Wie ist die Auftaktfolge zur Kaufhauserpresser-Serie „Ich bin Dagobert“ von RTL+ gelungen?

Wie ist die Auftaktfolge zur Kaufhauserpresser-Serie „Ich bin Dagobert“ von RTL+ gelungen?

Von 1988 bis 1994 hielt der erfindungsreiche Kaufhauserpresser Dagobert die Republik in Atem. Die neue Serie „Ich bin Dagobert“ bei RTL+ erzählt seine Geschichte.

Szenenfoto aus der Serie „Ich bin Dagobert“
Szenenfoto aus der Serie „Ich bin Dagobert“
© RTL+ und RTL Deutschland

Darum geht es in der Serie „Ich bin Dagobert“

Hier und da fiktiv angereichert erleben wir in der Serie Ich bin Dagobert den Beginn der zweifelhaften Karriere von Arno Funke, genannt Dagobert mit. Dieser sorgte durch Erpressung verschiedener Kaufhäuser in den 80er und 90er Jahren für Furore. Dabei wurde er in manchen Kreisen als eine Art Underground-Volksheld gefeiert. Die Pilotfolge schildert Dagoberts Anfänge. Verkörpert wird er dabei von Friedrich Mücke („Der Ballon“).

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Aus dem Leben eines Verlierers

Während er seinen ersten großen Coup vorbereitet, erinnert sich Arno Funke (Friedrich Mücke) an sein bisheriges Leben. Er ist das, was man eine gescheiterte Existenz nennen könnte. 38 Jahre alt, allein in einer wenig behaglichen Wohnung lebend, an Alkoholproblemen leidend. Und finanziell permanent am äußersten Limit.

Seinen Lebensunterhalt verdient sich der künstlerisch begabte Schnauzbartträger in der Werkstatt des großspurigen Peter (Karsten Mielke, Luden). Dort hübscht er die Motorräder der Bikerkundschaft mit seinen Airbrushs auf. Ein Großteil seiner Gedanken kreist jedoch um Alkohol. Und Arno wird klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Visionen und Ideen

Der Koffer spielt in „Ich bin Dagobert“ eine wichtige Rolle...
Der Koffer spielt in „Ich bin Dagobert“ eine wichtige Rolle... - © RTL+ und RTL Deutschland

Eine Erscheinung seines Vaters (Martin Feifel, „Die Heimsuchung“), der ihn schon früh mit Explosivstoffen vertraut gemacht hat, bringt ihn auf eine Idee. Der technisch ziemlich versierte Arno bastelt eine Zeitbombe, die er in der Herrenbekleidungsabteilung eines Berliner Nobelkaufhauses versteckt. Anschließend schreibt er per Schreibmaschine einen Erpresserbrief an die Geschäftsleitung, in dem er eine halbe Million D-Mark verlangt.

Der mürrische Ermittler Strack (Mišel Matičević, Babylon Berlin) glaubt zunächst nicht an eine wirkliche Gefahr. Erst recht nicht, nachdem Polizist Inan (Doğuhan Kabadayı, Tatort) die Bombe gefunden hat, welche aufgrund eines vermeintlichen Baufehlers nicht hochgegangen ist.

Es geht um die Wurst!

Die erste Geldübergabe, welche die Überbringer in einer per Funkgerät initiierten Schnitzeljagd von einer Bunkeranlage bis zum Wannsee führt, scheitert allerdings. Schuld ist ein Fehler des Mechanismus, durch den das Geld im See versenkt werden soll, wo Funke es später holen wollte. Zunächst stellt Arno seine tatsächliche Bedrohlichkeit unter Beweis, als in der besagten Kaufhausabteilung nachts eine weitere von ihm platzierte Bombe hochgeht. Diese richtet zwar keine Personen-, dafür jedoch erhebliche Sachschäden an...

Die nächste Geldübergabe, diesmal per Bahn, funktioniert. Allerdings kommen Strack und seine Leute Arno bedrohlich nahe, als sie Peters in der Nähe des Übergabeortes liegende Werkstatt untersuchen.

Eine zwiespältige Geschichte

Über die moralische Seite der tatsächlichen Geschehnisse Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre wollen wir uns an dieser Stelle freilich nicht auslassen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Pilotfolge der neuen Serie bei RTL+ (die später auch im Free-TV bei NITRO zu sehen sein wird). Diese besteht aus insgesamt sechs 42-minütigen Episoden, die von Zeitsprung Pictures in Köln produziert und von Ronny Schalk (Dark) geschrieben wurden. Auf dem Regiestuhl saß Hannu Salonen („Die Toten vom Bodensee“).

Außergewöhnliche Kamera

Schon in den ersten Minuten fällt die ungewöhnliche Kameraführung in der Pilotfolge auf, die beispielsweise einem sich auf dem Plattenteller drehenden Album aus dessen Perspektive folgt oder später auch diverse Anleihen an moderne Filmklassiker vornimmt. Dies gibt der Episode stellenweise eine überaus interessante Optik.

Die goldene Mitte

Ein Phantombild, mit dem nach dem Täter gesucht wird.
Ein Phantombild, mit dem nach dem Täter gesucht wird. - © RTL+ und RTL Deutschland

Weiterhin hervorzuheben ist die Charakterzeichnung. Mišel Matičević als Ermittler und Doğuhan Kabadayı als sein flippiger Partner sind natürlich relativ stereotype Figuren, wie wir sie in zahlreichen anderen deutschen Krimiproduktionen vorfinden. Das jedoch macht die beiden keineswegs weniger sympathisch, sondern verleiht ihnen vielmehr den Anstrich des Wohlbekannten.

Eine gelungene Gratwanderung findet dafür bei der von Friedrich Mücke gespielten Hauptfigur statt. Zwar wird uns Arno Funke nicht als gewaltbereiter und gewissenloser Gangster geschildert, der über Leichen geht (was der echte Dagobert in der Tat auch niemals gewesen ist). Sondern wir erleben ihn als zu Depressionen neigender und von Selbstzweifeln zerfressener Verlierertyp.

Doch übertreibt man es andererseits hierbei nicht mit dem Antiheldenflair und der Zuschauer ist sich durchaus darüber bewusst, dass der kommende Kaufhauserpresser Dagobert (diesen Namen erhält er in der Pilotfolge übrigens noch nicht) - wenn auch durch seine Lebensumstände ausgelöstes - Unrecht begeht.

Dagobert und wir halten die Luft an

Trotzdem ist die Erpressergeldübergabe mit überaus gekonntem Spannungsaufbau verbunden. Wer sich ein klein wenig mit den der Serie zugrunde liegenden tatsächlichen Ereignissen beschäftigt hat weiß natürlich, dass diese klappen wird. Doch dabei zuzuschauen hat durchaus trotzdem seine Thrillerserien-Momente. Und der gute Arno, der vor lauter Nervosität während des Besuchs der Polizei in Peters Werkstatt am Lack zu schnüffeln beginnt, tut uns leid, obwohl er eben ein Verbrecher ist. Dergleichen konnte man bekanntlich schon in den Kindertagen des Films recht gut.

Fazit: Vielversprechender Auftakt

Auch wenn die Pilotfolge von „Ich bin Dagobert“ nicht voll und ganz ohne Klischees auskommt, liefern die Macher eine gut geratene Eröffnungsepisode ab. Neben der für einen Krimiserien-Stoff (True Crime in diesem Fall...) natürlich unabdingbaren Spannung kommt auch die Psychologie nicht zu kurz. Die stets mit einem gewissen Augenzwinkern agierenden Hauptdarsteller tun das ihre, um den Zuschauer gespannt auf die weiteren Serienfolgen zu machen. Krimifans und an der jüngeren Geschichte Interessierte sind natürlich das Zielpublikum der Wahl.

Von uns gibt es für den Anfang vier von fünf tauben Knallfröschen.

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