
Die Idee hinter Telenovela haben die Macher mehr oder weniger direkt aus dem Autorenraum von Jane the Virgin übernommen. Aber sie hätten bei den Kollegen von The CW auch mal anfragen sollen, wie man das Konzept mit Humor und Cleverness umsetzt. Ohne diese beiden Zutaten bleibt die Sitcom ein schwacher Abklatsch einer echten Seifenoper mit besseren Schauspielern.
Worum es geht
Ana Sofia Claderon (Eva Longoria, Desperate Housewives) ist der Star einer US-Telenovela. Das bedeutet in erster Linie, dass sie vor der Kamera in glitzernden Kleidern möglichst attraktiv auf einem Sessel in Ohnmacht fallen muss. Ansonsten muss sie vor allem möglichst jedes Klischee einer Seifenoperndiva erfüllen, Wutausbrüche inklusive. Den jüngsten Anfall dieser Art bekommt sie in der Pilotepisode nicht ganz zu Unrecht, weil die Serienmacher vergessen haben, ihr zu sagen, dass sie Anas Exmann Xavier (Jencarlos Canela), der sie ihrer Meinung nach mit Shakira betrogen hat, zum Cast geholt haben - und das nicht einmal als ihr love interest, sondern als potentiellen Liebhaber für ihre Serientochter.
Gemeinsam mit ihrer loyalen Assistentin Mimi (Diana Maria Riva, The Bridge (US)) bricht sie in die Yacht des Exgatten ein, wo dieser jedoch gerade weilt. Das führt zu einer nur wenig amüsanten Szene, in der Ana mit einem Dietrich bewaffnet von einer Dachluke ins Bett baumelt, in das sie schließlich theatralisch stürzt und damit direkt auf ihren ach so verhassten Ex plumpst.
In einem aufrichtigen Gespräch nähern die beiden sich einander schließlich an, nachdem Xavier endlich zugegeben hat, seine Exfrau wirklich betrogen zu haben (nicht mit Shakira, aber mit deren Schwester). Sie nutzen die Gunst der Stunde, ordern eine Menge Paparazzi zur Yacht und lassen sich bei innigen Küssen ablichten.
Das bringt ihr wieder den Platz der leading lady ein, womit ihre Figur von der Mutterfigur zurück zum zentralen love interest befördert wird. Gerade, als Ana also davon träumt, ihre Beziehung wieder zu reaktivieren, sieht sie, wie ihr Ex eine unbekannte Blonde abknutscht. Das führt schließlich dazu, dass sie ihm während einer Szene eine Ohrfeige verpasst und alle Figuren in bester Seifenopernmanier in Schockstarre verfallen.

Wie kommt es rüber?
Von der Idee her ist es vergleichbar mit Jane the Virgin, aber in der Umsetzung dann doch ganz anders. In Telenovela befinden wir uns wirklich am Set einer Seifenoper. Das führt dazu, dass die Serienmacher in vielen Witzen vorhersehbare Abkürzungen nehmen, was die Gagsituation alles in allem ziemlich platt ausfallen lässt. Der Star der Soap Opera spricht in Wahrheit gar kein Spanisch und zieht sich nach der Szene die falschen Brüste aus dem Kleid. Als Persiflage ist die neue NBC-Serie lieblos gemacht und erinnert an eine Hollywood-Romcom, die nicht gerade mit Augenzwinkern an ihr Thema geht.
In den ersten drei Minuten fällt Ana zweimal im Gehen auf den Boden, aus dem einzigen Grund, weil die Serienmacher wohl annehmen, dass das witzig sein könnte, anderen, besonders sehr hübschen Frauen beim Stürzen zuzusehen. Ähnlich angelegt ist die Sache mit der Ohnmacht. Einmal lässt die Darstellerin sich theatralisch vor der Kamera auf einen Sessel gleiten, hinter der Kamera besteht ihre Ohnmacht in verdrehten Augen und einem Aus-dem-Bild-Plumpsen. Der Humor wird also nicht zu hoch angesetzt.
Was nicht von Nachteil ist, wenn man auf der Suche nach einer leichten Sitcom ist, bei der man auch mal zwischendurch unaufmerksam sein kann. Es bieten sich wesentlich bessere Comedyserien im Moment an, aber auch schlechtere. Der Cast ist stark genug, um sich vom Einheitsbrei der Familiensitcoms abzusetzen. Ganz üblich ist der Plot dann eben doch nicht. Mit Eva Longoria haben sie einen großen Namen und ansonsten vor allem frische Gesichter dabei.
Fazit
Alles in allem wirkt die Serie Telenovela also schon neu und frisch, auch wenn das Spielen mit den Klischees deutlich besser sein könnte. Wenn sich das über mehrere Episoden nicht abnutzen soll, muss die Serie jedoch noch etwas zulegen.