Huss - Verbrechen am Fjord: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

© arin Franz Körlof als Katarina Huss (c) ZDF und Josef Persson
Wovon handelt die Serie Huss - Verbrechen am Fjord?
Die junge Katarina Huss (Karin Franz Körlof verdient sich in der Pilotepisode der Serie ihre ersten Sporen als Polizeianwärterin in einer schwierigen Einheit. Sie ist der Gruppe von Johan (Anders Berg) zugeteilt worden. Dort werden die Anfänger nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen - dumme Sprüche, überraschende Risiken und eine Menge fragwürdiger Taktiken gehören zum Alltag der Kompanie. Während ihre Mitanfängerin Lorna nach einem traumatischen Erlebnis hinschmeißt und einen neuen Ausbilder beantragt, bleibt Kati dabei. Sie will sich beweisen und es in die vorderste Reihe schaffen, dafür nimmt sie auch in Kauf, die Drecksarbeit machen zu müssen...
Das Polizeileben liegt ihr quasi im Blut, denn ihre Mutter Irene Huss ist die stellvertretende Chefin der Polizei.
Aber auch ein Ereignis aus der Vergangenheit macht Katis neuen Kollegen zu schaffen. Bei Ausschreitungen wurde ihr Kollege Kalle so schwer verletzt, dass er nun im Koma liegt.
Der erste Einsatz führt Kati und ihre Kollegen auf ein Fußballfeld, auf dem sich Jugendliche in einer Massenprügelei bekämpfen. Als ein Schuss fällt, wird die Situation plötzlich noch ernster, Kati verfolgt einen Tatverdächtigen und beobachtet einen Zwölfjährigen auf einem Fahrrad, der sich vom Tatort entfernt. Für ihren Einsatz wird sie von Johan jedoch nicht gelobt. Stattdessen versucht er, ihr auf unerklärliche Weise Steine in den Weg zu legen, obwohl sich schon beim nächsten Einsatz in einem Einkaufszentrum zeigt, dass Kati den richtigen Riecher hat.
Kati erkennt, dass hinter der ausgearteten Prügelei mehr steckt. Es geht um Banden, die Jugendliche mit Waffen versorgen. Doch ihre Kollegen glauben, dass Katis Ehrgeiz fehlgeleitet ist.
Schließlich darf sie überraschenderweise im Team von Darius (Kardo Razzazi), einem Mordermittler, aushelfen. Dort verfolgt sie die Spur der Waffen weiter, auch als Darius zwischendurch nicht überzeugt von ihrem Weg ist. Als Katis eigentliche Gruppe erfährt, dass ihre Mutter die Fäden gezogen hat, um sie an den Mordermittlungen zu beteiligen, verschlechtert das das Verhältnis zu ihren Kollegen zusätzlich. Doch Kati lässt sich nicht unterkriegen und spricht das Problem direkt an.
Als der Junge auf dem Fahrrad verschwindet, erkennen alle Beteiligten, dass an Katis Theorie etwas dran ist und sie halten zusammen, um den Fall zu lösen und das Kind zu finden.
Wie kommt es rüber?
Wir begleiten hier eine fast durchweg typische Krimigeschichte, eingängig gestrickt nach dem „Kind-von-Motto“. Kati liegt das Ermitteln halt im Blut. Ihren Mitanfängern ist sie haushoch überlegen, vor Leichen ekelt sie sich nicht, sie kennt das ja schon von zu Hause aus; schließlich ist sie das Kind der Ausnahmepolizistin Irene Huss. Sie hat dementsprechend passenden Ehrgeiz und auch die Möglichkeit, sich aus der Polizeischule heraus direkt mit Mordfällen beschäftigen zu dürfen. Aber natürlich möchte sie keine unlauteren Vorteile einheimsen und wehrt sich gegen die Hilfe ihrer Mutter, selbstverständlich erst im Nachhinein.
So richtig viel Neues gibt es nicht zu sehen in der Pilotepisode der Serie Huss - Verbrechen am Fjord. Wer schon mehr als ein, zwei Krimis gesehen hat, der wird viele Archetypen an Bildschirmermittlern wiedererkennen. Was die Serie jedoch an aktueller Entwicklung aufnimmt, ist die Frage danach, wie angemessen das Vorgehen der Polizei auf der Straße ist und wo die Grenze verläuft. In der Pilotepisode ist diese Grenze für Lorna überschritten, nachdem Johan die Einheit unvorbereitet auf eine sich entfernende Gruppe von jungen Männern gehetzt hat, wobei Lorna verletzt wird. Sie lässt sich innerhalb der Polizei versetzen, was uns zeigt, dass es sich hier um einen fragwürdigen Apfel in Form von Johann handelt, offenbar weniger um ein strukturelles Problem...
Kati steht damit zwischen verschiedenen Stühlen, was in mancher Hinsicht interessanter werden könnte als die Fälle. Sie muss und will sich in der harten Kompanie beweisen und empfindet Lornas Weg als schwach. Kati will nicht das System verändern, sondern sich darin hocharbeiten - so, wie es einst ihre Mutter getan hat.
Dafür muss sie Dienst in der Uniform schieben und sich mit Typen wie Johan herumärgern. Doch auch von dem darf man schon annehmen, dass er verschiedene Facetten hat. Wie glaubwürdig diese bleiben, muss der Rest der Staffel zeigen.
Damit es für uns Zuschauer aber nicht zu langweilig wird, darf sie auch immer wieder dank Darius und ihren guten Verbindungen in die Mordermittlungen schnuppern.
Der Fall der Pilotepisode ist so klischeehaft, dass es sich nicht wirklich lohnt, zu viel Zeit darin zu investieren. Er verläuft lediglich im Hintergrund zu Katis Problemen.
Hier ist zwar insgesamt kein Ausnahmekrimi am Werk, aber dafür durchaus eine solide Feierabendunterhaltung zu entdecken, bei der man nicht so richtig hingucken muss, aber durchaus interessiert daran sein darf, wie man sich als junger Mensch in einer bestimmten Umgebung hochkämpfen kann. Und das in einer Zeit, in der viele zunehmend darauf hinweisen, dass man das System nicht nur von oben und innen verändern sollte.