INTIMATE.: Kritik der Pilotepisode der Joyn-Serie

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Um schon vor der ersten Minute zu wissen, ob einem die neue Joyn-Comedyserie INTIMATE. gefallen könnte, kann man zwei Informationen in Betracht ziehen: Jerks-Mastermind Christian Ulmen produziert daran mit, was auf den Hirnwindungen des Teams hinter Amazons Die Discounter gewachsen ist. Herausgekommen ist genau das, was man angesichts dieser Vorgeschichte erwarten darf.
Wovon handelt die Serie INTIMATE.?
Fünf enge Freunde suchen ihren Platz, besonders den im Bett, aber auch den innerhalb ihrer Beziehungen, Jobs und Freundschaften. Wir begleiten Bruno (Bruno Alexander), Emil (Emil Belton), Oskar (Oskar Belton), Max (Max Mattis) und Leo (Leo Fuchs) durch einen holprigen Alltag zum Fremdschämen.
Leo sucht mit seinem Freund Florian (Lukas von Horbatschewsky) nach einer passenden Rollenverteilung in ihrer homosexuellen Beziehung. Bruno verliebt sich in die ältere Alice (Heike Makatsch), die er in einer Sauna kennenlernt. Max hat eine Beziehung zu Isabella (Valerie Stoll), doch so richtig gefällt es ihm nicht, dass sie im Bett immer wieder neue Erfahrungen sammeln will.
Jobmäßig sind die fünf recht unterschiedlich aufgestellt, hervorstechen tun dabei Bruno und Oskar, die als Schauspieler sogar recht erfolgreich sind und in einer Abziehbildchen-Krimiserie für die Generation 60+ die Jugendlichen geben.
Während jede Episode, fast jede Szene eine kleine Geschichte erzählt, verfolgt der übergeordnete Handlungsstrang nur die Vorgabe, dass wir die fünf Freunde durch ihr Leben begleiten - je intimer, desto besser.
Wie kommt es rüber?
Dass die Figuren die Vornamen der Darsteller tragen, ist kein Zufall, auch darüber hinaus macht die Serie einige Anleihen bei der Realität. Mindestens so weit, dass die fünf auch im wahren Leben Freunde sind, was der Chemie auf der Mattscheibe natürlich überaus guttut. Wie bei den geistigen Mutterserien „Jerks“ und „Die Discounter“ bleibt das Drehbuch auch darüber hinaus recht in der Realität verwurzelt. Wenn es unangenehm wird, bleibt die Kamera drauf, statt gnädig auszublenden, dass ein Großteil des wahren Lebens eben nicht so glatt wie auf der Leinwand verläuft...
In „INTIMATE.“ stehen nun statt zwei Freunden gesetzten Semesters fünf junge Freunde im Mittelpunkt. Doch die Triebe sind dieselben. Die neue Serie seziert das Sexleben der Generation Z mit Sexshopbesuchen für Umschnalldildos und so weiter und so fort. Doch von Offenheit kann kaum eine Rede sein. Selbst in einer Welt, in der Pornos allgegenwärtig sind, ist es Max dann doch irgendwie nicht recht, wenn seine Freundin ohne BH zum Erstietag an der Uni geht.
Was jedoch immer wieder fehlt, ist eine größere Handlung. Selbst die, die da ist, scheinen die Autoren letztlich nicht so wichtig zu finden, so dass sie sich wenig Mühe geben, sie einzuführen oder anderen schmackhaft zu machen. Es sieht hochwertig produziert aus, bleibt aber dennoch oft in kleinen Sketchen stecken. Schon zu Beginn geben die Serienmacher die entscheidenden Szenen in einem trailer-artigen Zusammenschnitt zum besten, die TikTok-Version der Pilotepisode.
Während er versucht, Alice nahezukommen, lernt Bruno einen Saunaspanner kennen, wunderbar dargestellt von Martin Brambach. Denn neben Heike Makatsch und Christian Ulmen finden so einige andere deutsche Stars ihren Weg auf die Gästeliste der neuen Serie und fallen dabei nicht selten als Scene-Stealer auf.