How I Met Your Father 1x01

How I Met Your Father 1x01

Auf gleich neun Staffeln wurde die Sitcom How I Met Your Mother und die Erzählung des Kennenlernens von Vater und Mutter bei CBS ausgebreitet. Nun probieren es neue Macher mit einem Rollentausch. Eine Frau und eben zukünftige Mutter steht im Zentrum und somit auch Hillary Duffs Figur Sophie samt ihrer Freunde.

Poster zur Serie How I Met Your Father (c) Hulu/20th Century TV/Walt Disney
Poster zur Serie How I Met Your Father (c) Hulu/20th Century TV/Walt Disney
© oster zur Serie How I Met Your Father (c) Hulu/20th Century TV/Walt Disney

Manche sehen How I Met Your Mother als gewöhnliche hang-out-Comedy rund um Freunde, die sich in ihren Wohnungen und Bars oder einem zentralen Treffpunkt wie Diners oder Ähnlichem treffen und über ihr (Dating-)Leben philosophieren. So etwas hat man beispielsweise bei Cheers, Seinfeld oder Friends zur Genüge gesehen und es hatte sich als ziemliche Erfolgsformel herausgestellt. Doch der Twist, der einige Zuschauer bei „HIMYM“ noch mehr als bei vergleichbaren Serien eingefangen sowie zum Dranbleiben bewogen hat und die Comedy zu etwas Besonderem im Genre machte, war die zentrale Frage und das Mysterium: Wie hat Ted (Josh Radnor) die Mutter seiner beiden Kinder kennengelernt?

Und warum braucht er - beziehungsweise die von Bob Sagat vertonte Zukunftsversion seiner selbst - so ellenlang, um das alles den Kids zu erzählen? Ganze neun Staffeln waren es am Ende des Tages für das Format geworden, das übrigens ein Hybrid aus Single-Kamera und Multi-Kamera-Sitcom war. Für viele einige zu viel. Besonders das Serienfinale, was die Erfinder offenbar und nach eigener Aussage von langer Hand geplant und gedreht hatten, war dann leider auch eines, das sehr gemischte Reaktionen verursacht hatte.

Das Ende der Originalserie lief 2014 über die US-Bildschirme und 2022, nach mehreren gescheiterten Versuchen - darunter einer unter der Beteiligung von Greta Gerwig -, hat es bei Hulu endlich geklappt. Nun ist die Serie auch in Deutschland bei Disney+ angekommen. Entstanden ist eine Produktion, die das ganze Konzept ins Jahr 2022 und 2050 versetzt und diesmal eine weibliche Hauptfigur ins Zentrum rückt, die ihrem Sohn per Videotelefonat erzählt, wie sie damals dessen Vater kennenlernte. Kim Cattrall (Sex and the City) lässt es sich diesmal nicht nehmen, persönlich als ältere Sophie in Erscheinung zu treten. In der Gegenwart schlüpft Hillary Duff (Younger, „Lizzie McGuire“) in die Hauptrolle.

Tinder, City Bikes und Uber als Neuerungen?

Um es direkt zu klären, weil ich vorab Missverständnisse gelesen habe: Nein, es ist nicht die Story von Tracy (Cristin Milioti), wie sie Ted kennenlernt und es ist sehr wahrscheinlich auch nicht die Story um Barneys (Neil Patrick Harris) Nachwuchs. Es geht um die uns bisher unbekannte Sophie (Duff), die im Jahr 2022 und im Zeitalter der Datingapps wie Tinder den Mann ihrer Träume und fürs Leben sucht. 78 solche Dates hatte sie schon und ist es leid, aber das gehört für amerikanische Großstädter wohl dazu. Sophie nutzt Uber für ihr nächstes Date, wobei sie Jesse (Chris Lowell) und Barbesitzer Sid (Suraj Sharma) kennenlernt. Letzterer ist kurz davor, seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Als guter Uber-Fahrer hat Jesse natürlich ein Ladegerät für das Smartphone im Wagen, doch das führt später zu einem versehentlichen Telefontausch zwischen Sid und Sophie und erzwingt zudem ein Wiedersehen...

Sophie ist beruflich Fotografin, möchte aber lieber Street-Fotografin sein. Über die Chatfunktion von Tinder schreibt sie schon sehr lange und ausgiebig mit dem Meeresbiologen Ian (Daniel Augustin), der viele Interessen mit ihr teilt und eigentlich nach Traummannmaterial klingt. Beim ersten Date gesteht dieser aber, beruflich nach Australien zu müssen und glaubt, dass die gemeinsame Zukunft wegen Zeitverschiebung und Netzlosigkeit wohl sehr schwierig werden wird... Das Date läuft trotz dieser Hiobsbotschaft besser als die meisten anderen und so ist Sophie im Zwiespalt: Kämpft sie um die Chance auf die Beziehung oder lässt sie ihn direkt nach Australien abwandern?

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Have you met... Sophie?

Hulu/20th Century TV/Walt Disney
Hulu/20th Century TV/Walt Disney - © Hulu/20th Century TV/Walt Disney

Zwischenzeitlich lernen wir ihre Mitbewohnerin Valentina (Francia Raisa) kennen, die eine sehr körperbetonte Beziehung mit dem Briten Charlie (Tom Ainsley) begonnen hat, welcher auch zunächst in ihrer WG unterkommen soll. Doch Charlie benimmt sich stellenweise wie ein Alien, der einen Kulturschock nach dem anderen in NYC erlebt und wie eine Klette an Valentina hängt. Dafür scheint der Sex enorm erfüllend zu sein...

Später besuchen Sophie, Valentina und Charlie die Bar von Sid und crashen die Verlobung, die als Überraschungsparty geplant war, auf der Suche nach Sophies verlegtem Telefon. Bei „HIMYF“ ist die Clique nicht von Beginn an miteinander vertraut, wobei bei „HIMYM“ auch Robin erst als späteres Gangmitglied dazukam. Hier sind es eher zwei Trios, die vermischt werden, und sich auch nicht unbedingt ewig kennen. Es gibt nicht unbedingt Eins-zu-eins-Entsprechungen bei der neuen Serie aus dem Comedy-Franchise und selbstredend entwickelt sich manches ohnehin erst im Lauf der Serie in bestimmte Richtungen. Aber so halbwegs passt es.

Sophie (=Ted) und Valentina (der Marshall-Ersatz) kennen sich natürlich. Charlie ist neu und eine Art Barney für eine Frau. Jesse ist ein wenig die Art Robin. Sid passt nicht ganz ins Muster und auch seine Schwester Ellen (Tien Tran) ist eher ein Hybrid aus Figuren wie Barney und Phoebe aus Friends mit einem LGBTQ-Element. Vieles der alten Formel wird trotzdem über die Serie gestülpt. So zum Beispiel das Erzählformat und die Hybridstruktur aus traditioneller und moderner Comedy (also Single-Kamera vs. Multi-Kamera), wobei hier ähnlich wie bei The Mandalorian so eine Art virtuelles Set benutzt wird (etwa bei der Brooklyn Bridge).

Hulu/20th Century TV/Walt Disney
Hulu/20th Century TV/Walt Disney - © Hulu/20th Century TV/Walt Disney

Dazu kommen teilweise cringy, aber teilweise auch liebenswerte Mom-/Dad-Jokes bei diversen Insidern und Running Gags der Figuren (in Folge zwei zum Beispiel die Momoa-Sache zwischen Sophie und Ian, die etwa an die Doppelgänger der Clique aus dem Original erinnert) und natürlich auch der obligatorische Twist am Ende der ersten Folge, dass Sophie an diesem Tag den Vater ihres Kindes kennengelernt hat. Was prinzipiell den Kreis der Verdächtigen klein macht und Ian, Charlie, Jesse sowie Sid umfasst. Aber Twists und bisher ungesehene Begegnungen sind natürlich trotzdem möglich. Sind die Macher wirklich so durchschaubar, Jesse als Vater anzudeuten?

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Wait for it?

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Hulu/20th Century TV/Walt Disney - © Hulu/20th Century TV/Walt Disney

Stellt sich also direkt die Frage, ob die Macher aus dem Original gelernt haben und für den Fall der Fälle schon mal ein Ende parat haben, das schon am Ende einer Staffel präsentiert werden könnte oder spekulierte man auf die mittlerweile erfolgte Verlängerung der Serie und lässt es offen? Die Vorzeichen sind jedenfalls andere als bei CBS, bei dem „HIMYM“ immer dem extremen Quoten-Druck ausgesetzt war und sich zumindest anfangs gerne mal von Staffel zu Staffel (respektive Folge zu Folge) hangelte, ehe sich neben einer weltweiten Popularität auch die im Endeffekt ausschlaggebenden US-Quoten einstellten. Networkserien drehen meistens nur mit einigen Wochen Vorlauf zur Ausstrahlung und hätten auch jederzeit aus dem Programm fliegen können, was in den letzten Jahren aber immer seltener wurde, sofern es sich nicht um einen immensen Flop handelt, der das Rating und Werbeeinnahmen runterzieht.

Bei einem Streamingdienst wie Hulu hingegen muss man - theoretisch - keine Absetzung mitten in der Season fürchten, sondern kann pro Staffel planen und in Ruhe drehen. Tatsächlich wurde dann ja schon während der Ausstrahlung der Debütstaffel eine zweite bestellt.

Doch was ist der Sweet Spot für eine solche Comedy mit zentralem Rätsel? Streamingdienste haben andere Contentbedürfnisse und die wenigsten Hulu-Serien, fernab von The Handmaid's Tale vielleicht, haben bisher mehr als drei Staffeln überdauert. Auf ein bis drei Staffeln kann man das sicherlich strecken, sofern die Dynamik, der Humor und der Flow stimmt.

Doch leider, so muss man nach zwei angeschauten Folgen Bilanz ziehen, scheint der Humor, obwohl die „HIMYM“-Hochzeit noch gar nicht so lange her ist, etwas in der Zeit stecken geblieben zu sein. Oder aber das dortige Ensemble konnte einfach mehr aus dem Material holen. Ein Schauspieler des Kalibers Jason Segal, Neil Patrick Harris oder Alyson Hannigan entdecke ich im Cast jedenfalls noch nicht. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Cobie Smulders vor der Serie auch noch recht unbekannt war und mit dem richtigen Material glänzen konnte. Doch bei einer fortlaufenden Comedy ist es vielleicht noch ein Stück weit schwieriger, die Zuschauer bei der Stange zu halten.

Einen eher frauenlastigen Ansatz, der weniger prollig, sondern dank Duff, die auch mit produziert, zeitgemäßer daherkommt, kann man natürlich probieren. Fraglich ist jedoch, ob das Vorhaben dann aufgeht. Sicherlich sind viele potentielle Zuschauer wegen des bekannten Namens erst einmal offen für ein Reingucken, doch dann sehen sie eine recht generische, fast schon altmodische Comedy, die irgendwie auch nur eine weniger unterhaltsame Kopie mit einigen ausgetauschten Elementen ist. Die Zeit von Serien wie How I Met Your Mother oder auch Two And A Half Men, in der pro Folge ein Date-der-Woche die Figuren beschäftigt, scheint größtenteils vorbei zu sein.

In den USA gibt es den idiomatischen Ausdruck lightning in a bottle - also, etwas Schwieriges versuchen, das kaum machbar ist. Das galt damals für den Twist im Piloten von „HIMYM“ und das lässt sich nicht so einfach erzwingen. Das ist so, als wolle man, auf Teufel komm raus, ein virales Video drehen. Ein ähnliches Problem sehe ich nun beim Einstand von How I Met Your Father, wobei erschwerend eventuell noch dazukommt, dass das suboptimale Ende des Originals viele Fans verprellt haben könnte, die nicht noch einmal Zeit in eine „Mogelpackung“ investieren wollen.

Diese theoretischen Gedanken müsste man sich aber gar nicht machen, wenn das Wichtigste - die Gags und die Chemie des Ensembles miteinander - auf Anhieb stimmen würde, aber das tun sie leider nicht. An sich mag ich die simple Art und Weise, wie Charlie als etwas merkwürdiger britischer Kauz dargestellt wird, sehr gerne. Die meisten anderen Figuren, mit Ausnahme von Ellen, sind aber wenig bemerkenswert und leider auch überaus austauschbar.

Fazit

Hulu/20th Century TV/Walt Disney
Hulu/20th Century TV/Walt Disney - © Hulu/20th Century TV/Walt Disney

Die ersten Folgen wirken, wenn man nett ist, einfach nur wie eine mittelprächtige Comedy, die aussieht, wie eine Multi-Kamera-Sitcom und die durch verschiedene Elemente relevant sein möchte: Namedropping von Trends, der Cast, der augenscheinlich diverser ist als bei „HIMYM“ und eben die etablierten Mechaniken, denen man einen leicht neuen Anstrich verpasst. Hinzukommt schon in der ersten Folge ein easter egg rund um die Wohnung einer Figur, das irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes ist... Aber manche vielleicht an schönere Zeiten erinnert.

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How I Met Your Father: Deutscher Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur nun auch in Deutschland gestarteten Serie „How I Met Your Father“ beim Streamingdienst Disney+:

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 8. Juni 2022

How I Met Your Father 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(How I Met Your Father 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Pilotfolge
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 18. Januar 2022 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 8. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 8. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 8. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 8. Juni 2022
Autoren
Isaac Aptaker, Elizabeth Berger, Carter Bays
Regisseur
Pamela Fryman

Schauspieler in der Episode How I Met Your Father 1x01

Darsteller
Rolle
Chris Lowell
Suraj Sharma
Sid
Tom Ainsley
Tien Tran

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