Iris - Die Wahrheit 1x01

© ZDF/Carolina Romare
Das passiert in der Serie âIris - Die Wahrheitâ
Iris Broman (Sofia Helin) hat sich in Iris - Die Wahrheit nach der Ermordung ihres Mannes nach Ystad versetzen lassen, wo sie von nun an die Cold-Case-Abteilung leitet. Schon an ihrem ersten Tag wird ihre Aufmerksamkeit nach einem Leichenfund im Wald auf den Fall des vor 20 Jahren verschwundenen Teenagers Benjamin gelenkt. WĂ€hrend der Sichtung des alten Materials stöĂt sie auf Ungereimtheiten und beschlieĂt, den Fall wieder aufzunehmen. Ihre Ermittlungen fĂŒhren sie dabei nicht nur in die Vergangenheit Benjamins, sondern auch in ihre eigene, denn der Tod ihres Mannes ist noch immer ungeklĂ€rt. Nach und nach kommt Iris der Wahrheit immer nĂ€her.
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Auf der Suche nach der Wahrheit

Wie der Titel der schwedischen Krimiserie-Dramaserie schon sagt, ist Wahrheit das allĂŒbergreifende Thema der sechsteiligen Miniserie von Camila Algen (Die Brücke) und ihren Kollegen Alex Haridi und Martin Asphaug. Allerdings ist diese umfassender angelegt, als es das Publikum vielleicht zunĂ€chst vermutet. Einerseits hat die Hauptfigur die Ermordung ihres Mannes auf offener StraĂe noch nicht verkraftet und möchte wissen, wer die TĂ€ter sind. Der schwere Schicksalsschlag lieĂ Iris schlieĂlich einen Neuanfang wagen und ins kleine Nest Ystad ziehen, wo sie andererseits ausgerechnet die Abteilung fĂŒr ungeklĂ€rte MordfĂ€lle ĂŒbernimmt. Damit bindet uns das Autoren-Team gleich in zweifacher Hinsicht an den roten Faden der Geschichte.
Entsprechend ist der Plot von „Iris - Die Wahrheit“ auf zwei Ebenen angesiedelt, wobei die eine meist durch Flashbacks oder kurze Traumsequenzen in Bezug auf den sinnlosen Tod von Bromans Mann Christian (Peter Gardiner) transportiert wird. Bisweilen offenbaren diese neue Details, die sich nach und nach zu einem Gesamtbild des Tathergangs zusammenfĂŒgen, eine gute Idee. Doch auch in der Gegenwart begegnet uns Christian des Ăfteren als lebendig gewordene Erinnerung, beispielsweise wenn Iris im Zug sitzt, einsam am Strand entlang spaziert oder in der KĂŒche ihres Hauses steht. Auf diese Weise bleibt der ausschlaggebende Faktor fĂŒr die Versetzung prĂ€sent und gerĂ€t nicht in Vergessenheit.
Cold Case in Schweden
Die Herangehensweise ergibt in Anbetracht des Gesamtkontexts der Story durchaus Sinn, weil sich die Protagonistin auf diese Weise gleich zweimal auf die Suche nach Wahrheit begibt. In der Gegenwart rollt Iris nĂ€mlich gerade nach einem Leichenfund im Wald den 20 Jahre zurĂŒckliegenden Fall des mit 17 Jahren verschwundenen Teenagers Benjamin auf und stöĂt dabei auf eine Mauer aus LĂŒgen und Schweigen. Das beginnt schon mit Iris' Kollegin Kerstin (Kajsa Ernst), die den Fall seinerzeit betreute und sich im Verlauf der ersten beiden Folgen als schlampige Ermittlerin entpuppt.
Als NĂ€chstes lenken die Serienmacher den Blick auf die frustrierte alleinerziehende Lehrerin Hillevi (Hanna Ullerstam), die eine besondere Beziehung zu Benjamin hatte, wobei letztlich die Frage offenbleibt, ob diese intimer Natur war, oder nicht. Benjamins Vater Frederik (Joakim SĂ€llquist) hat ebenfalls sein PĂ€ckchen zu tragen und war möglicherweise nicht der gute Vater, fĂŒr den er sich hĂ€lt.
SchlieĂlich erfĂ€hrt das Publikum, dass der Bauunternehmer Sylvester (Hans-Christian Thulin) zwanzig Jahre zuvor einen Mord begangen hat, den er verschwieg, bis Iris den Cold-Case um Benjamin wieder eröffnete. Der dramatische Dialog zwischen ihm und seiner Frau, indem er ihr die Tat beichtet, lĂ€sst jedoch den Schluss zu, dass er zwar jemanden im Affekt erschlug, aber eben nicht Benjamin. Damit sind wir letztlich der Antwort keinen Schritt nĂ€hergekommen, auch, weil die Miniserie in alter Whodunit-Tradition immer neue VerdĂ€chtige oder zumindest mögliche Mitwisser prĂ€sentiert.
Tempoverluste

Das alles ist durchaus interessant und sorgt fĂŒr Spannung, hat aber auch einen gewaltigen Haken. Die episodischen Blicke auf die vielen eingestreuten Figuren sorgen fĂŒr ein inkonsistentes Pacing, was sich entsprechend im ErzĂ€hlfluss deutlich bemerkbar macht. Das vor allem, weil die oben genannten Personen bei Weitem nicht die einzigen sind, die in „Iris - Die Wahrheit“ auf die oder andere Art eine Rolle spielen. Immer wenn gerade etwas Interessantes geschehen ist, blenden die Macher auf einen möglichen VerdĂ€chtigen ĂŒber und breiten seine oder ihre Geschichte lang und breit vor dem Publikum aus.
Das sorgt zwar fĂŒr Tiefe und ist zweifelsfrei gut gemeint, drĂŒckt aber eben auch auf das Tempo und fĂŒhlt sich deshalb stellenweise unrund an. Hinzu gesellen sich die oben erwĂ€hnten TrĂ€ume und Flashbacks sowie Iris' Schwester, die mit zwei Kindern im GepĂ€ck anrĂŒckt, um ihr in der Trauer beizustehen. Die ĂŒbergeordnete Funktion der Protagonistin erschlieĂt sich bis zum Ende der zweiten Episode allerdings nicht, daher wirkt sie zunĂ€chst wie ein weiterer Hemmschuh fĂŒr die Story.
DemgegenĂŒber stehen die Ermittlungen von Iris und ihrer Abteilung, die bei einer oder zwei Folgen weniger naturgemÀà weiter fortgeschritten wĂ€ren. Mehr Zug in der Geschichte hĂ€tte mit anderem Worten dem Spannungsbogen sichtlich gutgetan, zumal sowohl der Mord an ihrem Mann als auch der Cold Case durchaus Interesse wecken. AuĂerdem erweist sich die aus „Die BrĂŒcke: Transit in den Tod“ bekannte Sofia Helin als richtig gute Wahl fĂŒr die Hauptrolle. Die Aktrice harmoniert gut mit ihrem Filmpartner HĂ„kan Bengtsson, der ihrem Kollegen Jens die Ruhe und AbgeklĂ€rtheit verleiht, die Iris benötigt, um den Fokus nicht zu verlieren.
Fazit
Schade eigentlich, denn die PrĂ€misse und Figurenkonstellationen von „Iris - Die Wahrheit“ sind interessant und machen neugierig. Doch zu viele kleine, mit der Haupthandlung verwobene, NebenstrĂ€nge verkomplizieren die Sache unnötig. Eine gewisse KomplexitĂ€t in ErzĂ€hlungen nach dem Whodunit-Muster ist ja grundsĂ€tzlich nie verkehrt, doch derart das Tempo verschleppen sollte dies nicht. Das Crime-Drama fĂŒhlt sich stellenweise mehr nach einem Roman an als nach einer TV-Serie, wobei die dramatischen Elemente letztlich zu viel Raum einnehmen.
Es ist ja nicht so, dass man nicht mehr wissen möchte, doch nach High-End-Fiktion, wie es Wolfang Feindt von der Hauptredaktion Internationale Fiktion beim ZDF ausdrĂŒckt, fĂŒhlt sich das Ganze bisher nicht wirklich an. Allerdings haut es die tolle Leistung von Sofia Helin und HĂ„kan Bengtsson wieder raus, wobei das restliche Ensemble an dieser Stelle auch nicht unter dem Tisch fallen soll. Und wer weiĂ? Vielleicht fĂŒhren die bisher unverstĂ€ndlichen Lie to Me-AttitĂŒden (Iris scheint Mimik und Gestik der VerdĂ€chtigen genauestens zu beobachten) ja sogar irgendwo hin.
Zu wĂŒnschen wĂ€re es der Serie: dreieinhalb von fĂŒnf Punkten.
Sendehinweis
Am Samstag, den 10. Februar feiert die Serie „Iris - Die Wahrheit“ ihre Deutschlandpremiere in der ZDFmediathek. Ab Sonntag, den 25. Februar ab 22.15 Uhr zeigt das ZDF die deutsch-schwedische Krimiserie dann jeweils in Doppelfolgen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Samstag, 10. Februar 2024(Iris - Die Wahrheit 1x01)
Schauspieler in der Episode Iris - Die Wahrheit 1x01
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