Das bierernste Geschäft mit den Lachern ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Showtime-Formats I'm Dying Up Here. Unser Pilotreview zur Serie über die Stand-Up-Comedy-Szene im Los Angeles der 70er-Jahre.

Ensemble der Serie „I'm Dying Up Here“ / (c) Showtime
Ensemble der Serie „I'm Dying Up Here“ / (c) Showtime
© nsemble der Serie „I'm Dying Up Here“ / (c) Showtime

Serien über Comedians stehen nach wie vor hoch im Kurs, wenn wir an die Comedys Louie, The Marvelous Mrs. Maisel oder auch das kurzlebige The Comedians denken. Das von Showtime präsentierte I'm Dying Up Here ist allerdings höchstens als Dramedy zu verbuchen, denn hier geht es doch recht ernsthaft um das harte Geschäft mit den Lachern. Am meisten hat das von David Flebotte (Masters of Sex) geschaffene Retroserienprojekt mit dem Film „Man on the Moon“ gemein, was überhaupt nicht komisch ist, wenn man bedenkt, dass Jim Carrey zu den Produzenten der Serie zählt.

The Couch

In der einstündigen Pilotepisode dieser Milieubetrachtung, lernen wir alle möglichen Gestalten kennen, die in den 70er-Jahren im Stand-Up-Comedyclub Goldie's in Los Angeles anzutreffen waren. Von dieser Bühne aus haben die Komiker die Möglichkeit, für einen begehrten Auftritt in der „Tonight Show“ mit Johnny Carson (Dylan Baker) auserkoren zu werden: der ultimative Ritterschlag, der nur dadurch aufgewertet wird, dass Johnny den Performer am Ende zu sich auf die Couch einlädt.

Genau dieses Glück widerfährt dem ambitionierten Clay Appuzzo (Sebastian Stan), der seine Kunst sehr ernst nimmt und bemüht ist, seine Gags mit einem authentischen Kern zu versehen. Für einen Moment sieht es so aus, als hätten wir es mit unserem Protagonisten zu tun. Zumindest so lange, bis Clay nach seinem Auftritt von einem Bus überfahren wird. Angesichts seines großen Erfolgs hält die Stand-up-Szene es für einen Unfall, doch eine Postkarte, die von Clays Exfreundin Cassie (Ari Graynor) gefunden wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Suizid handelt.

Clay (Sebastian Stan) bei Carson in der Show
Clay (Sebastian Stan) bei Carson in der Show - © Showtime

Cassie, die sich selbst als Comedian versucht, es aber noch nicht auf die Hauptbühne im goldie's geschafft hat, steht nun vor der schwierigen Frage, ob sie Clays trauernden (katholischen!) Eltern (Cathy Moriarty und Robert Foster) von ihrem Verdacht erzählen soll, dass ihr Sohn sich umbrachte, weil kein Moment in seinem Leben jemals Carsons Couch übertroffen hätte. Club-Betreiberin Goldie (Melissa Leo) rät ihr jedenfalls stark davon ab.

Das Ganze ist, wie man es von einer 70er-Jahre-Retroserie erwarten würde, in warme Sepia-Töne getränkt, mit entsprechendem Soundtack aus der Ära versehen und die passenden Drogen- und Sexgeschichten dürfen zwischen all den Hippy-Frisuren natürlich auch nicht fehlen.

Wo I'm Dying Up Here glänzt, ist das illustre Ensemble der Comedians mit ihren unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen, die sich an verschiedenen Stationen ihrer Karriere befinden. Neben Cassie, die sich nicht als „weibliche Komikerin“ definieren lassen möchte, werden wir zum Beispiel mit Ron und Eddie (Clark Duke und Michael Angarano) bekannt gemacht, die gerade erst aus Boston gekommen sind und nicht wussten, dass Clay verstorben ist.

Weitere Stammkomiker aus dem Hollywood-Umfeld werden von Andrew Santino, Stephen Guarino, Erik Griffin und dem aus der „Daily Show“ bekannten Al Madrigal gespielt, während Alfred Molina als Manager von Nachwuchstalent Adam (RJ Cyler) nur einen schlüpfrigen Auftritt für einen alten Priester an Land zieht. Ein Cast, der sich sehen lassen kann, wie man sieht.

Fazit

I'm Dying Up Here gelingt es zuweilen, für seine Underdog-Charaktere zu begeistern, fühlt sich als Milieustudie aber nicht besonders authentisch an, obwohl die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen soll. Das mag unter anderem damit zu tun haben, dass sich die präsentierte Stand-Up-Comedy mehr nach 90er-Jahre-Material anfühlt. Darüber hinaus scheint alles auf die gleiche Pointe hinauszulaufen: Comedy ist eine ernste Angelegenheit. Ob man damit acht Stunden Miniserie füllen kann, muss sich zeigen.

Vor allem Ari Graynors Cassie, die versucht, ihre eigene Stimme im Comedy-Dschungel zu finden und dabei lernt, sich die Finger schmutzig machen zu müssen und die abgebrühte, von Melissa Leo gespielte Club-Mutti Goldie, halten in der Pilotepisode, was die Charaktere an geht, bei Laune. Für Freunde des Jim Carrey-Films „Man on the Moon“, die an Komik als Kunstform interessiert sind, einen Blick wert. Die großen Lacher sollten allerdings nicht erwartet werden.

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