I Am Not Okay with This: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Pilotepisode der US-Serie I Am Not Okay with This (c) Netflix
Die Netflix-Serie I Am Not Okay with This verbindet Humor und Tragik in einer Coming-of-Age-Geschichte um seine 17-jährige Protagonistin Sidney (Sophia Lillis, Sharp Objects), die sich nicht nur mit dem Erwachsenwerden und dem Highschool-Leben, sondern auch mit einem angeknacksten Familiensegen und seltsamen Kräften herumschlagen muss, die sich langsam, aber sicher manifestieren.
Worum geht es im Auftakt von I Am Not Okay with This?
Sidneys Leben befindet sich im Wandel, während sie sich nach einer Vielzahl an Umzügen in einer amerikanischen Kleinstadt akklimatisiert. Doch zwischen ihr und ihrer besten Freundin Dina (Sofia Bryant), in die sie sich heimlich verguckt hat, droht, eine Kluft zu entstehen, als diese ihr erzählt, dass sie mit dem Footballspieler Brad (Richard Ellis) auf den Abschlussball geht und nun mit ihm zusammen ist. Ihre Frustration und unterdrückte Wut darüber manifestiert sich in einem seltsamen Phänomen, als Brad plötzlich mit Nasenbluten zu kämpfen hat, was sie zunächst als seltsamen Zufall abtut.
Zu Hause kümmert sie sich um ihren aufgeweckten und fleißigen kleinen Bruder Liam (Aidan Wojtak-Hissong), während ihre Mutter Maggie (Kathleen Rose Perkins) arbeitet. Zu dieser hat sie, ganz besonders seit dem Suizid ihres Vaters, ein schwieriges Verhältnis, denn sie empfindet sie als keine wirkliche psychologische Stütze in dieser komplizierten Situation. Ihr Ärger darüber resultiert wiederum in einem ohne ihre Berührung entstehenden Riss in der Wand, den sie sich nicht richtig logisch erklären kann und dies kurzerhand auf das in die Jahre gekommene Haus schiebt. Ihr einziger Lichtblick ist Stanley Barber (Wyatt Oleff), ein Junge aus der Nachbarschaft, der sie dazu einlädt, mit ihm abzuhängen und mit welchem sie zu ihrer Überraschung sehr gut klarkommt.
Welchen Eindruck macht die erste Episode?
Die beiden großen Inspirationsquellen von „I Am Not Okay with This“ kommen von den bei Stranger Things involvierten Produzenten sowie The End of the F***ing World, dem Erstlingswerk des Autors Charles Forsman, auf dessen Comicvorlage auch diese Serie beruht. Auch wenn die Serie in etwa in der Gegenwart angesiedelt ist, äußert sich dies auch in dem Retrocharme, den man versucht zu verbreiten, was sich in der Wahl des passenden Soundtracks, der gewählten Farbgebung der Bilder oder der scheinbar in der Vergangenheit stecken gebliebenen Kleinstadt äußert. Ähnlichkeit mit Forsmans erster Adaption werden in den cleveren Dialogen und der tragisch-düsteren Stimmung, gepaart mit den humorvollen und sarkastischen Observationen der Hauptfigur deutlich.
Als treibende Erzählform hat man den inneren Monolog von Protagonistin Sidney gewählt, die die Geschehnisse aus dem Off (siehe auch: Voice-over) vorträgt und kommentiert. Dies mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, doch während mir diese Narrativ-Wahl generell gefällt, so ist es hier einfach auch die beste Form, die inneren Konflikte und Gedanken einer introvertierten Figur wie Sindey für den Zuschauer greifbar nach außen zu kehren. Sophia Lillis trägt die sie plagende teenage angst dabei sehr überzeugend vor und schultert ihre Hauptrolle mit Bravour. Mit einem kleinen Ausblick auf die kommenden Episoden kann man auch Wyatt Oleff in der Rolle des Stanley Barbers ein Kompliment machen, zu welchem Sidney eine Beziehung aufbaut. Beide Darsteller waren übrigens bereits im ersten Part des Horror-Remakes von Stephen Kings „It“ gemeinsam auf der Leinwand zu sehen.

Auch im Hinblick auf eigene Erfahrungen als introvertierter Teenager mit Hang zum Sarkasmus fühlen sich die Dialoge und Interaktionen der beiden vertraut und authentisch an und die Wahl einer intelligenten Hauptfigur schlägt eine gute Brücke, um den Trip dieser jungen Erwachsenen auch für ein älteres Publikum zugänglich zu machen. Generell deutet sich mit dem Suizid des Vaters und mit dem blutverschmierten Intro trotz des gelegentlichen Humors auch eine tragische und düstere Materie an und es lassen sich das Intro, die telekinetischen Kräfte, ein Abschlussball, ein mit Blut besudeltes Kleid und Sidneys überzogene mit Foreshadowing behaftete Ankündigung, ihren kleinen Bruder rabiat zu verteidigen, ziemlich einfach zu einer Art „Carrie“-Situation zusammenzählen. Mit nur sieben Episoden und einer durchschnittlichen Laufzeit von rund 20 Minuten ist man schnell am Ende der ersten Staffel angelangt, bei der sich für Kenner der Vorlage vor allem die Frage stellen wird, ob man den äußerst kontroversen Schluss hier ebenso gewählt hat.
Fazit
Mit Dear Diary liefert I Am Not Okay with This einen sehr vielversprechenden Auftakt ab. Clevere Dialoge, starke Jungdarsteller und eine mit Retrocharme angestrichene Atmosphäre treffen gelegentlich auf Humor und eine sich stetig manifestierende Portion Tragik. Dabei zeichnen sich vor allem die Alltagsmomente und die Situationen, in denen Freundschaften zerfallen oder neu geknüpft und Liebesbeziehungen angedeutet sowie aufgebaut werden, als besonders gelungen aus.
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Hier abschließend noch der Trailer zur ersten Staffel der neuen US-Serie auf Netflix I Am Not Okay with This: