Homeland 7x12

Homeland 7x12

Zum Abschluss der siebten Staffel präsentiert uns Homeland mit Paean to the People eine Episode, die zum Gesamtbild der Staffel passt. Diese war über weite Strecken zufriedenstellend, aber nicht herausragend. Die Routine ist der Serie anzumerken, was aber nicht unbedingt etwas Schlechtes ist.

Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) zeigt sich im Finale von ihrer eiskalten und von ihrer verletzlichen Seite. (c) Showtime
Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) zeigt sich im Finale von ihrer eiskalten und von ihrer verletzlichen Seite. (c) Showtime
© räsidentin Keane (Elizabeth Marvel) zeigt sich im Finale von ihrer eiskalten und von ihrer verletzlichen Seite. (c) Showtime

Der von Showrunner Alex Gansa geschriebenen und Regisseurin Lesli Linka Glatter inszenierten Finalepisode der siebten Staffel von Homeland gelingt, was jedem guten Finale gelingen sollte: Sie schließt die staffelübergreifenden Handlungsbögen zufriedenstellend ab und entlässt uns mit einem Cliffhanger, der Interesse auf die achte und wahrscheinlich letzte Staffel weckt. Überraschend ist das nicht - Gansa und sein Team wissen mittlerweile in- und auswendig, wie man fesselndes Dramafernsehen macht.

By any means necessary

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die großen Aufreger ausbleiben. „Homeland“ hat sich von einem Format, das vor allem in seiner ersten Staffel neue Wege ging, zu einem entwickelt, das als comfort food eingestuft werden kann. Das ist nicht negativ gemeint - viele Menschen schauen Fernsehen, um sich zu entspannen und unterhalten zu werden. Auf hohem Niveau liefert „Homeland“ genau das. Wäre das Kreativteam beispielsweise nicht von dem Wunsch beseelt, am Ende einer Staffel beinahe alle roten Fäden zusammenzuführen, hätte die Serie vielleicht noch mehr Biss.

Zu Beginn der Episode Paean to the People arbeiten Gansa und Glatter den spannenden Actionteil ab. Saul (Mandy Patinkin) gelingt es nur mit viel Glück, Simone (Sandrine Holt) aus Russland nach Amerika auszufliegen. Gleich zweimal wird ihre Ergreifung verhindert. Einmal ist es ein günstig platzierter Anruf von Yevgeny (Costa Ronin), ein anderes Mal das energische Einschreiten von Neupräsident Ralph Warner (Beau Bridges). Der mausert sich in dieser Episode mit seiner Aufrichtigkeit zum stillen Helden der Staffel.

Der schwerste Job bei Simones Überführung fällt - wie soll es anders sein? - Carrie (Claire Danes) zu. Sie muss Yevgeny und seine Schergen lange genug ablenken, damit Saul die Ausreise organisieren kann. Hierzu genügen eine braune Perücke und ein roter Schal, was die Glaubwürdigkeit ein wenig strapaziert, da Yevgeny auf diversen Überwachungskameras im öffentlichen Raum beinahe jeden von Carries Schritten verfolgt. Dass er dabei nicht einmal ihr Gesicht sieht, ist schwer nachzuvollziehen. Es gab in „Homeland“ jedoch schon weit schlimmere Vergehen gegen die Drehbuchlogik, also sei auch dieses verziehen.

Saul (Mandy Patinkin) gibt nicht auf, ehe Carrie in Freiheit ist.
Saul (Mandy Patinkin) gibt nicht auf, ehe Carrie in Freiheit ist. - © Showtime

Der Preis, den Carrie für ihr Ablenkungsmanöver zahlt, ist hoch. Sie landet in einer - überraschend großen - Gefängniszelle und bekommt mit Aleksandr (Yosef Podolski) den vermeintlich nettesten Wächter der Seriengeschichte zugeteilt. Bald jedoch stellt sich heraus, dass auch Aleksandr zu den Bösen gehört. Er hat nur so getan, als gebe er Carrie ihr dringend benötigtes Medikament. In Wahrheit hat er ihr nur ein Placebo verabreicht - auf Geheiß von Yevgeny, der ihr unbedingt ein falsches Geständnis abpressen will.

Democracies die when we're not looking

Sein Gegenargument zu Carries Einwand, die amerikanische Öffentlichkeit werde die erzwungene Aussage als solche erkennen, hätte ich vor wenigen Jahren noch als ziemlich schwach angesehen. Im Zuge des von den Russen manipulierten amerikanischen Wahlkampfs muss man jedoch konstatieren, dass es nicht allzu schwierig ist, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen. Überhaupt bewegte sich diese „Homeland“-Staffel noch näher als zuvor schon am Puls der Zeit. Auch die Verwerfungen in Washington sind ein direktes Spiegelbild der Realität.

Der desolate Zustand der höchsten amerikanischen Politikinstitutionen ist für Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) der Anlass, nach erfolgreicher Rückkehr ins Amt gleich wieder davon zurückzutreten. Sie glaubt, die tiefen ideologischen Gräben zwischen Konservativen und Progressiven nicht überwinden zu können, weshalb nun doch ihr bisheriger Vize Warner die Chance dazu bekommt. Ihre eindrücklichste - und erschreckendste - Szene ist jedoch diejenige mit Vaterlandsverräter Paley (Dylan Baker), dessen Vergebungsflehen inklusive Kniefall sie mit einem Spucken beantwortet.

Nach einem Zeitsprung von sieben Monaten ist es Saul endlich gelungen, einen Gefangenenaustausch zu organisieren und Carrie zurück nach Hause zu holen. Allerdings befindet sie sich in äußerst schlechtem mentalen Zustand. Bis zum Start der letzten Staffel, die nach einem größeren Zeitsprung und in Israel spielen soll, wird sie aber wohl wieder gesund sein. Am Ende der Serie können wir dann darüber urteilen, wie sinnvoll es gewesen ist, Carrie mit einer solch peinigenden Krankheit auszustatten. Hatte diese dramaturgische Entscheidung einen Mehrwert? Momentan bin ich diesbezüglich skeptisch, lasse mich aber gerne noch vom Gegenteil überzeugen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. April 2018

Homeland 7x12 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 12
(Homeland 7x12)
Deutscher Titel der Episode
Die Brücke über die Narva
Titel der Episode im Original
Paean to the People
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. April 2018 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. Juli 2018
Autor
Alex Gansa
Regisseur
Lesli Linka Glatter

Schauspieler in der Episode Homeland 7x12

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