Er ist zurück! Actionikone Jean-Claude van Damme, der in den 1980er Jahren Backenfutter im Minutentakt verteilte, kehrt heute in Form der neuen Amazon-Serie Jean-Claude Van Johnson ins Rampenlicht zurück. Die extrem kurzweilige Pilotfolge kann sich sehen lassen und bereitet große Freude.

Jean-Claude Van Damme in „Jean-Claude Van Johnson“ / (c) Amazon
Jean-Claude Van Damme in „Jean-Claude Van Johnson“ / (c) Amazon

Wertung: 4,5 von 5 möglichen Sternen

The Muscles from Brussles. The Master of the Splits. Mister Spin Kick. Jean-Claude Van Damme. Die Zeiten, in denen der belgische Martial-Arts-Experte (mit richtigem Namen übrigens Jean-Claude Camille François Van Varenberg) eine große Nummer gewesen ist, sind längst passé. In den 1980er und 1990er Jahren war Van Damme eine der Ikonen im B-Movie-Actiongenre: „Karate Tiger“, „Bloodsport“, „Kickboxer“, später dann „Universal Soldier“ oder „Timecop“ - mit dem Namen Jean-Claude Van Damme verband und verbindet man heute noch immer stark überzeichnete Actionstreifen, in denen wirbelwindartige Tritte wie am Fließband produziert und Klapperschlangen mit bloßen Fäusten niedergestreckt werden. Außerdem rettet unser von „JCVD“ gespielter Held am Ende des Filmes den Tag.

Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Die letzten Jahre waren eher weniger ruhmreich für den gebürtigen Belgier. Existiert Jean-Claude Van Damme überhaupt noch? Ja - und er ist zurück! Die neue Amazon-Serie Jean-Claude Van Johnson zeigt auf komödiantische Art und Weise, wie das Leben von Jean-Claude Van Damme nach seiner Glanzzeit aussieht. Ach, ganz nebenbei war der Kampfsportexperte neben seiner Tätigkeit als Schauspieler übrigens als tödlicher Geheimagent unterwegs und will jetzt nicht nur seine Filmkarriere neu starten, sondern auch wieder auf die Jagd nach bösen Buben gehen. Ist doch logisch...

He's back

Die Prämisse von „Jean-Claude Van Johnson“ ist eigentlich einfach, bekommt durch die absurde Vorstellung, dass JCVD gleichzeitig als Superspion arbeitet, jedoch eine herrlich abgedrehte Note. Darauf muss man sich als Zuschauer natürlich erst einmal einlassen. Gelingt das, dürfte man großen Spaß an der halbstündigen Pilotepisode haben, in der Van Damme sich bisweilen wunderbar selbst aufs Korn nimmt und ganz nebenbei auch ein bisschen gegen das verrückte Filmgeschäft in Hollywood geschossen wird. Innerhalb kürzester Zeit entspinnt sich eine Parodie innerhalb einer Parodie, in der charmant mit Klischees gespielt wird und sich der Hauptdarsteller für keinen noch so selbstironischen Witz zu schade ist.

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Back again

Der Anfang der Folge erinnert zunächst ein wenig an den durchaus empfehlenswerten Spielfilm „JCVD“ von 2008, in dem Van Damme sich selbst spielt und in weitaus dramatischerer Form der Verlust seines Stardaseins und sein neues, abgehalftertes Leben thematisiert wird. In „Jean-Claude Van Johnson“ ist noch etwas von den guten alten Zeiten übrig, doch Van Damme befindet sich auf dem absteigenden Ast, wird mit Nicolas Cage und Val Kilmer verwechselt und dann auch noch an sein einstiges Liebesglück erinnert, das ihm durch die Hände glitt. Aber Schluss mit Trübsal! JCVD will zurück ins Geschäft und sein Leben umkrempeln. Aber hat er noch die Fähigkeiten dafür? Oder ist er ein Auslaufmodell, das seinen Zenit längst überschritten hat?

In Peter Atencio (The Last Man on Earth, Key and Peele) hat man einen sehr guten Comedyregisseur gefunden, um dem Drehbuch von David Callaham (eher bekannt für Actionfilme, so zum Beispiel die „Expandables“-Reihe, „Doom“ und der geplanten Neuauflage von „Mortal Kombat“) Leben einzuhauchen. Mit Blick auf den visuellen Stil springt Antecio schon fast ein bisschen durch die verschiedenen Genres - nachdenkliches Charakterdrama vor grau-trister Kulisse, übertriebenes Actiongeballer mit wuchtigen Kampfchoreografien -, was in rund 30 Minuten Laufzeit für reichlich Abwechslung sorgt.

Johnson is back

Die Szenen, in denen Van Damme versucht, sich wieder in Form zu bringen, wenn er sich an die kitschig-schöne Zeit zurückerinnert, als er noch ein Star war, oder wenn er noch einmal zeigen darf, was er auf dem Kasten hat (Splits!), sind dabei stets unterhaltsam und werden immer wieder mit allerlei Referenzen an sein filmisches Schaffenswerk garniert. Dass „Timecop“ wie „Looper“ ist, nur eine Million Mal besser, wissen immerhin nur die wenigsten. Die Serienmacher treiben es hier und da vielleicht sogar ein wenig auf die Spitze mit den Selbstreferenzen, allerdings hat man einen Hauptdarsteller, der sich derart frei von Allüren präsentiert und sichtlich Spaß daran hat, sich selbst zu veräppeln. Daher kann man getrost über dieses Stilmittel hinwegsehen.

Jean-Claude Van Damme funktioniert in Jean-Claude Van Johnson schlichtweg hervorragend als tragischer sowie extrem komischer Charakter, dem man abnimmt, dass er in Wahrheit vielleicht wirklich jahrelang als Geheimagent tätig gewesen ist. Die Pilotfolge wirkt derweil oft nicht nur wie eine launige Parodie des Lebens einer legendären Actionikone, Callaham und Atencio schaffen es darüber hinaus auch, ein paar Spitzen fallen zu lassen, die über den JCVD-Kult und seine Figur hinausgehen.

Back for good

Die platten Actionfilme von vor über 30 Jahren interessieren doch keinen mehr, damals war doch eh alles furchtbar unrealistisch. Heute wollen die Leute etwas anderes sehen, zum Beispiel eine moderne, actionreiche Kinoadaption der Geschichte von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, in der wild mit Äxten und diversen Stichwaffen gekämpft wird. Ehrlich zugegeben, diesen Film würde ich tatsächlich gerne sehen. Es wäre zu viel des Guten, zu behaupten, dass die Macher hier unbedingt den Finger in die klaffenden Wunden Hollywoods und des derzeitigen Blockbusterkinos legen wollen. Es handelt sich in „Jean-Claude Van Johnson“ schlichtweg um eine spaßige Begleiterscheinung und um ein paar Szenen, in denen man sich selbst sowie das Actionkino von damals - und heute - gekonnt auf die Schippe nimmt.

Jean-Claude van Damme in Verkleidung in %26bdquo;Jean-Claude Van Johnson%26ldquo; © Amazon
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Comeback

Der Plot - Johnson muss in eine Fabrik eindringen, von der aus Drogen verschifft werden, während er in Bulgarien den kommenden Erfolgshit „Huck“ dreht - wird derweil schon fast zur Nebensache und könnte einem der vielen plumpen Actionstreifen der 1980er Jahre entnommen sein. Und nichts anderes ist das Ziel. Hier noch eine Prise tragische Romanze, da ein paar Existenzängste, dann noch ein glorreiches Comeback... Aber halt, die bösen Widersacher dürfen nicht gleichzeitig angreifen, das wäre zu verwirrend! Einer nach dem anderen, bitte - Herr Van Damme und seine Fäuste empfangen Sie jetzt. Der Hauptdarsteller lebt indes innerhalb seiner neuen Serie in einem seiner unzähligen Filme. So richtig das Wahre ist es aber nicht. Oder etwa doch? Ist das sein Leben, für immer und ewig?

Neben zahlreichen urkomischen Situationen und skurrilen Einfällen (durch sämtliche Leitungen der stilvollen Villa Van Dammes fließt Kokosnusswasser...), Verbeugungen vor dem urigen Actiongenre Anno 1980, bis tief in die späten Neunziger und charmanten Metakommentaren merkt man Jean-Claude Van Johnson tatsächlich auch ein paar dramatischere Nuancen an, die im Laufe einer kompletten Staffel noch ausgearbeitet werden könnten. JCVD ist eben nicht nur eine Witzfigur oder eine Karikatur aus der guten alten Zeit, er ist auch jemand, der seinen Platz im Hier und Jetzt sucht. Auf der anderen Seite kann man sich die neue Amazon-Serie, die sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, auch einfach nur sehr gut als kurzweiliges Format für zwischendurch vorstellen, mit einem humorvollen Jean-Claude Van Damme als vielseitige Hauptattraktion, der endlich wieder zurück ist. Ja, er ist zurück. Hatten wir das schon erwähnt?

Musik der Pilotfolge „Jean-Claude Van Johnson“

Jacques BrelNe me quitte pas

Trailer zur Amazon-Serie „Jean-Claude Van Johnson“:

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