Iris - Die Wahrheit: Review der ersten beiden Episoden des schwedischen Crime-Dramas in der ZDF-Mediathek

Iris - Die Wahrheit: Review der ersten beiden Episoden des schwedischen Crime-Dramas in der ZDF-Mediathek

Das schwedische Crime-Drama „Iris - Die Wahrheit“ befasst sich mit dem Thema Cold Case und kombiniert dieses mit einer traumatisierten Polizistin, die miterleben musste, wie ihr Mann auf offener Straße erschossen wurde. Warum das einerseits für Spannung, andererseits aber auch bisweilen für ein schlechtes Pacing sorgt, erfahrt Ihr im Review der ersten beiden Folgen.

„Iris - Die Wahrheit “: Szenenfoto aus der Folge „Falsche Spuren“ mit Iris (Sofia Helin) und Medium Isabell (Matilda Dahl)
„Iris - Die Wahrheit “: Szenenfoto aus der Folge „Falsche Spuren“ mit Iris (Sofia Helin) und Medium Isabell (Matilda Dahl)
© ZDF/Carolina Romare

Das passiert in der Serie „Iris - Die Wahrheit“

Iris Broman (Sofia Helin) hat sich in Iris - Die Wahrheit nach der Ermordung ihres Mannes nach Ystad versetzen lassen, wo sie von nun an die Cold-Case-Abteilung leitet. Schon an ihrem ersten Tag wird ihre Aufmerksamkeit nach einem Leichenfund im Wald auf den Fall des vor 20 Jahren verschwundenen Teenagers Benjamin gelenkt. Während der Sichtung des alten Materials stößt sie auf Ungereimtheiten und beschließt, den Fall wieder aufzunehmen. Ihre Ermittlungen führen sie dabei nicht nur in die Vergangenheit Benjamins, sondern auch in ihre eigene, denn der Tod ihres Mannes ist noch immer ungeklärt. Nach und nach kommt Iris der Wahrheit immer näher.

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Auf der Suche nach der Wahrheit

Iris (Sofia Helin) wird auch in Alltagssituationen immer wieder an den gewaltsamen Tod ihres Lebensgefährten erinnert
Iris (Sofia Helin) wird auch in Alltagssituationen immer wieder an den gewaltsamen Tod ihres Lebensgefährten erinnert - © ZDF/Carolina Romare

Wie der Titel der schwedischen Krimiserie-Dramaserie schon sagt, ist Wahrheit das allübergreifende Thema der sechsteiligen Miniserie von Camila Algen (Die Brücke) und ihren Kollegen Alex Haridi und Martin Asphaug. Allerdings ist diese umfassender angelegt, als es das Publikum vielleicht zunächst vermutet. Einerseits hat die Hauptfigur die Ermordung ihres Mannes auf offener Straße noch nicht verkraftet und möchte wissen, wer die Täter sind. Der schwere Schicksalsschlag ließ Iris schließlich einen Neuanfang wagen und ins kleine Nest Ystad ziehen, wo sie andererseits ausgerechnet die Abteilung für ungeklärte Mordfälle übernimmt. Damit bindet uns das Autoren-Team gleich in zweifacher Hinsicht an den roten Faden der Geschichte.

Entsprechend ist der Plot von „Iris - Die Wahrheit“ auf zwei Ebenen angesiedelt, wobei die eine meist durch Flashbacks oder kurze Traumsequenzen in Bezug auf den sinnlosen Tod von Bromans Mann Christian (Peter Gardiner) transportiert wird. Bisweilen offenbaren diese neue Details, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild des Tathergangs zusammenfügen, eine gute Idee. Doch auch in der Gegenwart begegnet uns Christian des Öfteren als lebendig gewordene Erinnerung, beispielsweise wenn Iris im Zug sitzt, einsam am Strand entlang spaziert oder in der Küche ihres Hauses steht. Auf diese Weise bleibt der ausschlaggebende Faktor für die Versetzung präsent und gerät nicht in Vergessenheit.

Cold Case in Schweden

Die Herangehensweise ergibt in Anbetracht des Gesamtkontexts der Story durchaus Sinn, weil sich die Protagonistin auf diese Weise gleich zweimal auf die Suche nach Wahrheit begibt. In der Gegenwart rollt Iris nämlich gerade nach einem Leichenfund im Wald den 20 Jahre zurückliegenden Fall des mit 17 Jahren verschwundenen Teenagers Benjamin auf und stößt dabei auf eine Mauer aus Lügen und Schweigen. Das beginnt schon mit Iris' Kollegin Kerstin (Kajsa Ernst), die den Fall seinerzeit betreute und sich im Verlauf der ersten beiden Folgen als schlampige Ermittlerin entpuppt.

Als Nächstes lenken die Serienmacher den Blick auf die frustrierte alleinerziehende Lehrerin Hillevi (Hanna Ullerstam), die eine besondere Beziehung zu Benjamin hatte, wobei letztlich die Frage offenbleibt, ob diese intimer Natur war, oder nicht. Benjamins Vater Frederik (Joakim Sällquist) hat ebenfalls sein Päckchen zu tragen und war möglicherweise nicht der gute Vater, für den er sich hält.

Schließlich erfährt das Publikum, dass der Bauunternehmer Sylvester (Hans-Christian Thulin) zwanzig Jahre zuvor einen Mord begangen hat, den er verschwieg, bis Iris den Cold-Case um Benjamin wieder eröffnete. Der dramatische Dialog zwischen ihm und seiner Frau, indem er ihr die Tat beichtet, lässt jedoch den Schluss zu, dass er zwar jemanden im Affekt erschlug, aber eben nicht Benjamin. Damit sind wir letztlich der Antwort keinen Schritt nähergekommen, auch, weil die Miniserie in alter Whodunit-Tradition immer neue Verdächtige oder zumindest mögliche Mitwisser präsentiert.

Tempoverluste

Jens (Håkan Bengtsson), Iris (Sofia Helin) und die dänischen Kripo-Kollegen Sören (Mads Korsgaard) und Jasmine (Harriet Kyolaba) in „Iris - Die Wahrheit“
Jens (Håkan Bengtsson), Iris (Sofia Helin) und die dänischen Kripo-Kollegen Sören (Mads Korsgaard) und Jasmine (Harriet Kyolaba) in „Iris - Die Wahrheit“ - © ZDF/Carolina Romare

Das alles ist durchaus interessant und sorgt für Spannung, hat aber auch einen gewaltigen Haken. Die episodischen Blicke auf die vielen eingestreuten Figuren sorgen für ein inkonsistentes Pacing, was sich entsprechend im Erzählfluss deutlich bemerkbar macht. Das vor allem, weil die oben genannten Personen bei Weitem nicht die einzigen sind, die in „Iris - Die Wahrheit“ auf die oder andere Art eine Rolle spielen. Immer wenn gerade etwas Interessantes geschehen ist, blenden die Macher auf einen möglichen Verdächtigen über und breiten seine oder ihre Geschichte lang und breit vor dem Publikum aus.

Das sorgt zwar für Tiefe und ist zweifelsfrei gut gemeint, drückt aber eben auch auf das Tempo und fühlt sich deshalb stellenweise unrund an. Hinzu gesellen sich die oben erwähnten Träume und Flashbacks sowie Iris' Schwester, die mit zwei Kindern im Gepäck anrückt, um ihr in der Trauer beizustehen. Die übergeordnete Funktion der Protagonistin erschließt sich bis zum Ende der zweiten Episode allerdings nicht, daher wirkt sie zunächst wie ein weiterer Hemmschuh für die Story.

Demgegenüber stehen die Ermittlungen von Iris und ihrer Abteilung, die bei einer oder zwei Folgen weniger naturgemäß weiter fortgeschritten wären. Mehr Zug in der Geschichte hätte mit anderem Worten dem Spannungsbogen sichtlich gutgetan, zumal sowohl der Mord an ihrem Mann als auch der Cold Case durchaus Interesse wecken. Außerdem erweist sich die aus „Die Brücke: Transit in den Tod“ bekannte Sofia Helin als richtig gute Wahl für die Hauptrolle. Die Aktrice harmoniert gut mit ihrem Filmpartner Håkan Bengtsson, der ihrem Kollegen Jens die Ruhe und Abgeklärtheit verleiht, die Iris benötigt, um den Fokus nicht zu verlieren.

Fazit

Schade eigentlich, denn die Prämisse und Figurenkonstellationen von „Iris - Die Wahrheit“ sind interessant und machen neugierig. Doch zu viele kleine, mit der Haupthandlung verwobene, Nebenstränge verkomplizieren die Sache unnötig. Eine gewisse Komplexität in Erzählungen nach dem Whodunit-Muster ist ja grundsätzlich nie verkehrt, doch derart das Tempo verschleppen sollte dies nicht. Das Crime-Drama fühlt sich stellenweise mehr nach einem Roman an als nach einer TV-Serie, wobei die dramatischen Elemente letztlich zu viel Raum einnehmen.

Es ist ja nicht so, dass man nicht mehr wissen möchte, doch nach High-End-Fiktion, wie es Wolfang Feindt von der Hauptredaktion Internationale Fiktion beim ZDF ausdrückt, fühlt sich das Ganze bisher nicht wirklich an. Allerdings haut es die tolle Leistung von Sofia Helin und Håkan Bengtsson wieder raus, wobei das restliche Ensemble an dieser Stelle auch nicht unter dem Tisch fallen soll. Und wer weiß? Vielleicht führen die bisher unverständlichen Lie to Me-Attitüden (Iris scheint Mimik und Gestik der Verdächtigen genauestens zu beobachten) ja sogar irgendwo hin.

Zu wünschen wäre es der Serie: dreieinhalb von fünf Punkten.

Sendehinweis

Am Samstag, den 10. Februar feiert die Serie „Iris - Die Wahrheit“ ihre Deutschlandpremiere in der ZDFmediathek. Ab Sonntag, den 25. Februar ab 22.15 Uhr zeigt das ZDF die deutsch-schwedische Krimiserie dann jeweils in Doppelfolgen.

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