Ironside 1x01

Ironside 1x01

Ironside erzählt sehr routiniert eine gewöhnliche Polizeigeschichte. Dank Hauptdarsteller Underwood, einem hochwertig besetzten Ensemble, einer ansprechenden Optik und gelungener musikalischer Untermalung missrät das neue Procedural nicht vollends.

Ironside (Blair Underwood) und sein ihm nicht gerade wohlgesonnener Vorgesetzter Ed Rollins (Kenneth Choi) / (c) NBC
Ironside (Blair Underwood) und sein ihm nicht gerade wohlgesonnener Vorgesetzter Ed Rollins (Kenneth Choi) / (c) NBC

Die neue NBC-Dramaserie Ironside ist eine Neuauflage der gleichnamigen Serie aus den 70er Jahren. Die Handlung dreht sich um den Mordermittler Robert Ironside (Blair Underwood), der nach einem tragischen Zwischenfall im Dienst an den Rollstuhl gefesselt ist. Das Procedural wurde von Drehbuchautor Michael Caleo von San Francisco nach New York City verlegt, was auf die eigentliche Handlung vorerst jedoch keinen Einfluss hat.

Did you hear somebody cry for help in there?

Wenngleich die Auftaktepisode eine sehr gewöhnliche Geschichte erzählt, kann sie doch mit einigen durchaus positiven Merkmalen punkten. Zuvorderst wäre dabei die exzellente Besetzung zu nennen, angefangen mit Underwood als Reinkarnation des an den Rollstuhl gefesselten Ermittlers. Der Rollstuhl ist nicht sein einziges Alleinstellungsmerkmal. Auch seine ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und sein bestechender Scharfsinn gehören dazu. Ein solches Narrativ - rücksichtsloser Ermittler hat am Ende meistens Recht - mag verbraucht sein, Underwood gelingt es trotzdem, ihm einen frischen Anstrich zu verpassen. Die Exposition der Auftaktepisode strapaziert dieses Sujet jedoch sehr.

Kämpft mit harten Bandagen - und manchmal auch ganz ohne: Ironside (Blair Underwood) bei der Arbeit. © NBC
Kämpft mit harten Bandagen - und manchmal auch ganz ohne: Ironside (Blair Underwood) bei der Arbeit. © NBC

Zu Beginn lernen wir Robert Ironside und seine Kollegen kennen. Sein ihm in Sachen Ruchlosigkeit in nichts nachstehender Ermittlerfreund Virgil (Pablo Schreiber, Nicky Sobotka aus The Wire!) führt Ironside einen mutmaßlichen Kindesentführer vor, aus dem es das Versteck eines kleinen Mädchens herauszupsychologisieren gilt. Auf dem Rücksitz des Polizeischlittens spielt „Bob“ also seine Spielchen mit dem Verdächtigen. Es dauert nicht lange, bis er die gewünschte Information erhält. Dann rückt der Rest des Präsidiums an, inklusive des Vorgesetzten von Ironside, Ed Rollins (Kenneth Choi). Der hat natürlich nichts für Bobs ungewöhnliche Methoden übrig, wird aber durch den zu vermeldenden Ermittlungserfolg ruhiggestellt.

Damit wäre also klargestellt, wie die groben Konfliktlinien von Ironside verlaufen. Nun fehlt noch eine Erklärung dafür, wie Ironside im Rollstuhl gelandet ist. Hierzu bedienen sich die Produzenten des bewährten Stilmittels der Rückblenden, die optisch sehr hübsch umgesetzt sind. Gleichzeitig mit der Einführung des case of the week beginnen Bobs Flashbacks. Sie werden sich über den kompletten Episodenverlauf hinziehen. Jedenfalls hat Ironside seine Lähmung nicht etwa einem wild um sich schießenden Kriminellen zu verdanken, sondern seinem ehemaligen Kollegen Gary Stanton (auch diese Rolle sauber besetzt mit Brent Sexton).

Auf einem gemeinsamen Einsatz gegen einen fieberhaft gesuchten Großkriminellen kommt es zum fatalen Fehlschuss. Die Partner verfolgen den Flüchtigen, nehmen jeweils unterschiedliche Routen, um dem Fliehenden den Weg abzuschneiden. Als Stanton ihn im Visier hat, zückt er seine Waffe und drückt ab - just in dem Moment, als Ironside aus einem schlecht beleuchteten Blickwinkel in die Schussbahn springt. Jahre später haben die beiden höchst unterschiedliche Bewältigungstaktiken entwickelt. Bob gibt sich als zäher Knochen, der gelernt hat, mit seinem Schicksal zu leben und seinen Frust lieber mit hartem Krafttraining und gelegentlichen Wutausbrüchen kanalisiert.

You have your alibi locked and loaded

Stanton hingegen wird nach dem Vorfall von Selbsthass, survivor's guilt und allen möglichen anderen Schuldgefühlen beinahe zerfressen, verliert seinen Job und mutiert zum regelmäßigen Gast in der Ausnüchterungszelle. All das passiert, obwohl Ironside ihm längst vergeben hat und gar derjenige ist, der Gary aus dem Polizeigewahrsam holt und versucht, ihm neuen Lebensmut einzuflößen. Sowieso lässt Autor Caleo kaum Zweifel daran aufkommen, welch ein aufrichtiger Charakter Ironside doch ist. Neben seinem Beruf ist er auch als Eishockeytrainer tätig und findet ebenso Zeit, sich um das Wohlergehen äußerst attraktiver junger Damen zu kümmern. Das alles soll wohl Vielschichtigkeit suggerieren, diesem Anspruch wird die Charakterisierung Bobs jedoch nicht gerecht.

Spring nicht; wunderschöne Annie! © NBC
Spring nicht; wunderschöne Annie! © NBC

Der Fall der Woche ist denn auch so beliebig wie nur irgend möglich. Caleo versucht zwar, darin einen Hauch von Gesellschafts- und sogar Kapitalismuskritik - böse, böse Wall Street! - unterzubringen, dieser Versuch versandet jedoch im Nirgendwo der Belanglosigkeit. Ironside und Kollegen untersuchen den scheinbaren Selbstmord einer jungen Investmentbrokerin, der sich erst als Mord, dann doch wieder als Selbstmord entpuppt. Sämtliche Schritte zu dieser Erkenntnis müssen hier nicht erwähnt werden, weil sie sich dadurch, dass Ironside die ganze Zeit von der Selbstmordtheorie überzeugt war, als obsolet herausstellen.

Zum Ende kommt es dann doch noch einmal zum obligatorischen Plottwist, als die verzweifelte Schwester des Selbstmordopfers damit droht, den in ihren Augen - und auch tatsächlich zumindest teilweise - Schuldigen zu erschießen. Doch auch für dieses Schreckensszenario hat der immercoole Bob einen Kniff in der Hinterhand: dem Angegriffenen ins Knie schießen und damit die Angreiferin überraschen und schließlich überwältigen. Ironside saves the day. Once again.

Fazit

In Ironside jagt ein Krimiklischee das nächste. Das alles ist jedoch so charmant verpackt, dass man dieser „Berieselung-zwischen-zwei-Werbepausen“ doch etwas abgewinnen kann. Zumindest konnten sich die Macher für eine ansprechende Optik begeistern - für ihre Geschichte haben sie anscheinend weniger übrig.

Schlussendlich liegt es an den Darstellern, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Underwood und Konsorten holen alles aus ihren Figuren raus, was das dürftige Drehbuch hergibt. Ganz am Ende bekommt Sexton den unwürdigsten Job zugeschoben, als sein Charakter eine pathos- und tränenerstickte Antrittsrede bei den Anonymen Alkoholikern haltet. Er besteht diese Feuertaufe mit Bravour.

Wir haben alles schon einmal gesehen, was in Ironside so vor sich geht. Dass der mit diversen Ecken und Kanten versehene Hauptkommissar im Rollstuhl sitzt, verhilft der Geschichte auch nicht zu einem Originalitätsschub. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass es die Serie schon einmal gab und außer dem Ortswechsel über keine nennenswerten Veränderungen zu berichten wäre.

Vielleicht waren die Drehbuchautoren aber auch einfach nur faul und dachten sich, die Zuschauer würden das alles schon irgendwie schlucken. Wenigstens gibt es schöne Bilder und eine angemessene musikalische Untermalung. Immerhin.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 3. Oktober 2013

Ironside 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ironside 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 2. Oktober 2013 (NBC)
Regisseur
Peter Horton

Schauspieler in der Episode Ironside 1x01

Darsteller
Rolle
Blair Underwood
Pablo Schreiber
Neal Bledsoe
Kenneth Choi

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?