House of Ninjas: Review der ersten beiden Episoden der Netflix-Serie

House of Ninjas: Review der ersten beiden Episoden der Netflix-Serie

Die japanische Spionage-Actionserie „House of Ninjas“ will klassische Kampfkunst mit einer modernen Erzählweise kombinieren, fühlt sich dabei aber stellenweise zu stark in die Länge gezogen an. Mehr dazu gibt es in unserem Review zu den ersten beiden Episoden.

Szenenfoto aus „House of Ninjas“
Szenenfoto aus „House of Ninjas“
© Netflix

Das passiert in „House of Ninjas“

Die Tawaras sind in House of Ninjas nicht irgendeine Familie, sondern ein Shinobi-Clan mit langer Tradition. Seit vielen Generationen verwenden die Ninjas ihre Fähigkeiten im Kampf gegen das Böse und lenken die Geschicke Japans mit. Als jedoch der älteste Sohn Gaku während eines Einsatzes stirbt, ziehen sich die Tawaras zurück und führen fortan ein ganz normales Leben. Eines Tages taucht jedoch eine Bedrohung auf, die größer als alles ist, womit sie es je zu tun hatten. Haru (Kento Kaku) und der Rest der Familie haben keine andere Wahl, als die Ninja-Roben wieder anzuziehen und gegen die neuen Feinde anzutreten.

Langatmigkeit

Besprechung in „House of Ninjas“
Besprechung in „House of Ninjas“ - © Netflix

Eine Ninja-Familie, die noch heute im Geheimen in Japan agiert und gegen einen schier übermächtigen Feind in atemberaubend choreografierten Kämpfen antritt, klingt immer spannend. Grundsätzlich könnte genau das „House of Ninjas“ auch sein, zumal die zu sehenden Actionsequenzen tatsächlich zwar recht konventionell, dafür aber auch routiniert inszeniert sind. Das Problem der Serie ist indes, dass es ausgehend von den ersten beiden Episoden leider zu wenig davon gibt, während sich ansonsten viel zu oft gähnende Langweile breit macht. Die Serie beginnt mit einer heißen nächtlichen Shinobi-Einlage, bei der der älteste Sohn des im Mittelpunkt stehenden Tawara-Clans stirbt.

Geschockt zieht sich das Familienoberhaupt Sōichi (Yōsuke Eguch) daraufhin aus dem Geschäft zurück und führt fortan ein ganz normales Familienleben. Die ausbleibenden Honorare der Behörde für Ninja-Angelegenheiten sorgen entsprechend bald dafür, dass die Tawaras in finanzielle Nöte geraten. So gelingt es dem Behördenchef, ein Familienmitglied nach dem anderen für den Kampf gegen eine Bedrohung ungeahnten Ausmaßes zu rekrutieren. Bis es endlich soweit ist, folgt allerdings zunächst einmal eine langatmige und nichtssagende Einführung in die Welt der Shinobi und der Figuren. Mama Yōko hütet das Haus, Papa Sōichi versucht verzweifelt, die familieneigene Sake-Brauerei vor der Pleite zu retten, Sohn Haru verdingt sich als Befüller von Snackautomaten. Und Schwester Nagi (Aju Makita) geht zur Schule und klaut nachts zu Übungszwecken wertvolle Artefakte, um sie einige Tage später unbeschadet wieder zurückzubringen.

Fehlender Humor

Grundsätzlich ließen sich aus der Scheinnormalität der Familie eine Reihe von auflockernden Gags herausholen. Tatsächlich bemüht sich „House of Ninjas“ denn auch sichtlich um Humor. Wenn Haru etwa besagte Snacks ganz Ninja like wie Shuriken in die Fächer wirft, und sein Kollege erstaunt feststellt, wie schnell sein Kollege doch arbeitet, ist dies sicherlich ein humoriger Ansatz, der aber kaum weiterverfolgt wird. Einerseits weist der Weltenaufbau der Serie durchaus Comic-Relief-artige Elemente auf, diese fallen aber dann zu blass aus und sind zu rar gesät. Eine Behörde für Ninja-Angelegenheiten einzuführen, ist eine tolle Idee, doch warum macht man nur so wenig daraus? Der Ansatz für eine Portion gesunder Skurrilität ist ja da, entsprechend sinnvoll wäre es, ihn zu nutzen. Man wird aber letztlich das Gefühl nicht los, dass sich „House of Ninjas“ nicht entscheiden kann, wie ernst sich die Show letztlich nehmen will. Dadurch entsteht ein zu langatmiger Figurenaufbau, der zudem noch von einem flachen Spannungsbogen flankiert wird. Es dauert einfach zu lange, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, weil zwischen den Kampfszenen zu wenig Interessantes geschieht. Beispielsweise ist das Kennenlernen von Haru und der Reporterin Karen Ito (Riho Yoshioka) für den weiteren Verlauf der Story zwar wichtig, die Einführung der Figur gerät aber schlicht langweilig.

Keine Power

Das ist schade, weil die Idee von „House of Ninjas“ an sich pfiffig ist und traditionelle japanische Elemente mit der Moderne vermischt, was grundsätzlich für tolle Bilder sorgen kann. Doch auch hier hapert es bisweilen. Als Locations für die Kampfszenen dienen einmal ein Containerhafen, ein anderes Mal eine Diskothek und Mama Yoko schlägt sich in einem Großraumbüro, das sie infiltriert hat, mit einem Mörder herum. Das alles geht in Ordnung, ist aber auch nicht besonders einfallsreich. Dasselbe gilt wie gesagt für die Choreografien selbst. Wie bereits betont sind die Actionsequenzen routiniert gestaltet, lassen aber die Power einer Serie wie The Brothers Sun, die mit derben Einlagen, witzigen Sprüchen und einem leichten Schuss Verrücktheit durchgehend für Unterhaltung sorgt, vermissen.

Haupt- und Nebenfiguren

Für den ein oder anderen Zuschauenden könnten sich außerdem die kulturellen Eigenheiten der Serie als zu wenig eingängig erweisen. Während es südkoreanische und chinesische Produktion weitgehend geschafft haben, sich auch in Sachen Mimik und Gestik zu modernisieren und dem internationalen Markt anzupassen, glänzt so mancher Nebendarsteller in „House of Ninjas“ mit einem zweifelhaften Overacting-Charme, an den man sich unter Umständen erst gewöhnen muss. Interessanterweise trifft das wiederum auf die Hauptfiguren nicht zu. Vor allem Tae Kimura weiß als Mutter des Clans, die einerseits so harmlos aussieht, andererseits aber kräftig zuschlagen kann, zu gefallen. Doch auch Kento Kaku als Haru erweist sich als gute Wahl, während sich möglicherweise bei seinem love interest Karen Ito die Geister scheiden könnten. Derartige Inkonsequenzen im Figurenaufbau wirken sich gegebenenfalls als störend aus und haben das Potential, das Publikum aus der Immersion zu ziehen.

Fazit

Ninjas im Schatten in „House of Ninjas“
Ninjas im Schatten in „House of Ninjas“ - © Netflix

Die Idee von House of Ninjas ist witzig und lässt auf reichlich Action mit allem was dazu gehört, hoffen. Weniger Figurengeplänkel und mehr Hauen und Stechen wäre insofern die richtige Formel gewesen, um Kurzweil in eine Serie zu bringen. Stattdessen tritt diese in den ersten beiden Folgen überwiegend auf der Stelle, kommt langatmig daher und lässt zu allem Überfluss keine Sympathie für die meisten Figuren aufkommen. Mehr oder weniger fühlt sich in der Shinobi-Sage also alles irgendwie generisch an. Da wäre definitiv mehr drin gewesen. 2,5 von 5 Punkten.

Hier abschließend noch ein Trailer zu „House of Ninjas“:

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