Jane the Virgin 1x01

Jane the Virgin 1x01

Das ausgezeichnete Ensemble, ein zurĂŒckhaltendes Drehbuch und eine große Portion Selbstreflexion verhindern, dass die neue Dramedy Jane the Virgin in allzu kitschige Telenovelagefilde abriftet. Die Serie weiß genau, was sie sein will.

Jane (Gina Rodriguez, l.) kann einfach nicht glauben, was sie da gerade hört. Ihre Mutter (Andrea Navedo) auch nicht. / (c) The CW
Jane (Gina Rodriguez, l.) kann einfach nicht glauben, was sie da gerade hört. Ihre Mutter (Andrea Navedo) auch nicht. / (c) The CW

Die PrĂ€misse der neuen The CW-Dramedy Jane the Virgin hört sich nicht gerade verlockend an: Eine erwachsene Frau hat sich dazu entschieden, mit dem Sex bis zur Hochzeit zu warten, wird dann aber durch einen Zufall kĂŒnstlich befruchtet. Die Auftaktepisode rĂ€umt mit beinahe sĂ€mtlichen Vorbehalten, die man gegen ein solches Format haben könnte, aber weitgehend auf. Das liegt vor allem an der quirligen Hauptdarstellerin Gina Rodriguez, dem ansonsten gelungen besetzten Cast und einem stĂ€ndigen Augenzwinkern, das die Autoren ihrer Geschichte verleihen.

Telenovelas have ruined romance for me

Sie wissen vom Start weg, was ihre Serie sein soll. Sie wissen, was sie damit erreichen wollen. Sie wissen aber vor allem, was sie damit erreichen können. Dieses offensichtliche Selbstbewusstsein hilft ihnen dabei, eine Telenovela zu produzieren und gleichzeitig deren viele Tropen zu parodieren. Auf diversen Metaebenen setzt sich die Serie mit ihren fiktionalen Vorbildern auseinander. Telenovelas spielen in dieser Telenovela eine zentrale Rolle. Sogar der ErzĂ€hler (Anthony Mendez) wurde ĂŒbernommen.

Jane bekam mit zehn Jahren von ihrer Großmutter Alba (Ivonne Coll) eingeimpft, dass es nichts Heiligeres gebe als die eigene JungfrĂ€ulichkeit. Bis heute glaubt sie daran - auch, weil ihre Mutter Xiomara (Andrea Navedo) diesen Rat nicht beherzigte und mit sechzehn Jahren schwanger wurde. Im Verlaufe der Episode erfahren wir, dass Alba ihrer Tochter einst dazu riet, Jane nicht zu bekommen - einen Rat, den sie bis heute bereut. Deshalb gibt sie nun auch ihrer Enkelin den gegenteiligen Ratschlag. Jane kennt ĂŒberdies ihren Vater nicht. Aber auch ihn sollen wir gegen Ende des Piloten noch kennenlernen. Er ist nun nĂ€mlich der Star einer eigenen Telenovela - aber leider nicht von der, die Familie Villanueva hingebungsvoll verfolgt.

Ganz „typisch Telenovela“ sind beinahe alle HandlungsstrĂ€nge der Auftaktepisode am Ende miteinander verbunden. Jane ist bei ihrem Frauenarzttermin so mĂŒde, dass sie auf dem Behandlungsstuhl einschlĂ€ft und nicht mitbekommt, dass sie mit falschem Namen angesprochen wird. Sie musste beinahe die ganze vorherige Nacht durcharbeiten, um sich die Lehrerausbildung zu finanzieren. Ihren Job im Hotel von Raphael (Justin Baldoni) hasst sie eigentlich, ihren Chef mag sie aber. In ihn war sie nĂ€mlich einst verliebt, die beiden hatten gar ein kurzes Stelldichein miteinander.

Raphael steckt derweil in einer unglĂŒcklichen Ehe mit Petra (Yael Grobglas). Sie zĂ€hlt nur noch die Tage, bis sie lange genug mit ihm verheiratet war, um im Falle einer Scheidung ordentlich abzukassieren. FĂŒr den potentiellen Zahltag blieb sie gar an seiner Seite, als er an Krebs erkrankte. Dieser Beistand bedeutet aber noch lange nicht, dass sie auch treu gewesen wĂ€re. Petra vergnĂŒgt sich lĂ€ngst mit seinem besten Freund Roman (Alano Miller).

I've done everything right

Wegen dieses Verhaltens rĂ€t Raphaels Schwester ihm dazu, sich von Petra scheiden zu lassen. Sie hat derweil eigene Eheprobleme, am gleichen Abend erwischt sie nĂ€mlich ihre Ehefrau im Bett mit einer anderen. Weil sie davon so mitgenommen ist, unterlĂ€uft der Ärztin am nĂ€chsten Tag der schwerwiegende Fehler. Statt Petra zu befruchten, setzt sie die Spritze bei Jane an. Schnell stellt sich heraus, dass sie nun schwanger ist, wenngleich sie das natĂŒrlich zunĂ€chst nicht glauben will. Xiomara ist schon ganz aus dem HĂ€uschen, dass ihre Tochter eine Art Messias („Immaculata“) sein könnte, wird dann aber durch die nĂŒchterne ErklĂ€rung aus ihren TrĂ€umen gerissen.

Nun liegt es an Jane, den schweren Gang zu ihrem Freund Michael (Brett Dier) anzutreten und ihm den peinlichen Fehltritt (der ja nicht ihrer ist) zu offenbaren. Doch da wartet schon die nĂ€chste Überraschung auf sie: Noch bevor sie ihm von ihrer Schwangerschaft berichten kann, macht er ihr einen Heiratsantrag. Sie nimmt an und beichtet, wiederholt den Antrag spĂ€ter aber noch einmal, um eine schöne Erinnerung zu erschaffen. Michael arbeitet bei der Polizei und ĂŒberwacht Roman, der wohl in krumme GeschĂ€fte verwickelt ist. Außerdem hat Michael einen dubiosen Bruder, der mit seinem abgenutzten Army-Parka nicht lauter „Ärger“ schreien könnte.

Schließlich findet die Schicksalsgemeinschaft eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können. Jane wird das Kind bekommen, Michael heiraten und das Baby an Raphael und Petra abgeben. Ob daraus im weiteren Verlauf der ersten Staffel weitere unterhaltsame Geschichten gestrickt werden können, bleibt abzuwarten. Ich werde wohl keine weitere Episode dieser Serie sehen. Das euphorische Ensemble und die offensichtliche FĂ€higkeit der Autoren um Serienschöpferin Jenny Snyder Urman (die ein venezolanisches Format adaptierte) zur Selbstreflexion machen Jane the Virgin aber zu einer kurzweiligen, selbstbewussten Variation des Telenovelaformats.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 14. Oktober 2014

Jane the Virgin 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Jane the Virgin 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Kapitel eins
Titel der Episode im Original
Chapter One
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 13. Oktober 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. Juli 2015
Regisseur
Brad Silberling

Schauspieler in der Episode Jane the Virgin 1x01

Darsteller
Rolle
Yael Grobglas
Ivonne Coll
Jaime Camil

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