Für durchgängig gute Quoten am Donnerstagabend sollte die neue Comedyserie How to be a Gentleman sorgen. Doch bereits die erste Episode hinterließ eine Delle im Zuschauerinteresse. Zurecht, denn trotz vielversprechendem Cast ließ die Serie zu wünschen übrig.

Andrew (David Hornsby) und Bert (Kevin Dillon) in der Comedyserie „How to be a Gentleman“ / (c) CBS
Andrew (David Hornsby) und Bert (Kevin Dillon) in der Comedyserie „How to be a Gentleman“ / (c) CBS

Die neue Comedyserie How to Be A Gentleman handelt vom reserviert und konservativ auftretenden Andrew Carlson (David Hornsby), der in bester Frasier-Manier schon in der Schule ein Außenseiter war. Er hatte als Autor einer Benim-Kolumne seine Nische in der Arbeitswelt gefunden, bis eines Tages „sein“ Magazin den Besitzer wechselte und seine Kolumne nicht mehr gefragt war. Etwas mit „mehr Biss“ sollte er laut seinem Verleger abliefern.

Und so geht es hinein in die neue Comedy. Denn während unser Kolumnist noch überlegt, wie es mit seiner Arbeit weiter gehen soll, landet er unversehens in der Gegenwart seines früheren Mitschülers Bert (Kevin Dillon): Ein oberflächlicher Macho, der ein Fitness-Studio betreibt, für das Andrew einen Gutschein von seiner Schwester hat.

Überhaupt ist Andrews Schwester Janet (Mary Lynn Rajskub) ein wenig liebenswerter Mensch: Seinen Lebtag lang musst sich Andrew Gemeinheiten anhören oder wurde von ihr gepiesackt. Und nun muss ihr rückgratloser Mann Mike (Rhys Darby) das ertragen.

Doch zurück zu Bert: Er ist der Prototyp des kleinen, größmäuligen Gauners: Aus der Highschool ist er wegen Kreditkartenbetrugs geflogen, er liebt Strip-Clubs, und das Studio seines Vaters kaufte er aus einer Schadenersatzzahlung, nachdem ihn ein Bus angefahren hat.

Nach kurzem Zögern erkennt Andrew die Chance, den für seinen Job notwendigen Schritt in eine ihm unvertraute Welt zu nehmen und sich dabei von Bert leiten zu lassen. Der erste Versuch geht halbwegs erfolgreich aus. Zwar endet ein Date mit seiner attraktiven Nachbarin (Abigail Spencer) katastrophal, aber wenigstens kann Andrew die Erkenntnis erhaschen, dass man als Mann nicht immer ein Gentleman sein kann.

Kritik

Die neue Comedyserie How to Be A Gentleman ist vorzüglich besetzt, und bei den Namen Rhys Darby (Flight of the Conchords), Kevin Dillon (Entourage), Mary Lynn Rajskub (24) und Dave Foley (NewsRadio) will man die Serie einfach mögen, zumal man auch für den frisch gebackenen Vater David Hornsby Sympathien mitbringt „34569“.

Doch leider stimmt an der neuen Serie vieles nicht. Das beginnt damit, dass man sich durch die Serie durchaus in eine andere Zeit versetzt fühlt - aber eben nicht im Guten. How to Be A Gentleman könnte auf nahezu allen Ebenen auch eine Comedy aus den 90er Jahren sein können. Selbst die Kommunikation mit Videochat schafft es, antiquiert auszusehen.

Wie bei den meisten Multi-Kamera-Sitcoms hat sich der Cast im Serienpiloten von How to Be A Gentleman noch nicht so recht gefunden. Das Zusammenspiel wirkt recht hölzern.

Dazu kommt eine Vielzahl von nicht zündenden Gags: angefangen von der Anfangsmontage zum Gentlemantum, dem „cancer of the penis“-Witz von Bert, der ganzen Socke-von-der-Ex-Geschichte, das Yang-Yang-Symbol und leider auch weitestgehend die Voice-overs, die meist auch die mittelmäßigeren Comedys retten können.

Weder der Protagonist der Serie, Andrew, noch sein ungewöhnlicher Buddy Bert schaffen es, die Sympathien der Zuschauer zu erwecken - Andrew würden wohl selbst von konservativen Zeitgenossen eher argwöhnisch betrachtet und im Besten Fall als „Sonderling“ bezeichnet werden.

Und schließlich sieht auch das Setting so aus, als wäre es unter einer strengen Sparvorgabe eingerichtet worden.

Fazit

In der Quotenentwicklung am Donnerstagabend bei CBS hat die erste Episode von How to Be A Gentleman eine deutliche Delle hinterlassen, wenn die Serie auch in der werberelevanten Zielgruppe der 18- bis 49-jährigen auf Augenhöhe mit Person of Interest und The Mentalist liegt.

Auch im Unterhaltungswert ist diese Lücke zu spüren. How to Be A Gentleman bleibt leider auch das Versprechen schuldig, dass sich die Serie in Zukunft wesentlich verbessert: Die Hauptfiguren sind bis auf den Schwager unsympathisch, eine Richtung, in der der Humor unterhaltsamer werden könnte, nicht zu erkennen.

Noch mit das positivste, was man über How to Be A Gentleman sagen kann: The Big Bang Theory sah nach der ersten Episode auch ziemlich hoffnungslos aus...

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