Invincible 1x01

Invincible 1x01

Der Name Robert Kirkman dürfte vielen Serienjunkies durch The Walking Dead bekannt sein, deren Comicvorlage er geschrieben hat. Sein anderes langlebiges Comicwerk Invincible wird nun zur Animationsserie von Amazon Prime Video, die sich Realserien in ihrer Gestaltung zum Vorbild nimmt.

Amerikanische Zeichentrickserien fĂŒr ein Ă€lteres Publikum sind, mit wenigen Ausnahmen, oft rund 20 Minuten lang und konnten ihre UrsprĂŒnge als Wochenendunterhaltung nie ganz so richtig abschĂŒtteln. In den letzten Jahren gab es jedoch einige VerĂ€nderungen, denn durch Kabelsender und Streamingdienste ist das Genre vielfĂ€ltiger geworden. In den 90ern und 2000ern dominierten zwar dank The Simpsons oder South Park weiterhin die animierten Comedyserien, aber inzwischen gibt es mehr Actionserien (beispielsweise Archer, Avatar: The Last Airbender, die Serien von adult swim), Sadcoms wie BoJack Horseman, Dramas wie The Liberator und Undone, aber auch Hybriden - man denke an Son of Zorn. Zudem hat Netflix diverse Genres abgeklappert, bei denen vor allem amerikanische und japanische EinflĂŒsse durchkommen (einige Beispiele sind hier Hilda, Voltron: Legendary Defender, The Dragon Prince, Castlevania oder Love, Death & Robots).

Bei Amazon Prime Video ist nun die Comicadaption Invincible mit ihren ersten drei Episoden gestartet, wĂ€hrend der Rest, wie schon bei The Boys oder The Expanse zuvor, wöchentlich folgt. Nach dem Erfolg von The Walking Dead handelt es sich um eine weitere langlebige Comicreihe von Robert Kirkman, die nun adaptiert wird, aber eben nicht als Realserie, sondern als Zeichentrickformat. Warum also dieses Intro? Weil „Invincible“ eine der wenigen Dramaserien im Zeichentrickformat ist. Die Weltkriegsminiserie The Liberator hatte eine Ă€hnliche FolgenlĂ€nge, die so aber aber selten vorkommt. Die ersten drei „Invincible“-Kapitel sind zwischen 40 und 50 Minuten lang und auch sonst eher wie eine Dramaserie (inklusive Popsong-Untermalung) gestaltet, wie man sie auch bei The CW sehen wĂŒrde, wenn dort Blut und GedĂ€rme an der Tagesordnung wĂ€ren. TatsĂ€chlich hat „Invincible“ am Ende des Tages aber mehr mit The Boys als mit dem Arrowverse gemein.

Die Vorlage ist ein sogenanntes creator owned-Comic, gehört also den Machern Kirkman sowie den Zeichnern Cory Walker und Ryan Ottley und ist ab 2003 beim Image Verlag erschienen, bei dem Kirkman seit einigen Jahren Partner ist sowie ein eigenes Sublabel namens Skybound betreibt. Obwohl manche Figuren also an Marvel oder DC erinnern, haben der Comic und dessen Umsetzung damit nichts zu tun. Auftritte von anderen Image-Figuren (Spawn oder Savage Dragon beispielsweise) wÀren, sofern deren Schöpfer Todd McFarlane oder Erik Larsen einverstanden sind, wahrscheinlich möglich.

Worum geht es in Invincible?

Im Zentrum der Serie steht der 17-jĂ€hrige Mark Grayson (Steven Yeun), der anfangs ein normaler HighschoolschĂŒler ist. Allerdings ist sein Vater Mark Grayson ein Alien und ein Superheld namens Omni-Man (J. K. Simmons). Seine normale Mutter wird von Sandra Oh gesprochen. FrĂŒh wird Mark darauf vorbereitet, dass er in der PubertĂ€t SuperkrĂ€fte entwickeln wird, die an Superman erinnern. Sein Vater wird zwar von der Öffentlichkeit als Held gefeiert, doch versteckt einige Geheimnisse vor Mark und seiner Familie.

Hier kannst Du „Invincible im Stream bei Prime Video“ bei Amazon.de kaufen

Invincible im Stream bei Prime Video

Bekannte Superhelden-Elemente, gut neu vermischt

Amazon Studios
Amazon Studios - © Amazon Studios

Schaut man sich die erste Episode von „Invincible“ an, fĂŒr die man keine Comicvorkenntnisse braucht, dann begegnen einem viele Elemente, die man aus dem Genre kennt. Mark ist im Prinzip eine Mischung aus Spider-Man und Superman. Omni-Man ist klar an dem Mann aus Stahl orientiert, die Guardians of the Globe erinnern an die Justice League und das Teen Team an die Teen Titans. Allerdings werden die bekannten Zutaten schnell eigenstĂ€ndig neu vermischt und Kirkman erschafft ein eigenes komplexes Superhelden-Universum, das trotzdem nicht das DĂ©jĂ -vu-GefĂŒhl abschĂŒtteln kann oder möchte. Es ist gleichzeitig Hommage und eigener Beitrag zum Genre, was aber keinesfalls ein Problem ist. Weil es eben der eigene Sandkasten des Schöpfers ist, kann er nĂ€mlich alles machen, was bei DC oder Marvel tabu wĂ€re. Dazu zĂ€hlt der ErzĂ€hlton, der mal anzĂŒglicher sein kann, aber auch der Gewaltgrad, der spĂ€testens zum Ende der Auftaktfolge ordentlich anschwillt.

Im Jahr 2021 mag das fĂŒr manche gar keine Überraschung sein, aber noch im Jahr 2002, in dem die Comicserie ihr DebĂŒt feierte - und zwar noch vor „The Boys“ und anderen WeggefĂ€hrten - war das durchaus etwas Neues und Frisches.

Beim Zeichenstil ist es dem zustĂ€ndigen Animationsstudio gelungen, den Stil der Zeichner fĂŒrs Fernsehen umzusetzen. Lediglich bei manchen Massenszenen wird etwas an QualitĂ€t eingebĂŒĂŸt und der Computer kommt hier zu sehr durch, weil es nach Copy & Paste aussieht. Ansonsten wirkt es tatsĂ€chlich so, als wĂŒrde man die Vorlage mit großem Budget zur Serie mit fortlaufender Handlung prĂ€sentieren. Inhaltlich bleibt man recht nah an dem Werk von Kirkman und weicht nur hier und da ab. Das Tempo ist angenehm und es fĂŒhlt sich wie ein Superheldenzeichentrick an, der fĂŒr die erwachsene Zielgruppe maßgeschneidert ist. Zu diversen Entwicklungen möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu viel verraten, wer jedoch den Schreibstil von Kirkman kennt, der weiß, dass relativ oft unerwartete Endungen prĂ€sentiert werden, die mit den Genre-Konventionen und den Erwartungen der Zuschauer spielen. Weil es eben seine eigenen Figuren sind, hat er dabei auch keine großen Hemmungen, beliebte Figuren irgendwann zu opfern oder aus dem Spiel zu nehmen.

Die ersten drei Episoden, die mir vorab zum Anschauen zur VerfĂŒgung gestellt wurden, finden eine gute Balance zwischen Teendrama, Familiengeschichte und actionlastiger Superheldensaga. Dabei wird relativ gut herausgearbeitet, was es fĂŒr Marks Mutter Debbie bedeutet, als Normalo mit zwei Superwesen unter einem Dach zu leben. Wie bereits angedeutet, sorgen vor allem die Geheimnisse von Omni-Man fĂŒr Konflikte, die noch explosiv werden könnten.

Amazon Studios
Amazon Studios - © Amazon Studios

Alien-Invasionen sind hier an der Tagesordnung und zahlreiche Feinde attackieren die Erde und die Heimatstadt der Figuren. Als Nachwuchsheld muss Mark natĂŒrlich erst einmal seine KrĂ€fte ausloten, was mir persönlich meist viel Spaß macht. Relativ schnell werden außerdem eine ganze Reihe von Figuren etabliert, die aber ebenfalls in der Schnelle gut ausgearbeitet werden. Der Voice-Cast der Serie kann sich sehen lassen und gefĂŒhlt ist ziemlich jeder dabei, der Rang und Namen hat und mit dem Kirkman schon bei The Walking Dead gearbeitet hat. Die SprecherqualitĂ€t ist jedenfalls im englischen Original sehr hoch und trĂ€gt zur allgemeinen QualitĂ€t der Produktion bei. Der Humor, der sicherlich Ansichtssache ist, passt in meinen Augen auch meistens. NatĂŒrlich ist nicht jeder Spruch ein Treffer und manche Figur vielleicht auch etwas nerviger als andere, aber insgesamt passt es zur erzĂ€hlten Geschichte.

Mit flottem Schritt macht Mark in den Folgen zwei und drei dann Bekanntschaft mit anderen gleichaltrigen Helden und schließt sich einem Team an und auch das andere Geschlecht spielt fĂŒr einen Protagonisten in diesem Alter natĂŒrlich eine Rolle. Wie man es gewohnt ist, sogar mit zwei potentiellen love interests. WĂ€hrend die Helden-Archetypen aus dem Auftakt einem noch recht bekannt vorkommen, gibt es im Laufe der Zeit dann doch schnell interessante frische Ideen (Stichwort Monster Girl), die fĂŒr Abwechslung sorgen.

Hier kannst Du „Invincible Compendium Volume 1“ bei Amazon.de kaufen

Invincible Compendium Volume 1

Together We're Invincible

Amazon Studios
Amazon Studios - © Amazon Studios

In der ersten Staffel sind zunĂ€chst acht Episoden geplant. Da es die Comicreihe auf 144 Hefte (plus Miniserien und One-Shot-Auftritte) gebracht hat, liegt hier viel Material vor. In der Promotour zur Serie hat Kirkman bereits verraten, dass man den gesamten Stoff bequem in fĂŒnf bis sieben Staffeln adaptieren könnte, gleichzeitig fĂ€nde er es aber auch spannend, wenn man vielleicht darĂŒber hinaus noch Abenteuer spinnen könnte. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Ein vielversprechender Grundstein ist jedenfalls gelegt worden.

Ich bin gespannt, ob das tatsĂ€chlich passiert. Ich bin froh, dass „Invincible“ als Animationsserie im traditionellen Stil umgesetzt wurde. Immer wieder gab und gibt es auch FilmplĂ€ne dazu, doch der Zeichentrick gibt Freiheiten, die man in anderen Medien wohl nicht hĂ€tte, Ă€hnlich wie es schon beim Comic war. Gleichzeitig bedeutet das eventuell auch, dass die Zielgruppe kleiner sein könnte, da Animation fĂŒr Erwachsene weiterhin das Stigma besitzt, speziell zu sein. Man kann nur hoffen, dass man wie bei vielen langlebigen Netflix-Serien wie „Voltron“, „She-Ra“, „The Dragon Prince“, Big Mouth oder „3Below“ die Kreativen machen lĂ€sst und nicht vorzeitig den Absetzungslaser betĂ€tigt. Allerdings erfreut sich Animation einer neuen Beliebtheit, besonders in diesen Pandemiezeiten, was hoffentlich zum Vorteil der Serie werden kann.

Post-Credit-Szenen

Bei Invincible bedeutet ein Abspann oder die Credits ĂŒbrigens lĂ€ngst nicht das Episodenende. In jeder der drei Folgen passierten teilweise noch sehr wichtige Entwicklungen, nachdem man die Namen der Beteiligten zum ersten Mal aufblitzen sieht. Eine sehr interessante kreative Entscheidung ist außerdem, dass man den Serientitel in jeder Folge durch eine Figur sprechen lĂ€sst, so dass so die title card eingeblendet wird.

Fazit

FĂŒr Superheldenfans, die gerne auch mal abseits von DC und Marvel ihren Horizont erweitern wollen und auch solche, die The Boys mochten, empfiehlt sich ein Blick in Invincible von Amazon Prime Video. Die Mischung aus Teendrama, Familienstory und unkonventioneller sowie blutiger Superheldenstory könnte auf Gefallen stoßen. Eine solche rund einstĂŒndige Zeichentrick-Dramaserie gab es zuvor selten, weswegen man ihr eine Chance geben sollte.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Invincible“:

Hier kannst Du „Invincible im Stream bei Prime Video“ bei Amazon.de kaufen

Invincible im Stream bei Prime Video

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 26. MĂ€rz 2021

Invincible 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Invincible 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Höchste Zeit
Titel der Episode im Original
It's about time
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 26. MĂ€rz 2021 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. MĂ€rz 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 26. MĂ€rz 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 26. MĂ€rz 2021

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?

Diese Serie passen auch zu «Invincible»

Daredevil, Invincible, Loki, Arrow, Titans, Watchmen, Peacemaker, Legion, Supergirl, Hawkeye, Gotham, Lucifer