
Die Prämisse der neuen The CW-Dramedy Jane the Virgin hört sich nicht gerade verlockend an: Eine erwachsene Frau hat sich dazu entschieden, mit dem Sex bis zur Hochzeit zu warten, wird dann aber durch einen Zufall künstlich befruchtet. Die Auftaktepisode räumt mit beinahe sämtlichen Vorbehalten, die man gegen ein solches Format haben könnte, aber weitgehend auf. Das liegt vor allem an der quirligen Hauptdarstellerin Gina Rodriguez, dem ansonsten gelungen besetzten Cast und einem ständigen Augenzwinkern, das die Autoren ihrer Geschichte verleihen.
Telenovelas have ruined romance for me
Sie wissen vom Start weg, was ihre Serie sein soll. Sie wissen, was sie damit erreichen wollen. Sie wissen aber vor allem, was sie damit erreichen können. Dieses offensichtliche Selbstbewusstsein hilft ihnen dabei, eine Telenovela zu produzieren und gleichzeitig deren viele Tropen zu parodieren. Auf diversen Metaebenen setzt sich die Serie mit ihren fiktionalen Vorbildern auseinander. Telenovelas spielen in dieser Telenovela eine zentrale Rolle. Sogar der Erzähler (Anthony Mendez) wurde übernommen.
Jane bekam mit zehn Jahren von ihrer Großmutter Alba (Ivonne Coll) eingeimpft, dass es nichts Heiligeres gebe als die eigene Jungfräulichkeit. Bis heute glaubt sie daran - auch, weil ihre Mutter Xiomara (Andrea Navedo) diesen Rat nicht beherzigte und mit sechzehn Jahren schwanger wurde. Im Verlaufe der Episode erfahren wir, dass Alba ihrer Tochter einst dazu riet, Jane nicht zu bekommen - einen Rat, den sie bis heute bereut. Deshalb gibt sie nun auch ihrer Enkelin den gegenteiligen Ratschlag. Jane kennt überdies ihren Vater nicht. Aber auch ihn sollen wir gegen Ende des Piloten noch kennenlernen. Er ist nun nämlich der Star einer eigenen Telenovela - aber leider nicht von der, die Familie Villanueva hingebungsvoll verfolgt.
Ganz „typisch Telenovela“ sind beinahe alle Handlungsstränge der Auftaktepisode am Ende miteinander verbunden. Jane ist bei ihrem Frauenarzttermin so müde, dass sie auf dem Behandlungsstuhl einschläft und nicht mitbekommt, dass sie mit falschem Namen angesprochen wird. Sie musste beinahe die ganze vorherige Nacht durcharbeiten, um sich die Lehrerausbildung zu finanzieren. Ihren Job im Hotel von Raphael (Justin Baldoni) hasst sie eigentlich, ihren Chef mag sie aber. In ihn war sie nämlich einst verliebt, die beiden hatten gar ein kurzes Stelldichein miteinander.
Raphael steckt derweil in einer unglücklichen Ehe mit Petra (Yael Grobglas). Sie zählt nur noch die Tage, bis sie lange genug mit ihm verheiratet war, um im Falle einer Scheidung ordentlich abzukassieren. Für den potentiellen Zahltag blieb sie gar an seiner Seite, als er an Krebs erkrankte. Dieser Beistand bedeutet aber noch lange nicht, dass sie auch treu gewesen wäre. Petra vergnügt sich längst mit seinem besten Freund Roman (Alano Miller).
I've done everything right
Wegen dieses Verhaltens rät Raphaels Schwester ihm dazu, sich von Petra scheiden zu lassen. Sie hat derweil eigene Eheprobleme, am gleichen Abend erwischt sie nämlich ihre Ehefrau im Bett mit einer anderen. Weil sie davon so mitgenommen ist, unterläuft der Ärztin am nächsten Tag der schwerwiegende Fehler. Statt Petra zu befruchten, setzt sie die Spritze bei Jane an. Schnell stellt sich heraus, dass sie nun schwanger ist, wenngleich sie das natürlich zunächst nicht glauben will. Xiomara ist schon ganz aus dem Häuschen, dass ihre Tochter eine Art Messias („Immaculata“) sein könnte, wird dann aber durch die nüchterne Erklärung aus ihren Träumen gerissen.
Nun liegt es an Jane, den schweren Gang zu ihrem Freund Michael (Brett Dier) anzutreten und ihm den peinlichen Fehltritt (der ja nicht ihrer ist) zu offenbaren. Doch da wartet schon die nächste Überraschung auf sie: Noch bevor sie ihm von ihrer Schwangerschaft berichten kann, macht er ihr einen Heiratsantrag. Sie nimmt an und beichtet, wiederholt den Antrag später aber noch einmal, um eine schöne Erinnerung zu erschaffen. Michael arbeitet bei der Polizei und überwacht Roman, der wohl in krumme Geschäfte verwickelt ist. Außerdem hat Michael einen dubiosen Bruder, der mit seinem abgenutzten Army-Parka nicht lauter „Ärger“ schreien könnte.
Schließlich findet die Schicksalsgemeinschaft eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können. Jane wird das Kind bekommen, Michael heiraten und das Baby an Raphael und Petra abgeben. Ob daraus im weiteren Verlauf der ersten Staffel weitere unterhaltsame Geschichten gestrickt werden können, bleibt abzuwarten. Ich werde wohl keine weitere Episode dieser Serie sehen. Das euphorische Ensemble und die offensichtliche Fähigkeit der Autoren um Serienschöpferin Jenny Snyder Urman (die ein venezolanisches Format adaptierte) zur Selbstreflexion machen Jane the Virgin aber zu einer kurzweiligen, selbstbewussten Variation des Telenovelaformats.