Infiniti: Turm des Schweigens - Review zur Pilotfolge

© zenenfoto aus der Serie Infiniti (c) Canal+
Während die Tage des kasachischen Weltraumbahnhofs nahe Baikonur gezählt sind, kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe: Bei einem missglückten Andockmanöver eines Raumtransporters kommt es zur Kollision mit der ISS. Der Kontakt bricht ab und im Kontrollzentrum rechnet man mit dem Schlimmsten.
Etwa zur gleichen Zeit werden der desillusionierte Polizist Isaak (Daniyar Alshinov, „A Dark, Dark Man“) und sein Partner zu einem Haus am Stadtrand der kasachischen Stadt Baikonur gerufen, auf dessen Dach ein Hirte eine kopflose, völlig mit Wachs überzogene Leiche gefunden hat. Isaaks Vorgesetzter befiehlt, die Angelegenheit zu vertuschen, doch die Sache lässt ihm keine Ruhe.
Mittlerweile haben sich die Medien auf den Vorfall rund um die ISS gestürzt und Missionsleiter Durkhov (Vlad Ivanov, „La Gomera: Verpfiffen und verraten“) gerät in Erklärungsnot. Er selbst hält den amerikanischen NASA-Astronauten Kurz (Lex Shrapnel, „Im Fadenkreuz: Seal Team 8“) für den Schuldigen an der Katastrophe, da er kurz davor Befehle missachtet hat.
Bei einer anschließenden internationalen Konferenz, während der das weitere Vorgehen geklärt werden soll, ist auch die psychisch labile französische Ärztin und Astronautin Anna Zarathi (Celine Sallette, „Losing It“) anwesend, die eigentlich anstatt Kurz auf die Mission hatte gehen sollen und eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit ihm hatte. Unmittelbar vor der Katastrophe hat Kurz ihren Namen gerufen.
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Polizist Isaak stellt derweil eigene Untersuchungen in dem geheimnisvollen Mordfall an. Durch eine alte Schamanin findet er heraus, dass das geheimnisvolle Amulett, das der Tote trug, als Auge Zarathustras bekannt ist und der Umgang mit der Leiche einem uralten mystischen Bestattungsritual gleicht. Die Schamanin nennt ferner einen magischen Ort nahe des Atomwaffentestgeländes Semipalatinsk, der damit in Zusammenhang steht.
Dabei handelt es sich allerdings um eine radioaktiv verseuchte Gegend. Es stellt sich heraus, dass auch Anna und Kurz während ihrer Liason dort gewesen sind.
Schließlich überschlagen sich die Ereignisse: Die führungslos treibende ISS, von der niemand weiß, ob jemand von der Besatzung überlebt hat, droht mit einem Satelliten erneut zu kollidieren, und die kopflose Leiche gelangt in den Besitz der Behörden, nachdem Isaaks Partner ermordet worden ist. Anna, der man sie zeigt, macht eine schreckliche Entdeckung.
Mystery-Science-Fiction aus Europa
Sie mögen nicht allzu zahlreich sein, aber es gibt sie durchaus: Serien des fantastischen Genres aus Europa. Zu den bekanntesten Vertretern zählten die französische Serie Missions, die es ab ihrem Start 2017 auf immerhin drei Staffeln mit insgesamt 25 Episoden brachte.
Auch die neue Serie Infiniti stammt von dort, wo sie als französisch-belgische Co-Produktion entstand und bereits vor einem knappen Jahr beim Pay-TV-Sender Canal+ zu sehen war. Die Besetzung ist erneut international: Neben den französischen Schauspielern Celine Salette und Laurent Capelluto sind beispielsweise der Engländer Lex Shrapnel, der Rumäne Vlad Ivanov sowie der in seiner Heimat Kasachstan recht populäre Daniyar Alshinov zu sehen.
Europäische Serienmacher

Erdacht wurde die insgesamt sechs Teile umfassende Serie von den beiden Autoren Stephane Pannetier („Crimson Wedding: Blutrote Hochzeit“) und Julien Vanlerenberghe („Les Ombres Rouges“), produziert wurde sie in Zusammenarbeit von Apple Tree Vision, Empreinte Digitale und Federation Entertainment Belgique. Es entstand zumindest bisher lediglich eine Staffel.
Geheimnisvolle Geschehnisse
Natürlich merkt man der Serie bereits in ihrem Pilotfilm an, dass es sich nicht um eine Produktion aus Übersee handelt (was übrigens keineswegs als Qualitätsmerkmal misszuverstehen ist, sondern lediglich als stilistische Orientierung dient).
Die Erzählweise kommt hierbei abgesehen von der Weltraumkatastrophe vom Anfang vollkommen ohne Action aus, dafür sorgen die Schilderungen des Lebens im trotz seines Weltraumbahnhofes zwar armen, kulturell aber hochinteressanten Kasachstan für einen gehörigen Schuss Exotik.
Die grausige Angelegenheit mit dem kopflosen Leichnam scheint anfangs absolut nicht zur Kollision und dem anschließenden Kontaktabbruch mit der ISS zu passen und eine unabhängige Geschichte zu erzählen.
Für in Sachen Mysteryserie bereits geübte Zuschauer ist natürlich schon während der Ermittlungen des Polizisten Isaak recht schnell klar, dass beides miteinander verknüpft sein muss. Doch auf das, was sich letztlich herausstellt, dürfte zumindest ein Großteil des Publikums nicht gefasst gewesen sein. Aus Gründen der Spannung soll an dieser Stelle nicht allzu sehr gespoilert werden.
Besagtes wiederum hebt in angenehmer Weise die Spannungskurve an, was ein wenig mit dem ansonsten eher behäbig geratenen Serienstart versöhnt. Auch die Erklärung einiger Umstände in der Serie bleibt zumindest beim Pilotfilm (noch) aus.
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Gemächliche Unterhaltung
Und so lässt sich beim Pilotfilm von Infiniti entsprechend noch nicht auf die weiteren fünf Episoden schließen, doch zumindest für Freunde eher weniger plakativer TV-Mysterien dürfte die Serie interessant sein und dazu einladen, sich auch die weiteren im Wochenrhythmus bei ProSieben Fun und Joyn Plus+ veröffentlichten Folge anzuschauen. Für die zwar insgesamt gelungene, insbesondere in punkto Spannung jedoch noch steigerungsfähige Pilotfolge gibt es drei von fünf Raumstationen.