Ingobernable 1x01

© ast der Serie „Ingobernable“ / (c) Ken Jacques/Netflix
Gewöhnt sind wir ja, dass ein Thriller über eine politische Familie mit den altbekannten Bildern von winkenden Menschen und großen Rednerpulten beginnt, während wir mit der Zeit immer mehr sehen, wie chaotisch und emotional die ganze Sache eigentlich aussieht, wenn der Vorhang gefallen ist und die Familie sich in private Gemächer zurückzieht. Die mexikanische Netflix-Produktion Ingobernable geht einen anderen Weg. Das Erste, was wir von dem fiktionalen Präsidentenehepaar hören, ist, dass sie die Scheidung eingereicht haben, was das Land irgendwie direkt in die Krise führt.
Worum es geht
Die Pilotepisode beginnt damit, dass die First Lady von Mexiko, Emilia Urquiza (Kate del Castillo), im Radio hört, wie eine Sprecherin eine große Pressekonferenz des Präsidenten ankündigt und melodramatisch ihren Zigarettenrauch in die Nacht pustet.
Nach einigen Szenen mit ebenfalls nicht näher definierten Figuren, die sich später als Vater der Präsidentengattin und Tochter des Paares herausstellen, kommt es direkt zum Showdown. Diego Nava (Erik Hayser) geht zu seiner Frau ins Hotel und stellt sie zur Rede über die Trennung. Schnell wird die Lage handgreiflich, die gegenseitigen Anschuldigungen werden größer. Er glaubt, dass sie eine Affäre habe, sie wirft ihm vor, das Land und die gemeinsamen Ziele verraten zu haben. Was davon wahr ist und was genau sie meinen, bleibt fürs Erste ein Geheimnis.
Es dauert dann auch keine 20 Minuten und man vergisst Fragen wie diese, denn unter dem bedrohlichen Geläut von Kirchenglocken findet Emilia sich auf dem Balkon des Hotels wieder, ohnmächtig, mit einer Waffe in der Hand, während unten auf der Straße Aufregung herrscht, weil einer auf der gepanzerten Limousine aufgeschlagen ist: Der Präsident der Nation liegt blutverschmiert auf dem Dach.
Kurz nachdem wir sie kennengelernt haben, geht die Protagonistin dann also auf die Flucht. Ursprünglich wollte sie mit ihren Kindern am Abend der Verkündung der Scheidung auf die Ranch fahren. Das führt dann dazu, dass die Kinder kurz nach dem Tod ihres Vaters am Hotel ankommen und das Ganze sehen müssen. Unterdessen versucht sich Emilia aus dem Hotel zu schleichen und nutzt dabei neben ihrem Status als First Lady auch den Feueralarm sowie ein paar Handtücher.
Während Minister Barquet (Alvaro Guerrero) die Amtsgeschäfte übernimmt und die Kinder des Paares im Regierungssitz im Unklaren gelassen werden, was vor sich geht, zieht Emilia hilflos durch die dunklen Straßen der Stadt und betritt ein Restaurant, in dem sie sofort erkannt wird. In der Küche wird sie schließlich von einem Angehörigen der Präsidentenwache gestellt - sie erschießt ihn und flieht. Innerhalb einer Dreiviertelstunde ist die Frau, von der wir den Eindruck bekommen, dass ihr Mexiko einst zu Füßen lag, zur am meisten gesuchten Frau der Nation geworden.
Wie es rüberkommt
Nur bleiben die Zuschauer der ersten Stunde leicht verwundert zurück, wieso sie mit einer Figur mitfiebern sollten, die sie gar nicht kennen. Denn: Keine Flashbacks, keine Erinnerungen, keine unverfänglichen Gespräche erzählen uns in der Pilotepisode der Serie Ingobernable, wer Emilia ist. Alles, was wir wissen, ist, dass sie von ihrem Mann so enttäuscht ist, dass sie ihn verlassen will, auch wenn das das Ende ihrer beider Karrieren und möglicherweise ein Land im Ausnahmezustand bedeuten könnte. Aber was hat er getan, um sie so zu hintergehen? Wir wissen es nicht.
Man braucht also schon ein bisschen guten Willen, um nach der Pilotepisode am Ball zu bleiben. Diesen Vertrauensvorschuss münzen die Serienmacher in den ersten drei Episoden relativ gut um, vor allem, als die Figuren am Rand auch endlich ein bisschen mehr Sendezeit bekommen.
Das größte Argument, um weiterzuschauen, ist für die meisten, die einschalten, jedoch vermutlich der Starstatus der Hauptdarstellerin. Kate del Castillo ist in Mexiko ein Star der Leinwand sowie der Mattscheibe. Zuschauer von US-Serien könnten sich unter Umständen an ihre Rolle in Weeds erinnern, in der sie als Drogenboss Pinar Nancy (Mary-Louise Parker) bedrohte.
Und ja, sie ist auch die Schauspielerin, die 2015 das medienwirksame Treffen von Sean Penn und dem Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán vermittelte...
Fazit
Man muss ein bisschen Geduld mitbringen, um die Geheimnisse der Serie Ingobernable zu erforschen, denn die Geschichte hinter dem Zusammenbruch wird nur bruchstückhaft erzählt. Wer dran bleibt, wird mit einem melodramatischen Thriller belohnt. Ob die Story am Ende der Staffel das Versprechen einlösen kann, bleibt abzuwarten.
Trailer zu der mexikanischen Serie „Ingobernable“:
Verfasser: am Freitag, 24. März 2017Ingobernable 1x01 Trailer
(Ingobernable 1x01)
Schauspieler in der Episode Ingobernable 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?