Iwájú: Review der Pilotepisode der Disney+-Serie

Iwájú: Review der Pilotepisode der Disney+-Serie

Für Science-Fiction ist Afrika bisher eher weniger bekannt. Die neue Miniserie „Iwájú“ bei Disney+ könnte jedoch durchaus dazu beitragen, dass sich dies in Zukunft ändert. Die kleine Tola und ihr Freund Kole erleben darin im futuristischen Nigeria ein gefährliches Abenteuer.

Poster zur Serie „Iwájú“
Poster zur Serie „Iwájú“
© Disney+

Die aufgeweckte Omotola Abike Martins (Stimme im Original die zwölfjährige Simisola Gbadamosi), kurz Tola genannt, lebt in einem Nigeria der Zukunft auf einer von Privilegierten bewohnten Insel nahe der Kulturmetropole Lagos. Sie ist die Tochter des Computeringenieurs Tunde (Stimme Dayo Okeniyi), als Schauspieler unter anderem bekannt aus See), der für den mächtigen Greenwood-Konzern arbeitet. Tolas bester Freund ist der nur wenig ältere Hausdiener und Gärtner Kole (Stimme Siji Soetan), was ihr Vater jedoch ganz und gar nicht gerne sieht.

Zu ihrem zehnten Geburtstag überträgt Tunde Tola die Verantwortung für die Eidechse Otin (Stimme Weruche Opia, „Slumberland“). Tola ahnt nicht, dass es sich keineswegs um ein gewöhnliches Tier handelt, sondern einen experimentellen komplexen mit einer KI ausgestatteten Roboter, der im Sicherheitsdienst eingesetzt werden soll.

Schon länger kommt es in Lagos, wo auch in der Zukunft noch immer die Kluft zwischen Arm und Reich besteht, zu einer Serie von Entführungen der Kinder reicher Eltern. Dahinter steckt Gangster Bode DeSousa (Femi Branch, „Hustle“), der selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammt.

Da Tola sich wünscht, unbedingt das nahegelegene Festland und vor allem das Heimatviertel ihres Vaters, Ajegunle zu sehen, bringt sie Familienchauffeur Godspower, genannt Onkel G (Toyin Oshinaike, „Jolly Roger“) dazu, sie und Kole nach Lagos zu bringen. Dass Koles kranke Mutter (Kehinde Bankole, „Sista“) Schulden bei Bösewicht Bode hat und dieser ihren Sohn zur Komplizenschaft zwingt, weiß sie nicht.

Bode befiehlt Kole, Tola mithilfe seiner beiden Helfer Miss Happiness Bisola Aiyeola, „A Simple Lie“) und Sunday (Stimme MMA-Kämpfer Sodiq Yusuff) zu entführen, was in der turbulenten Stadt auch gelingt. Zwar ist Otin bei ihr, kann jedoch aufgrund einer Störung ihrer Systeme nicht im vollen Umfang tätig werden. Tunde, Godspower sowie der reumütige Kole und seine Mutter setzen alles daran, das Mädchen aus den Klauen des nur bedingt bösartigen Fieslings zu befreien.

Afrikanische Science-Fiction von Disney

Schon öfter ist man in Disney-Filmen wie „Coco: Lebendiger als das Leben“ oder „Vaiana“ in aus unserer Sicht exotische Kulturen eingetaucht. Iwájú (was übersetzt übrigens sinngemäß Zukunft bedeutet) entstand im Gegensatz zu rein amerikanischen Produktionen in direkter Zusammenarbeit mit Filmschaffenden aus dem Land, in dem die neue Sci-Fi-Serie spielt.

Im Grund genommen handelt es sich bei den sechs zwischen 20 und 26 Minuten langen, direkt ineinander übergehenden Folgen mit den Titeln Iwaju, Bode, Kole Tunde, Otin und Tola um einen in einzelne Teile zerlegten Film. Dies wirft die Frage danach auf, warum man die Geschichte nicht gleich in dieser Form veröffentlicht hat.

Die Macher

Iwájú“ wurde von Disney in Zusammenarbeit mit dem panafrikanisch-britischen Produktionsunternehmen Kugali Media für den Streamingdienst Disney+ realisiert. Die Geschichte erdachten der nigerianische Regisseur und Drehbuchautor Olufikayo Adeola sowie die beiden Mitbegründer von Kugali Media, Hamid Ibrahim und Toluwalakin Olowofoyeku. Das darauf basierende Drehbuch schrieb Adeola zusammen mit Halima Hudson. Als Produzentin fungierte Christina Chen, während Jennifer Lee und Byron Howard die Posten der ausführenden Produzenten für die Zusammenarbeit der Walt Disney Animation Studios, Kugali Media und Cinesite bekleideten. Bereits am 28. Februar war „Iwaju“ bei Disney+ in Übersee gestartet und hierzulande nunmehr am 10. April.

Szenenbild aus der Serie „Iwaju“
Szenenbild aus der Serie „Iwaju“ - © Disney+

Spritzige Geschichte mit Tiefsinn

So wie bei vielen Disney-Produktionen der Fall, erwartet den Zuschauer auch bei „Iwájú“ eine spaßige und mitreißende Geschichte für die ganze Familie, die sich qualitativ nicht von anderen vergleichbaren Produktionen unterscheidet. Ein weiteres Mal stehen junge Helden im Vordergrund der Ereignisse, was dem Ganzen den Anstrich einer Coming-of-Age-Story verleiht, und mit der Roboter-Eidechse Otin (deren wirklichen Hintergrund man erst später in der Geschichte erfährt) gibt es natürlich Disney-typisch auch wieder ein putziges Tierchen zu sehen. Doch ausschließlich schönfärberisch kommt die Serie bei alledem nicht daher.

Obwohl die Serienmacher das Nigeria der Zukunft natürlich überaus optimistisch zeichnen, wird schnell deutlich, dass die dortigen Klassenunterschiede auch in der Utopie noch bestehen. Wie wir durch den eher ambivalent gezeichneten Bösewicht Bode erfahren, verhungern in Lagos noch immer Menschen, während die Oberschicht in Saus und Braus lebt. Außerdem haben die Menschen der Unterschicht wegen der verunreinigten Luft zu leiden, die man den Reichen gefiltert zugänglich macht. Leider wird am Ende der Serie (natürlich ein gutes, wie es sich für schöne Geschichten gehört) nur wenig auf das weitere Ergehen des eher tragischen Antagonisten eingegangen, der sich bereits als kleiner Junge an den Ungerechtigkeiten der Welt störte.

Insgesamt ist „Iwájú“ dennoch sehr vergnüglich und unterhaltsam und lässt deutlich auch die großen Vorbilder der Macher erkennen. Das Grund-Szenario erinnert freilich an Marvels „Black Panther“, außerdem fährt die kleine Tola in der Eröffnungssequenz mit einem Hoverboard im Stil von „Back to the Future“ durch die Gegend. Darüber hinaus erhalten die berühmten Lichtschwerter aus „Star Wars“ hier in abgewandelten Varianten ganz neue Anwendungsgebiete. Zeitgemäß wird außerdem, zumindest am Rande, das derzeit hochaktuelle Thema KI angeschnitten.

Serienspaß für Groß und Klein

Wenn auch „Iwájú“ in Sachen Disney-Produktionen das Rad nicht neu erfindet, so steht die amerikanisch-britisch-nigerianische Co-Produktion keineswegs schlechter da als diverse Vorgänger. Natürlich ist die Animation auf Fernseh-Niveau gehalten, doch das ist im Streaming-Zeitalter bekanntlich ein hohes.

Und da das Anschauen der Abenteuer der kleinen Tola, ihres Freundes Kole und Robo-Echse Otin wirklich kurzweilige Unterhaltung längst nicht nur für die Allerkleinsten bietet, verleihen wir von den SERIENJUNKIES.DE der Serie auch mit gutem Gewissen die volle Punktzahl von fünf Smartphone-Brillen!

Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen Serie „Iwájú“:

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