen, aber stets fröhlichen Mutter zerschlagen wird.

Am Ende der Pilotepisode von Jennifer Falls bleibt etwas unklar, woraus die Serie spannende (oder zumindest witzige) Konflikte generieren will. Eigentlich ist für Jennifer nämlich alles in Ordnung: Sie befindet sich im Kreis ihrer Geliebten, hat ein Dach über dem Kopf und ist versorgt. Die Warmherzigkeit der meisten Charaktere war es denn auch, was mir im Auftakt am besten gefallen hat - es machte einfach Spaß, den Darstellern dabei zuzuschauen, ihre gute Chemie miteinander auszuspielen. Das macht auch die alles andere als ungewöhnliche Geschichte wieder wett. Feel-good-Fernsehen für den Sommer - ich würde mich freuen, wenn diese kleine, sympathische, zynismusfreie Produktion ein ebenso kleines und feines Publikum finden würde.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 5. Juni 2014

Jennifer Falls 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Jennifer Falls 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 4. Juni 2014 (TV Land)
Autoren
Matthew Carlson, David Holland
Regisseure
Peter Lauer, Lee Shallat Chemel

Schauspieler in der Episode Jennifer Falls 1x01

Darsteller
Rolle
Missi Pyle
Ethan Suplee
Nora Kirkpatrick
Dylan Gelulla

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