Inventing Anna: Kritik zum Start der neuen Netflix-Serie mit Julia Garner

Inventing Anna: Kritik zum Start der neuen Netflix-Serie mit Julia Garner

Nach Bridgerton startet mit Inventing Anna nun die zweite Shondaland-Serie bei Netflix. Ozark-Star Julia Garner spielt eine Hochstaplerin, die die High Society von New York um sehr viel Geld gebracht hat. Hier unsere Kritik zur ersten Episode der Serie.

Julia Garner in der Serie Inventing Anna (c) Netflix
Julia Garner in der Serie Inventing Anna (c) Netflix
© ulia Garner in der Serie Inventing Anna (c) Netflix

Netflix griff vor fünf Jahren tief in die Tasche, um die Superproduzentin Shonda Rhimes (Grey's Anatomy, How to Get Away with Murder) abzuwerben. Bislang schuf sie für die Streaming-Plattform zwar nur eine Serie, doch dafür war Bridgerton zwischenzeitlich die am meisten gestreamte Eigen-Produktion überhaupt. Mit der neunteiligen Miniserie Inventing Anna startet nun endlich das nächste Format aus der Erfolgsschmiede Shondaland, wobei noch abzuwarten bleibt, wie viele Zuschauer:innen davon angelockt werden.

Die Geschichte des Neustarts basiert auf dem „New York“-Artikel „How Anna Delvey Tricked New York's Party People“ von Jessica Pressler. Die Titelrolle der listigen Hochstaplerin aus Deutschland, die die High Society im Big Apple an der Nase herumgeführt hat, wurde die zweifache Emmypreisträgerin Julia Garner (Ozark) angeheuert. Anna Chlumsky (Veep) spielt die Journalistin, die den Fall berühmt machte. Doch was steckt hinter dieser Anna? Ist sie nur ein oberflächliches Partygirl oder gar eine moderne Robin-Hood-Figur?

Worum geht's?

Die einstündige Auftaktepisode namens Life of a VIP, passenderweise inszeniert vom „Der Teufel trägt Prada“-Regisseur David Frankel, stellt uns zunächst den POV-Charakter Chlumskys näher vor. Dabei wäre es eigentlich gar nicht nötig, Vivian so viel Zeit zu widmen, weil wir sie sowieso längst kennen. Ganz im typischen Stil von Shonda Rhimes ist die Figur nämlich ein Prototyp. Sie ist die unterschätzte Rebellin in der Redaktion, die von ihrem sexistischen Vorgesetzten keine guten Storys kriegt und sich gegen das System auflehnt. Annas Geschichte soll ihr endlich die überfällige Anerkennung bringen - also recherchiert sie zunächst auf eigene Faust, ohne offizielle Erlaubnis.

Privat erwartet Vivian außerdem ihr erstes Kind. Dieser Umstand macht das erste Aufeinandertreffen im berüchtigten Gefängnis Rikers Island mit Anna (Garner) etwas unangenehm. Denn die Betrügerin, die abwechselnd zwischen ihren Rollen als bemitleidenswertes Opfer und scharfzüngiger Täterin pendelt, fragt ganz frech: „Sind sie wirklich so fett oder schwanger?“ Damit soll uns gezeigt werden, dass Anna ein ziemlicher A**** ist. Gleichzeitig fühlt es sich nicht gut an, dass Rhimes wohl auch hofft, mit dieser unglaublichen Zeile das Publikum zum Lachen zu bringen.

Anna Chlumsky in Inventing Anna
Anna Chlumsky in Inventing Anna - © Netflix

Rhimes gab vor dem Start von Inventing Anna in diversen Interviews zu Protokoll, dass sie es absichtlich vermieden habe, die echte Anna zu treffen. Sie hätte Angst davor gehabt, ihren Blick zu verändern, wenn sie merken würde, dass sie die Hauptfigur ihrer Serie nicht ausstehen kann - oder schlimmer: sie plötzlich richtig gern hat. Und irgendwie spürt man in der ersten Episode, dass Rhimes vielleicht ein bisschen zu distanziert geblieben ist. Denn Anna wirkt längst nicht so interessant, wie uns vermittelt werden soll. Das fällt besonders in einer albernen Montage-Szene auf, als Vivian verschiedene Stimmen sammelt, die die absurdesten Anekdoten zu erzählen haben.

Gleichzeitig könnte es auch der Darstellerin Garner noch an Größe fehlen, um einen solchen Charakter, der „Larger than life“ sein soll, charismatisch auszufüllen. Ihre Darbietung ist jedenfalls kein Vergleich zu einem Leonardo DiCaprio in „Catch Me If You Can“, der vor allem mit seinem verschmitzten Sinn für Humor bestach. Anna hingegen wirkt alles andere als humorvoll - eher wirkt sie arrogant und lebensfremd, was keine gute Kombination ist. Im Endeffekt steht und fällt natürlich alles mit dem Charme der Hochstaplerin, denn sie ist der einzige Grund, warum es diese Serie gibt. Gut möglich, dass neue Facetten in den kommenden Folgen noch mehr Spannung erzeugen...

Wie ist es?

Alles in allem kein herausragender Serienstart von Inventing Anna bei Netflix. Eigentlich sollten alle Einzelteile perfekt zusammenpassen: die namhafte Produzentin Shonda Rhimes, die tollen Hauptdarstellerinnen Julia Garner und Anna Chlumsky und ein spektakulärer True-Crime-Fall, der in die glänzende Welt der Schönen und Reichen New Yorks führt. Aber vielleicht sind diese starken Einzelteile auch der Grund, dass man versäumt hat, der Miniserie irgendeine besondere Note zu verpassen. Das wirkt alles sehr erwartbar und oberflächlich. Man kann nur hoffen, dass die Titelfigur noch aufwacht und das Ganze dadurch in Fahrt bringt.

Leider fühlt es sich so an, dass Inventing Anna - wie der Name der Serie schon sagt - noch im Erfinden feststeckt. Ich habe also kein großes Vertrauen, dass es einen wasserdichten Plan gibt, wo das alles hinführen soll. Eher streut man hier und da ein paar seltsame Gerüchte über Anna ein und hofft, dass wir anbeißen...

Hier abschließend noch der Trailer zur neu gestarteten Netflix-Serie Inventing Anna:

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