Hotel Cocaine - darum gehen Sexs, Drugs und Bandenkriege in Miami immer

© MGM+
Das passiert in der Serie „Hotel Cocaine“
Der kubanische Emigrant Roman Compte (Danny Pino; Cold Case, Law & Order: Special Victims Unit) hat es in Hotel Cocaine geschafft. Er arbeitet als Manager im angesagtesten Hotel Miamis und verdient gutes Geld. Wäre da nur nicht sein Bruder Nestor Cabal (Yul Vazquez, Godfather of Harlem), der den Weg eines brandgefährlichen Drogenbosses eingeschlagen hat. Denn plötzlich zwingt der DEA-Cop Zulio (Michael Chiklis, Gotham, The Shield) Roman, für ihn als Undercoveragent zu arbeiten, um Nestor hochgehen zu lassen. Wider Willen spielt Compte das dreckige Spiel mit - und gerät dabei in einen Strudel aus Sex, Drogen und Gewalt...
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Chris Brancato did it again
Wenn der Name Chris Brancato im Zusammenhang mit einer neuen Serie fällt, kann man sich fast sicher sein, dass es um Drogenkartelle und Bandenkriege geht. Offensichtlich versteht sich der Produzent und Autor außerordentlich gut auf das Thema, jedenfalls erhielten seine Formate Narcos sowie dessen Spin-off „Narcos: Mexiko“ und Godfather of Harlem jeweils Spitzenwertungen von Kritikern und Fans. Interessanterweise nimmt sich Brancato ein ums andere Mal historisch verbürgte Personen und Orte zur Brust und verwebt bekannte Fakten mit einer überwiegend fiktiven Geschichte.
Nach dem Medellin- beziehungsweise Cali-Kartell und dem „König von Harlem“ Ellsworth Raymond „Bumpy“ Johnson schaut der Showrunner von „Hotel Cocaine“ nun hinter die Kulissen des legendären The Mutiny Hotel in Miami. Das Luxusresort war in den 70er und frühen 80er Jahren nicht nur für die dort residierenden Stars und Sternchen berühmt, sondern auch ein weithin bekannter Drogenumschlagplatz. Während Miami in jenen Tagen zu einem Kriegsgebiet rivalisierender Kartelle und Banden wurde, galt das Mutiny als neutraler Boden.
Der Einstieg
Geleitet wurden das Hotel und der dazugehörige Club von Burton Greenberg und dem Kubaner Roman Compte, die in der Serie dementsprechend eine große Rolle spielen. Damit hat es sich allerdings weitestgehend mit den historischen Fakten, denn wie die anderen Projekte Brancatos auch, ist die erzählte Geschichte zwar grob an diese angelehnt, ansonsten aber fiktiver Natur.
Tragisch ist dieser Umstand natürlich nicht, solange das Format genügend Style hat, über einen gewissen Coolnessfaktor verfügt und der Spannungsbogen steil ist. Alle drei Faktoren scheinen ausgehend von der Pilotfolge gegeben, denn Spaß hat man mit dem unter dem Titel firmierenden Einstieg The Mutiny allemal.
Die Serie beginnt mit einem aus dem Off von Roman Compte unterstützten Rückblick auf die Ereignisse, die den Exil-Kubaner schon in den ersten 45 Minuten ins Chaos stürzen lassen. Die ersten Szenen zeigen das hedonistische Treiben der The-Mutiny-Gäste, die ausgelassen die Nacht durchtanzen und dabei eine Nase Kokain nach der anderen schnupfen.
Dort in der Ecke steht Liza Minelli, hinten am Tisch sitzt Elton John, und im Vordergrund genießt der Drogenboss die Zeit mit zwei leicht bekleideten Damen. Das grandiose Szenenbild, authentische Kostüme und Musik sowie ein detailverliebtes Make-up und Hairstyling lassen die Siebzigerjahre vor dem Publikum aufleben und vermitteln einen kleinen Eindruck von der Vergnügungssucht der High Society.
Der witzig von Mark Feuerstein gespielte Burton Greenberg sorgt für einige abgedrehte, humorvolle Einlagen, während Danny Pino als Compte den abgeklärten, intelligenten Managertypen gibt. So richtig zusammenpassen will das Duo nicht, doch genau daraus beziehen die ersten Minuten der Serie ihren Spaßfaktor.
Der Weg ins Chaos
Schon bald erfahren wir allerdings, dass Roman kein einfacher Kubaner ist, der in dem Land seiner Träume Karriere macht. Vielmehr verrät uns der DEA-Agent Zulio in einem für die Handlung wegweisenden Dialog recht früh in der Geschichte, wen wir da vor uns haben. Roman ist niemand Geringeres als der Bruder des größten Drogenbarons Miamis, den die Drug Enforcement Administration unbedingt ausschalten will.
Da der einzige Informant aber dummerweise soeben von einer haitianischen Gang ermordet wurde, erpresst Zulio nun Roman, um für ihn zu arbeiten. Das ist vielleicht nicht gerade die spannendste Art, die Ausgangssituation einer Hauptfigur vorzustellen, dafür aber recht effektiv. Das geht insofern also vollkommen in Ordnung, zumal sowohl die Aktion als auch die Spannung von nun an stark anziehen.
Wirkte „Hotel Cocaine“ im ersten Moment noch wie eine Art „Saturday Night Fever“ auf Koks, geht es von nun an recht schnell zur Sache. Compte hatte guten Grund, sich von seiner Familie loszusagen, denn seine Frau starb in Kuba und er hat eine jugendliche Tochter, die er auf das College schicken möchte.
Das verleiht dem Plot einen Hauch Dramatik, weil Zulio genau diese Tatsache ausnutzt. Wie dem auch sei: Roman hat keine andere Wahl, als sich bei Nestor Cabal Gehör zu verschaffen. Auch hier kommt das Autorenteam wieder recht schnell zur Sache, womit klar ist, dass „Hotel Cocaine“ ein recht flottes Erzähltempo vorlegt und keine Zeit mit irgendwelchem Vorgeplänkel verliert.
Um in das Familienunternehmen aufgenommen zu werden, muss Roman nämlich eine Prüfung der besonderen Art bestehen und einen just brutal gefolterten abtrünnigen Mitarbeiter umlegen. An dieser Stelle erfahren wir etwas Neues über ihn, denn Nestor erzählt seinem Vertrauten Chucho (Juan Carlos Messier), dass sein Bruder einst allein gegen eine Einheit Castro-Soldaten antrat und als Sieger aus der Schießerei hervorging.
Solche Details stärken den Status des Antihelden wider Willen und lassen uns tiefer in den Charakter der Figur eintauchen. Im Verlauf der Folge entwickeln wir immer mehr Verständnis dafür, warum und vor allem wie Roman agiert. Die Hauptmotivation ist dabei bislang ganz klar seine Tochter. Um sie zu schützen, ist ihm jedes Mittel recht. Als Chucho mittels eines klug inszenierten Täuschungsmanövers herausfindet, dass Compte für die DEA arbeitet, will er ihn erschießen, zieht aber den Kürzeren.
Die Folge endet damit, dass Nestor und er den Schwerverletzten vor einem Krankenhaus aus dem Auto werfen. Während der eine hofft, sein Freund möge überleben, kann der andere nur beten, dass er gut genug geschossen hat, um nicht selbst dran glauben zu müssen.
Das ist ein zwar nett gemeinter, letztlich aber wertloser Cliffhanger, da sich der Rest der Serie ansonsten nur noch um Romans Flucht vor seinem Bruder drehen könnte. Dass dies allerdings wohl kaum Sinn und Zweck der Geschichte sein dürfte, ist klar, so dass in den nächsten Episoden hoffentlich noch einiges auf uns zukommen sollte.
Fazit
Wer Chris Brancatos Serien liebt und auf dessen Themenauswahl steht, wird „Hotel Cocaine“ - in Deutschland nun beim Amazon Prime Video-Channel MGM+ zum Streamen bereit - lieben. Die Pilotfolge lebt jedenfalls von einer gesunden Mischung aus dramatischen Elementen, Action, Crime, abgedrehten Humor und historischen Fakten. Die einzelnen Bausteine sind narrativ sinnvoll verwoben, werden flott vorgetragen und das Ensemble kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Figurenaufbau ist nicht zu komplex und nachvollziehbar und die Ausstattung prima. Lediglich das Thema Vorhersehbarkeit könnte den Sehgenuss über die Staffel gesehen ein wenig trüben.
Daher vergeben wir zunächst vier von fünf Taschenspiegel.