„Hotel Costiera“ ist nichts Besonderes, unterhält mich aber trotzdem gut

„Hotel Costiera“ ist nichts Besonderes, unterhält mich aber trotzdem gut

Mit „Hotel Costiera“ setzt Prime Video auf eine Mischung aus Cozy-Crime- und Actionfeeling vor der wunderschönen Kulisse der Küste von Positano - mit Erfolg.

Szenenfoto aus „Hotel Costiera“ mit Jesse Williams und Maria Chiara Giannetta
Szenenfoto aus „Hotel Costiera“ mit Jesse Williams und Maria Chiara Giannetta
© Prime Video

Das passiert in der Serie „Hotel Costiera“

Der ehemalige Marine Daniel De Luca (Jesse Williams, „Grey's Anatomy“) arbeitet in „Hotel Costiera“ an einem der schönsten Orte der Welt. In dem an der Küste von Positano gelegenen Luxushotel seines Freundes Augusto (Tommaso Ragno) ist er als eine Art Hausdetektiv angestellt, der die Probleme der superreichen Gäste löst. Mal geht es um eine Entführung, mal um die Überführung einer Leiche, doch vor allem sucht Daniel nach der seit einem Monat verschwundenen jüngeren Tochter Augustos, die er liebt.

Während seiner Ermittlungen stößt er auf zwielichtige Zeugen, die Alice zu sehen geglaubt haben und findet schließlich heraus, dass ihre ältere Schwester Adele (Maria Chiara Giannetta) mehr weiß, als sie zuzugeben bereit ist... Was ist mit Alice geschehen? Hat sie sich heimlich aus dem Staub gemacht, um ein neues Leben fern von ihrem herrischen Vater zu beginnen, oder steckt doch mehr dahinter?

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Hübsche Unterhaltung

Cozy-Crime-Elemente gepaart mit ein wenig Action, einem coolen Helden und einem zwar eindimensionalen, aber sympathischen Team? Diese Mixtur kommt Euch bekannt vor, denkt Ihr? Dann kann man Euch grundsätzlich nur zustimmen, denn wirklich neu oder besonders ist an „Hotel Costiera“ zunächst einmal nichts. Allerdings ist das nun nicht unbedingt ein Manko, denn die italienische, bislang in sechs Teilen beim Streamingdienst Amazon Prime Video zur Verfügung stehende Dramaserie hat auch gar nicht den Anspruch, innovativ zu sein.

Vielmehr geht es den Machern Francesco Arlanch und Elena Bucaccio offensichtlich darum, die Vorzüge ihrer Heimat Italien mit dem Flair eines prozeduralen US-amerikanischen Actionformats zu kombinieren und damit zu punkten. Ausgehend von den ersten beiden Episoden gelingt dieser Plan auch recht gut, wenn auch nicht in allen Belangen perfekt.

Die Geschichte beginnt mit einer locker-flockig vorgetragenen Szene, in der die Hauptfigur Daniel De Luca auf unterhaltsam lustige Weise den entführten Hund einer Gästin des Luxushotels zurückbringt, der von drei strunzdummen Gaunern zwecks Erpressung eines Lösegelds entwendet wurde.

Die Struktur

Die ein herrliches Urlaubsfeeling verbreitende Atomsphäre der Serie ist dabei in jeder Sekunde spürbar. Entsprechend erleben wir Jesse Williams auf einem landestypischen Roller über einsame bergige Küstenstraßen dahinpreschen, lernen seine kämpferischen Fähigkeiten und natürlich auch seinen beinahe unwiderstehlichen Charme kennen. Daniel ist letztlich das, was man landläufig als Frauentyp bezeichnen könnte. Auch diese Eigenschaft lebt er in vollen Zügen aus, was seinem Chef Augusto allerdings herzlich egal ist.

Nicht aber dessen Tochter Adele, die als Hotelmanagerin fungiert und den Ex-Marine offensichtlich nicht besonders gut leiden kann. Dennoch liefert er für die reichen und exklusiven Gäste des Hotels einen unbezahlbaren Service. Er löst die Art Probleme, die man lieber nicht von der Polizei oder von Anwälten lösen lassen möchte, diskret und zuverlässig. Die Art, in der er vorgeht, erinnert dabei szenenweise durchaus ein wenig an den Erfolgshit „Tracker (2024)“, mit dem Unterschied, dass das hierzulande bei Disney+ abrufbare Format ernster und mit einer anderen Prämisse daherkommt.

Im Gegensatz zu der Einsamer-Wolf-Attitüde des dortigen Helden Colter Shaw hat es sich Daniel zudem nicht zur Aufgabe gemacht, Dinge oder Menschen überall in den USA gegen ein angemessenes Honorar zu finden. Er übt seinen Job ortsgebunden aus. Dennoch sind gewisse Ähnlichkeiten in der Vorgehensweise der beiden und in ihrer „Jobbeschreibung“ nicht zu übersehen.

Gemeinsam haben die Serien zudem, dass neben der vertikalen Erzählweise auch ein übergreifender Handlungsbogen existiert. Geht es in ersten Fall um Colters zu lüftende Familiengeheimnisse ist es in „Hotel Costiera“ das Verschwinden von Augustos jüngerer Tochter Alice, mit der der Protagonist eine Liaison hatte. Mit anderen Worten gibt es durchaus strukturelle Übereinstimmungen, wenn wir handlungstechnisch auch letztlich eine andere Geschichte serviert bekommen.

Ton, Feel und Look

Szenenfoto aus „Hotel Costiera“ mit Jesse Williams
Szenenfoto aus „Hotel Costiera“ mit Jesse Williams - © Prime Video

Auf der atmosphärischen Ebene kommt die Prime-Video-Serie meist leicht, warm und unbeschwert daher. Die von Daniel zu lösenden Fälle stellen keine besonderen Herausforderungen für Krimiserien- oder Ratefans dar und sollen hauptsächlich die Aufgabe erfüllen, das Publikum für eine gute halbe Stunde in De Lucas Welt zu entführen. Interessanter ist da schon der Haupt-Plot, der in der Pilotfolge noch sämtliche Möglichkeiten von einer Loslösung von der Familie bis zur Entführung offenlässt, im zweiten Teil aber schon näher ins Detail geht.

Plötzlich erfahren wir nicht nur, dass Alice' Schwester Adele um ihren Aufenthaltsort wusste, sondern sie auch finanziell unterstützt hat, um sie loszuwerden. Adels erklärtes Ziel ist es, das Hotel von ihrem Vater zu übernehmen, wobei ihr Alice aber im Weg steht. Das ist zwar egoistisch, aber keineswegs bösartig. Spannend wird es erst, als uns die Macher in einer Rückblende offenbaren, dass ein Mann die junge Frau per Waffe zwang, mit ihr eine Bar zu verlassen und in einen Wagen zu steigen.

Was will er von ihr und wo ist Alice da hineingeraten? Geht es um Geld? Soll sie als Köder dienen oder geht es vielleicht um Menschenhandel? Diese und einige Fragen mehr stellen sich aufgrund dieser einen Szene, so dass man davon ausgehen darf, dass es in den letzten vier Folgen noch spannend werden könnte...

Fazit

Hotel Costiera“ könnte problemlos bei einem Networksender angesiedelt sein, macht sich aber auch als Streamingserie bisher ganz gut. Die Tonalität passt, das Ganze sieht gut aus und hat dabei eine entspannende Attitüde. Jesse Williams macht seine Sache sehr gut, obwohl sein aus Jordan Alexandra (Genny), Antonio Gerardi (Bigné) und Sam Haygarth (Tancredi) bestehendes Team zumindest in den ersten zwei Folgen recht eindimensional daherkommt.

Die Dynamik zwischen dem Quartett stimmt und jede Figur hat ihre speziellen Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Lösung des jeweiligen Falls beizutragen. Hintergrundinformationen über sie gibt es aber so gut wie keine, so dass Genny, Bigné und Tancredi zwar da, letztlich aber austauschbar sind. Das mag sich in den kommenden vier Folgen natürlich noch ändern, obwohl sich die Serie nicht danach anfühlt, allzu schwer werden zu wollen.

Hier geht es um Leichtigkeit und Feierabendunterhaltung, nicht um Background und Ernsthaftigkeit. Im Endeffekt geht das allerdings vollkommen in Ordnung, denn ich fühle mich nach den ersten rund 85 Minuten bislang recht gut unterhalten.

Wir verteilen daher zunächst vier von fünf Strandbesuchen.

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