The Walking Dead - Dead City: Old Acquaintances - Review der Pilotepisode

The Walking Dead - Dead City: Old Acquaintances - Review der Pilotepisode

„The Walking Dead: Dead City“ ist das Erste von drei neuen Spin-offs der Serie „The Walking Dead“. Maggie und Negan verschlägt es nach Manhattan, da Hershel jr. von einem alten Bekannten Negans entführt wurde. Gibt es frische Impulse oder alte Konflikte?

Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“
Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“
© AMC

Als Lauren Cohan nach einer ausgedehnten Pause (unter anderem für Whiskey Cavalier) zur Serie The Walking Dead zurückkehrte, hat man sie in der elften Staffel häufig zusammen mit ihrem ärgsten Feind Negan (Jeffrey Dean Morgan) zusammengesteckt. Am Ende der Zombieserie hatten sie sich, so gut es ging, vertragen - dachte man zumindest...

Worum geht es in „The Walking Dead: Dead City“?

The Walking Dead: Dead City, das Erste von drei Spin-offs rund um Figuren aus der Mutterserie denkt sich nun einen Grund aus, die beiden ungleichen Überlebenden wieder zum Duo werden zu lassen. In der Auftaktfolge Old Acquaintances sind einige Jahre nach dem großen Showdown im Commonwealth vergangen und wir sehen eine verzweifelte Maggie, die Manhattan auskundschaftet. Ihren ganzen Frust lässt sie an einem Untoten aus, dem sie mit ihrem Fernglas das Gesicht einschlägt.

Eigentlich ist sie auf der Suche nach Negan, der wegen mutmaßlicher Verbrechen und Morde mal wieder ein gesuchter Mann ist. Maggie hofft, in einer Bar fündig zu werden, handelt sich aber nur Ärger ein und lenkt das Interesse von Marshals des Ortes New Babylon, darunter Perlie Armstrong (Gaius Charles), auf sich.

Von Negans Frau Annie und dem gemeinsamen Nachwuchs fehlt jede Spur, dafür hat er die junge Ginny (Mahina Napoleon) unter seine Fittiche genommen, deren Verlust des Vaters dafür sorgt, dass sie nicht mehr spricht. Maggie und Negan machen einen Deal: Wenn Maggie sich um Ginny kümmert, hilft er ihr dafür bei ihrer Mission. Denn Hershel jr. (Logan Kim) wurde verschleppt und der Verantwortliche namens The Croat (Zeljko Ivanek) ist offenbar einer von Negans früheren Männern aus dem Sanctuary, den Maggie an seiner Pfeifmelodie erkannt hat.

Von den Marshals verfolgt, wagen Maggie und Negan auf dem Wasserweg die Reise nach Manhattan, das als eine der damaligen Hochburgen der Zombieplage vom Militär zerbombt wurde, so dass die meisten Brücken und Tunnel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Maggie und Negan erwartet eine böse Überraschung, denn die Walker fallen hier vom Himmel und die Vertreter von New Babylon geben nicht auf. Können sie Hershel in der großen Stadt ausfindig machen?

Dead City

Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“
Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“ - © AMC

Es mag durchaus eine spannende Idee sein, die Zombie-Apokalypse aus The Walking Dead anhand neuer Orte zu beleuchten. Das hat man schließlich auch schon in Fear the Walking Dead, The Walking Dead: World Beyond oder Tales of the Walking Dead gemacht. Dabei setzte man in der Regel aber auf frische Ensembles. Die nun folgenden Ableger mit Maggie und Negan, aber auch The Walking Dead: Daryl Dixon oder das Spin-off mit Rick (Andrew Lincoln) und Michonne (Danai Gurira) holt Fanfavoriten für eigene Serien zurück.

Doch in klassischer „TWD“-Manier ist in The Walking Dead: Dead City so viel Fortschritt, der eigentlich zwischen Negan und Maggie bereits erzielt wurde, mit einem Schlag wie weggewischt und das alte Gezeter, das wohl die wenigsten vermisst haben, wieder an der Tagesordnung. Entsprechend gibt es Dialoge, bei denen die Figuren aneinander vorbeireden, weil es alte Unstimmigkeiten gibt, obwohl es für die gemeinsame Sache so viel einfacher wäre, wenn man bei einem riskanten Plan vorab miteinander sprechen würde, anstatt sich unnötigen Risiken auszusetzen. Aber das war ohnehin selten der Fall im Franchise...

Da noch mal mehrere Jahre vergangen sind, wie man spätestens am älteren Hershel sieht, ist das für die Zuschauer potentiell noch frustrierender wegen der nicht beibehaltenen beschrittenen Pfade in der elften Staffel. Abermals liegt die Sympathie bei Negan statt bei Maggie, da er die rationalen Argumente in den Mund gelegt bekommt und zudem durch die Figur der Ginny abermals seine Empathie für traumatisierte Jugendliche beweist.

Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass Maggie für ihren Sohn alles unternehmen würde, welche Mutter würde das nicht? Doch mir als Langzeitzuschauer ist nicht klar, warum man diese alte Dynamik auch in diesem neuen Format ausschlachten muss. So tritt die erste Folge einen Großteil ihrer Laufzeit auf der (alten) Stelle und die Macher rund um Showrunner Eli Jorne hoffen wohl, dass die Großstadtelemente, die NYC und Manhattan mitbringen, für Zuschauende reichen, um dranzubleiben.

Doch auch andere „TWD“-Altlasten werden an den Ableger vererbt. Das Budget bei AMC scheint selbst im Piloten begrenzt gewesen zu sein, was in Zeiten einer deutlich aufwändigeren Serie wie The Last of Us im direkten Vergleich unangenehm auffällt. Es scheint eine beabsichtige Kreativentscheidung zu sein, dass man New York in der Nacht einführt, um die überall lauernden Gefahren deutlich zu machen, aber damit beraubt man sich vielleicht einiger visueller Möglichkeiten.

Dazu gibt es Szenen, die so düster sind, dass man schwerlich erkennen kann, was sich auf dem Bildschirm abspielt. Ob es jemals eine Alternative zu spannungsarmen Einzelüberrumpelungen geben wird, wissen wohl auch nur die Macher... Nach mehr als 20 Staffeln in Summe hat man sich daran doch ziemlich sattgesehen.

Todlangweilig?

In meinen Augen sollte eine Pilotepisode den Zuschauern Lust auf mehr machen, doch die Dynamik der Handlung spult nur Versatzstücke und Muster der Mutterserie mit wenig Neuem ab. Sicherlich: Hier und da gibt es ein paar nette Gimmicks wie die Kakerlaken oder den Untoten mit Rattenmitbewohner, doch insgesamt gilt: Same old, same old. Man könnte auch meinen, dass die Inszenierung etwas cinematischer wirkt, als es bei „TWD“ oft der Fall war. Dies kann allerdings auch am Handlungsort liegen, der von sich aus mehr Möglichkeiten liefert als die altbekannten Waldgebiete, Hütten und die Kleinstadtatmosphäre.

Am Ende der Folge sieht man, dass die hohen Gebäude der Stadt mit einem Zipline-System verbunden sind, was zumindest ein bisschen das Interesse zur Infrastruktur weckt. Und hoffentlich bringen die Autoren genug weitere frische Ideen ein, die nur so im Big Apple möglich sind.

Offene Fragen gibt es viele. Was wurde aus Alexandria und Hilltop und den früheren Weggefährten? Warum gelingt es so einfach, in einem so großen Ort einander so schnell ausfindig zu machen? Wie klein muss diese Welt sein, wenn ausgerechnet ein alter Weggefährte von Negan die Kontrolle über einen Teil von Manhattan erlangen konnte und sich dann auch noch Maggie und Hershel als Ziel aussucht?

Für wen ist die Serie “The Walking Dead: Dead City“ gemacht?

Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“
Szenenfoto aus der Serie „The Walking Dead: Dead City“ - © AMC

Allerdings muss man sich auch die Frage erlauben: Für wen ist diese Serie eigentlich gedacht? Als alleinstehendes Zombieabenteuer taugt sie nur bedingt. Dafür gibt es wohl zu viele Altlasten und erforderliche Vorkenntnisse. Fans der Figuren könnten natürlich interessiert sein, sofern sie nicht ermüdet davon sind, die immer gleichen Konflikte und Gespräche zwischen Maggie und Negan aufgetischt zu bekommen. Hardcorefans der wandelnden Toten riskieren sicherlich ebenfalls einen Blick hinein.

Mit dem Blick auf die Einschaltquoten-Entwicklung stellt man jedoch fest, dass die Zielgruppe sukzessive zusammenschrumpft, so dass aus dem einstiegen Massenphänomen inzwischen nur eine Serie unter vielen geworden ist. War es anfangs üblich, dass die „TWD“-Serien zeitnah nach Deutschland importiert wurden, ist das mittlerweile nicht mehr der Fall, was vielleicht auch etwas zum Stellenwert des Franchise aussagt.

Die Kreativen hatten die Chance auf einen Neustart für Maggie an einem frischen Ort, haben sich stattdessen aber für einen erzählerischen Rückschritt entschieden. Das ist schade und in meinen Augen die größte Hürde für diesen Ableger. Irgendwer hat einen Narren daran gefressen, Maggie immer nur mit Ballast zu charakterisieren und immer wieder neue Tragödien durchleben zu lassen, während viele andere Figuren ihre Happy Ends bekommen haben.

Fazit

Start spreading the news: The Walking Dead: Dead City ist nicht der gewünschte Neuanfang in Manhattan, sondern ein Rückschritt in puncto Charakterentwicklung zwischen Negan und Maggie. Bis auf ein Großstadtsetting und ein neues Ensemble rund um Lauren Cohan und Jeffrey Dean Morgan hat sich wenig verändert und das ist leider eher anstrengend als kurzweilig... Vielleicht sind es nur Anlaufschwierigkeiten, doch es gibt selten eine zweite Chance für einen verschenkten Ersteindruck. Der „TWD“-Ableger ist also höchstens für Hardcorefans der Figuren geeignet oder zu empfehlen - alle anderen sollten die „Isle of the Dead“ wohl eher meiden.

Walking Dead: Dead City - Serientrailer

Hier abschließend der aktuelle Trailer zur neuen Serie „The Walking Dead - Dead City“:

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