Industry: Induction - Review der Pilotepisode

© yha'la Herrold in Industry (c) HBO/BBC Two
Die menschlichen Abgründe der Finanzwelt waren in Film und Fernsehen vor allem in den Jahren nach der letzten Weltwirtschaftskrise (die vor der Coronavirus-Pandemie) ein beliebtes Motiv. Filme wie „Der große Crash - Margin Call“, „The Wolf of Wall Street“ und „The Big Short“ dämonisierten die Männer und Frauen, die in gläsernen Bürogebäuden undurchsichtige Geschäfte betrieben. Im Serienbereich sind derweil Billions, Black Monday, Devils und natürlich das deutsche Drama Bad Banks zu nennen.
Mit anderen Worten: Das Themenfeld schien aus kultureller Hinsicht eigentlich recht abgegrast zu sein. Trotzdem präsentieren der amerikanische Kabelsender HBO und der britische Rundfunkkanal BBC Two mit der Koproduktion Industry nun ein weiteres Format dieser Sorte. Myha'la Herrold (Modern Love) mimt in der achtteiligen Auftaktstaffel die talentierte New Yorkerin Harper Stern, die es nach London zieht, um bei der renommierten Investmentbank Pierpoint & Co. anzuheuern. Ken Leung (The Night Shift) spielt indes ihren eher direkt veranlagten Mentor Eric Tao, Managing Director of Cross Products Sales.
Was die Serie auf Anhieb interessant macht: Kreiert wurde das Ganze von Mickey Down und Konrad Kay, die bis dato kaum nennenswerte Einträge in ihrer Filmografie vorweisen können. Dass man zwei Newcomern so ein großes Projekt anvertraut, verdient an sich schon Applaus. Ein weiterer Coup: Für die Regie der einstündigen Pilotepisode namens Induction wurde Girls-Star Lena Dunham an Bord geholt.
Worum geht's?
Im Zentrum der Geschichte steht wie gesagt die amerikanische Uniabsolventin Harper, die ins Berufsleben eintaucht und dafür nach Europa umzieht. Gleichzeitig lernen wir aber auch Yasmin Kara-Hanani (Marisa Abela), Robert Spearing (Harry Lawtey), Gus Sackey (David Jonsson) und Hari Dhar (Nebhaan Rizwan) kennen, die ebenfalls bei Pierpoint anfangen. Und auch Daria Greenock (Freya Mavor), Vice President of Cross Product Sales, sowie Research Analyst Theo Tuck (Will Tudor) gehören zum festen Ensemble des Finanzdramas.

Unsere „Heldin“ Harper fällt sofort durch ihren Mumm auf. Beim einem Dinner mit einer komplizierten Klientin besticht sie mit frischen Ideen. Solche Szenen kennt man natürlich aus unzähligen Serien und Filmen und ahnt daher schon, wohin das Ganze leider führt. Am Ende ist die Kundin nicht wirklich an Harpers Köpfchen interessiert, sondern an ihrem Körper. Die Finanzwelt ist ein hartes Pflaster, auf dem millionenschwere Menschen wandern, für die „Nein“ ein Fremdwort ist...
Industry zeigt uns einen Mikrokosmos, in dem Margaret Thatcher über Jesus steht (wie in der Eröffnungsszene so schön klargestellt wird). Harper und ihre Kollegen haben sich dem ungezügelten Kapitalismus verschrieben und stehen nun im ständigen Wettbewerb - auch miteinander, denn nur den Wenigsten winkt am Ende die Festanstellung. Und warum all der Stress? Damit sie sich eine schöne Wohnung leisten können, in der sie sowieso nie sein können, da sie ständig im Büro sitzen.
Dass zum Glück immer weniger junge Leute so eindimensional denken, zeigen seit einiger Zeit viele sozialpsychologische Studien. Geld wird als Motivator immer unwichtiger, während Sinnhaftigkeit und Freizeit an Bedeutung gewinnen. Doch die Serie zeigt, dass es noch viele Jahre dauern kann, bis diese sanfte Saat die Welt wirklich verändern kann.
Und auch so hat sie nicht allzu viele neue Botschaften zu bieten, was auch am Handlungsstrang rund um Hunger Fix deutlich wird. Ein Researcher deckt einen großen Skandal auf und kommt dadurch ums Leben. Alles schon gesehen...
Fazit
Alles in allem ein eher verhaltener Start für Industry. Die Koproduktion von HBO und der britischen Rundfunkanstalt BBC, die zuletzt schon His Dark Materials und I May Destroy You gemeinsam schufen, widmet sich der scheinbar so seelenlosen Finanzwelt und verpasst es leider, neue Impulse mitzubringen. Die Figuren sollen natürlich aalglatt sein, aber warum sollten sie uns dann interessieren? Eine stilsichere Inszenierung und die kompetenten Darbietungen erfüllen zumindest die Mindesterwartungen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Dramaserie Industry: