„Ironheart“: Für wen ist diese Marvel-Serie eigentlich gemacht? Kritik

„Ironheart“: Für wen ist diese Marvel-Serie eigentlich gemacht? Kritik

Riri Williams aka „Ironheart“ erhält eine eigene Serie bei Disney+. Hier trifft Tech auf Übernatürliches und es gibt einige Heists. Wer ist die Zielgruppe?

„Ironheart“ fliegt los...
„Ironheart“ fliegt los...
© Disney+

Jung, weiblich und BiPoC ist Riri Williams (Dominique Thorne) aus der Serie Ironheart, die treue Marvel-Cinematic-Universe-Fans längst durch ihr Debüt im Film „Black Panther: Wakanda Forever“ (2022) kennen. Riri passt damit in die Reihe von Figuren, die seit der Phase vier immer zahlreicher im MCU werden - und das ist auch an sich eine positive Entwicklung, denn der Männerquotient war ja bei Marvel schon immer sehr hoch.

Dass sie nun in gewisser Weise die Rolle ausfüllen soll, die Robert Downey Jr. in „Avengers: Endgame“ verlassen hat, ist natürlich ein schweres - manche würden sagen: unmögliches - Erbe. Schließlich gelten „RDJ“ und seine Figur Tony Stark als Grundpfeiler des MCU.

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Doch - wie auch schon in den Comics zuvor - bringt man sukzessive Nachfolger für die erste Generation von Avengers ins Spiel: Sam Wilson (Anthony Mackie) statt Steve Rogers (Chris Evans) als Captain America, Yelena Belova (Florence Pugh) statt Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) als Black Widow, Kate Bishop (Hailee Steinfeld) als Hawkeye und noch einige weitere Beispiele lassen sich hier anführen, wobei Thor (Chris Hemworth) und Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo) trotz neuer Alternativen offenbar noch weitermachen wollen und dürfen.

Neue Identifikationsfiguren für eine weibliche oder Schwarze Zielgruppe sind richtig und wichtig, denn in den Vorlagen haben die weißen, männlichen Figuren einen gewaltigen Vorsprung von 50 bis 80 Jahren. Da kann es nicht schaden, auch die weibliche Zuschauerschaft mehr einzuspannen...

Das Marvel-Vermächtnis statt Recasting

Der Vermächtnis-Aspekt von Superhelden ist traditionell eher ein DC-Ding, bei welchem so sogar ganze Heldenfamilien entstanden sind. Doch Marvel hat sich - vor allem in den letzten 20 bis 25 Jahren - einer ähnlichen Strategie angenommen und somit nun viele Held:innen mit ähnlichen Konzepten geschaffen, die einerseits eine breitere Leserschaft ansprechen wollen. Aber andererseits können sie dadurch das Original in den Augen mancher auch etwas „entwerten“. Wo früher nämlich ein Batman, Spider-Man oder ein Superman war, der deswegen jeweils besonders herausstach, sind nun plötzlich ein halbes Dutzend ähnlicher Figuren zu finden. Das ist natürlich auch immer eine Art Risiko, denn oft ist das Original oder die erste Fassung nicht ohne Grund beliebt...

Warum so viel Vorgeplänkel? Weil „Ironheart“ bei aller Fanliebe ein Beispiel dafür ist, wie schwierig es sein kann, neue Figuren zu etablieren, die bei der Fanbase ankommen und angenommen werden. Riri war in „Wakanda Forever“ sicherlich keine schlechte Figur, ob allerdings viel Verlangen für eine eigene Serie da war oder ob das letztlich eher eine Komitee-Entscheidung war, um Content für den Streamingdienst Disney+ zu erschaffen, dürfte fast klar sein...

Mir hat sich auch nicht ganz erschlossen, warum man die Figur The Hood als Schurke für diese Serie auserkoren hat. Manch eine Entscheidung wirkt dann doch eher zufällig oder willkürlich, eventuell auch, weil die Comicvorlage noch recht frisch ist. In den Comics ist es leicht, ein Spin-off zu etablieren, denn die Kosten sind meist überschaubar. In Film und Fernsehen haben wir es schnell mit Budgets von 100 Millionen Dollar und mehr zu tun und somit auch mit gewissen Erwartungen und Risiken, sollten die Figuren nicht ankommen.

Das klingt alles vielleicht etwas zynisch, soll es aber gar nicht sein. Würde man nämlich letztlich keine Experimente wagen, würden den Fans/Leser:innen/Zuschauer:innen womöglich charmante Figuren und Konzepte wie Ms. Marvel entgehen. Manchmal muss man die Konsument:innen einfach etwas zu ihrem Glück zwingen. In manchen Fällen schafft man es allerdings auch trotz einiger Bemühungen nicht, einen großen Eindruck zu hinterlassen, wie zum Beispiel bei Echo.

Worum geht es in der Serie „Ironheart“?

Szenenfoto aus „Ironheart“
Szenenfoto aus „Ironheart“ - © Disney+

Riri Williams studiert am MIT, aber schraubt nebenbei an einer fortschrittlichen Iron-Man-mäßigen Rüstung. Studieren ist eher Nebensache und so bietet sie einen Service an, um für andere Facharbeiten zu schreiben, was bei der Uni-Leitung gar nicht gut ankommt und zu ihrem Rauswurf führt... Also fliegt sie kurzerhand in ihre Heimat Chicago und zu ihrer Mutter zurück. Sie sucht nach einer neuen Motivation.

Ihr Stiefvater war einst Iron-Man-Fan und hat dazu beigetragen, dass sie die Rüstung nachgebaut hat. Ihre beste Freundin Natalie (Lyric Ross, This Is Us) ist ebenfalls gestorben, feiert aber ein Comeback als künstliche Intelligenz, die Dinge weiß und kann, die dann selbst Riri überraschen. Bald wird sie von Parker Robbins (Anthony Ramos, „Hamilton“) aka The Hood für dessen zwielichtige Crew angeworben. Diese führt wiederum eine Reihe von Heists aus und mit der Zeit kommt Riri ins Grübeln, ob sie eigentlich noch auf der richtigen Seite des Gesetzes steht... Und: Woher hat der Hood eigentlich seinen Mantel...?

Zudem lernt sie einen Typen namens „Joe McGillicuddy“ (Alden Ehrenreich, „Solo: A Star Wars Story“) kennen, der sich bald als jemand mit einer Verbindung zu Tony Starks Anfängen herausstellt.

Wem könnte die Serie „Ironheart“ gefallen?

Ironheart“ bereichert das MCU zunächst einmal um eine Reihe von weiteren Schwarzen Protagonisten, nachdem The Falcon and the Winter Soldier oder die beiden „Black-Panther“-Filme hier schon Pionierarbeit geleistet hatten. Ryan Coogler ist auch hier wieder einer der Produzenten und hatte Riri schon im zweiten „BP“ eingeführt. Der Comicvorlage von Brian Michael Bendis entsprechend eifert Riri Iron Man nach und kommt im MCU eben zu einer Zeit, in der eine gewaltige Lücke klafft...

Ich finde es nach wie vor beeindruckend, dass wir in einer Zeit leben, in der Serien und Kinofilme quasi Hand in Hand gehen und einer gemeinsamen Kontinuität angehören. Damit einher gehen auch Effekte (fast) auf Kinoniveau. Ich schreibe absichtlich „fast“, weil die Rüstungs-CGI, meinem Eindruck nach, nicht immer auf dem Spitzenniveau der Kinowerke ist. Dennoch ist es schon beeindruckend, dass man solche Effekte inzwischen seit etwa fünf Jahren auch im Serienbereich anfindet.

Plot-technisch sind wir gar nicht weit weg von dem ersten „Ant-Man“-Film, denn in den drei Episoden, die ich mir vorab anschauen konnte, stehen einige Heists im Zentrum der Handlung. Nur frage ich mich tatsächlich, warum eine offenbar so schlaue Person wie Riri sich überhaupt für verbrecherische Zwecke einspannen lässt. Klar: Die rebellische Ader hat sie auch schon durch ihren Uni-Service für Hausarbeiten demonstriert, aber es dürfte wohl etwas anderes sein, andere Personen systematisch zu bestehlen, obwohl man es an sich besser wissen müsste... Immerhin wird dies dann auch alsbald thematisiert und problematisiert.

Irgendwie fehlt der Serie aber doch das letzte bisschen und das gewisse Etwas, was sie von anderen Superheldenstoffen (abseits der Rüstung) abhebt. Will man mehr Iron-People-Kram, wird man gut bedient und der Mikrokosmos von Riri mag auf den Comicseiten spannend zu lesen sein. Als Serie ist das alles nett, aber irgendwie auch ein Mischmasch aus anderen Held:innen und Formaten mit einigen Versatzstücken, die man von Marvel schon kennt - inklusiver einer bunten Crew an Räubern, die für the Hood arbeiten.

Ob man mit der Serie genug Fans von sich überzeugen kann, vermag ich in diesem Fall nur schwer einzuschätzen. Es handelt sich keineswegs um einen Totalausfall wie ein Secret Invasion, Inhumans, Iron Fist oder um einen Langweiler wie „Eternals“.

Aber alleine die Art und Weise, wie schnell die Folgen rausgehauen werden - zum Start mit einem Dreierblock und dann mit einem weiteren Dreierpack -, scheint zu zeigen, wie wenig Vertrauen Marvel selbst in den Stoff hat. Das war bei „Echo“ schon ähnlich und einen richtigen Hype hatte ich persönlich auch nie mitbekommen, zumal die offiziellen Trailer - abseits von Disney-Conventions - erstaunlich spät kamen.

Fazit

Ironheart“ ist kein Must-see-TV von Marvel und Disney+ - und das hat wohl auch Disney selbst gemerkt, weswegen man die sechs Episoden innerhalb von zwei Wochen versenden wird. Würde man sich einen Hype versprechen, dann würde man die Ausstrahlung wahrscheinlich auskosten, um die Diskussion abzugreifen.

Allerdings scheint die Serie rund um Riri auch ein Überbleibsel der Chapek-Ära bei Disney zu sein, in welcher man unbedingt Content der großen Marken wie Marvel, Disney, Pixar oder „Star Wars“ haben wollte, auch wenn die Nachfrage das nicht in jedem Fall rechtfertigte. Bleibt am Ende also eine nette, harmlose, aber keinesfalls essentielle Marvel-Serie.

Drei bis dreieinhalb BFF-KI dafür.

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