Homeland 2x02

Homeland 2x02

Nach den Ereignissen der letzten Woche geht es nun ans Eingemachte: Brody verstrickt sich weiter in seinem Netz aus Lügen und Intrigen und Carrie ist wieder mittendrin im Agentenleben. Die neue Homeland-Episode ist vollgepackt mit spannenden Momenten - bis zum Schluss...

Carrie (Claire Danes) und Saul (Mandy Patinkin) beraten ihre nächsten Schritte in der Serie „Homeland“. / (c) Showtime
Carrie (Claire Danes) und Saul (Mandy Patinkin) beraten ihre nächsten Schritte in der Serie „Homeland“. / (c) Showtime

Die Episode Beirut is Back beginnt dort, wo die letzte Homeland-Folge aufgehört hatte: Carrie (Claire Danes) war ihren Verfolger losgeworden, nun passt sie auf eigene Faust ihre Informantin Fatima Ali beim Freitagsgebet ab. Saul (Mandy Patinkin) und die restlichen CIA-Kollegen wissen dabei immer noch nicht, wo Carrie sich gerade aufhält. Fatima verspricht Carrie, den Ort eines geheimen Treffens zwischen Abu Nazir (Navid Negahban) und ihrem Ehemann, einem hochrangigen Hisbollah-Kommandeur, zu verraten - gegen das ausgelobte Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar und eine sichere Ausreise in die USA. Carrie willigt ein, muss zuvor jedoch die Genehmigung der CIA-Führung einholen.

In Washington erfährt Brody (Damian Lewis) auf einer Party von Vizepräsident Walden (Jamey Sheridan), dass die israelischen Luftschläge gegen iranische Atomanlagen nur teilweise erfolgreich waren. Den Israelis fehle es an durchschlagskräftigen Bomben, sogenannten bunker busters. Die Amerikaner könnten diese liefern, doch der Präsident sträubt sich gegen die Bewilligung einer Ausfuhrgenehmigung. Als Exmarine soll Brody nun Überzeugungsarbeit leisten. Brodys Ehefrau Jessica (Morena Baccarin) gelingt es derweil, sich in der Washingtoner High Society zu etablieren.

Carrie zweifelt an sich selbst

Als Carrie dem besorgten Saul im safe house die Nachricht vom Aufenthaltsort Abu Nazirs überbringt, beruft dieser sogleich eine Videokonferenz mit seinem Vorgesetzten David Estes (David Harewood) ein. Zusammen erörtern sie, dass ein Drohnenangriff wegen der dichten Besiedlung nicht infrage kommt. Andererseits könne es sich um einen Hinterhalt handeln, bei dem ein Stoßtrupp in ein Massaker laufen würde, ähnlich der Black-Hawk-Down-Katastrophe von 1992 in Mogadishu, Somalia. Estes zweifelt zunächst an der Glaubwürdigkeit von Carries Quelle, überträgt jedoch Saul als Mann vor Ort die Verantwortung für die Fortsetzung der Operation.

Carrie überhört die Konversation der beiden, in der Saul gesteht, dass er Carrie lieber nicht in Beirut gehabt hätte und sie für mental instabil hält. Daraufhin erleidet sie eine Art Panikattacke. Als Saul sie beruhigen will, konfrontiert sie ihn mit dem soeben Gehörten und gesteht, dass sie seit der (vermeintlichen) Fehleinschätzung Brodys an ihrer eigenen Urteilsfähigkeit zweifele - im Gegensatz zum Zuschauer weiß ja noch keine Figur von Brodys doppeltem Spiel. Am Ende gelingt es ihr, Saul von der Glaubwürdigkeit ihrer Quelle zu überzeugen.

Unterdessen fragt Jessica ihre Tochter Dana (Morgan Saylor) auf dem Weg zur Vorbereitung für einen Charity-Event, ob sie Brody jemals beim Beten gesehen habe. Diese gibt zu, dass sie es verwirrend gefunden habe, ihren Vater in der für Muslime typischen Pose zu sehen. Nach dem Gespräch klettert ihre Mutter im Haus des Vizepräsidenten weiter die soziale Leiter hinauf, während Dana sich mit dessen Sohn anfreundet. Brody wird in seinem Kongressbüro von seinem alten Kameraden Mike Faber (Diego Klattenhoff) mit dem Kongressreport über den Tod von Tom Walker (Chris Chalk) konfrontiert. Faber zweifelt an der Logik des Berichts. Nachdem Brody ihn erfolglos von der Legitimität des Reports zu überzeugen versucht, willigt er ein, seine höhere Sicherheitsstufe dazu zu nutzen, möglicherweise geheim gehaltene Informationen über Walkers Tod zu recherchieren.

Was passierte am 1. Mai?

Nachdem der Auftrag zur Ergreifung Abu Nazirs von der CIA-Führung erteilt wurde, verfolgen die CIA-Offiziellen in Washington im Livevideostream die Operation in Beirut. Carrie und Saul sind via Satellitentelefon zugeschaltet. In einer kurzen Pause will sie von ihm wissen, warum er sich nach ihrem Zusammenbruch nicht mehr gemeldet habe, woraufhin er antwortet, dass Dr. Rosenberg, ihr behandelnder Arzt, ihm davon abgeraten habe, da eine Kontaktaufnahme sie zu sehr an ihre Arbeit erinnern würde. Im Pentagon darf auch Brody den Liveaufnahmen beiwohnen. Als der Kommandeur der Operation merkt, dass die Leibgarde von Abu Nazir deutlich in der Überzahl ist, ändert er das Operationsziel von „Gefangennahme“ in „töten“. Erst da bekommt Brody überhaupt mit, wer das Ziel der Operation ist - nämlich sein muslimischer Ziehvater Abu Nazir. Sogleich fangen die Rädchen in seinem Kopf an zu rattern. Die Spannung steigt auf ihren Höhepunkt, als der mutmaßliche Geländewagen von Abu Nazir im Fadenkreuz der Scharfschützen auftaucht. Brody gelingt es, unbemerkt eine SMS mit dem kryptischen Inhalt „May 1“ an Abu Nazir zu verschicken. Er wird somit zu Nazirs Lebensretter in letzter Sekunde; die Kugeln treffen lediglich Teile seiner Entourage.

Nach dem gescheiterten Attentat müssen Carrie und Fatima schnellstmöglich Beirut verlassen. Carrie hat jedoch andere Pläne. Am vereinbarten Treffpunkt schnappt sie sich kurzerhand Fatimas Hausschlüssel und eilt in die Wohnung des Hisbollah-Kommandeurs. Saul lässt sie gewähren, wird aber fortan im parkenden Wagen von neugierigen Anwohnern bedrängt. Als der Wagen mit einer Axt angegriffen wird, ergreifen sie die Flucht und lassen Carrie gezwungenermaßen zurück. Sie schaffen es aber rechtzeitig, sie vor dem bewaffneten Mob zu retten.

Zurück in Washington trifft sich Brody mit der Kontaktfrau Abu Nazirs, der Journalistin Roya Hammad (Zuleikha Robinson). Er verweist auf seine Rolle als Kongressabgeordneter und erklärt ihr, sich fortan nicht mehr in Abu Nazirs Dienst stellen zu können. Ihr gelingt es jedoch, ihn von seiner Verweigerungshaltung abzubringen. Kurz darauf trifft sich Brody mit seinem alten Platoon, das gespannt auf Antworten im Fall Tom Walker wartet. Brody enttäuscht sie jedoch mit halbgaren Ausreden. Seine alten Kameraden bleiben hartnäckig und bezeichnen den Anschlag Walkers als gezieltes Ablenkungsmanöver. Der Zuschauer weiß: Sie haben Recht.

Nach Carries Rückkehr nach Washington springt die Handlung noch einmal nach Beirut. Saul entdeckt, dass in den Rucksack, den Carrie aus der Wohnung des Hisbollah-Kommandeurs entwendet hat, ein Mikrochip eingenäht ist. Auf diesem ist das Video von Brody gespeichert, in dem er die Rechtfertigung für seinen letztlich nicht durchgeführten Anschlag auf den Vizepräsidenten aufgezeichnet hatte.

Fazit

Der exzellente Cliffhanger rundet diese mit wenigen Ausnahmen (der Treffpunkt für die Ausreise der Informantin ist deren Wohnung?) durchaus gelungene Episode perfekt ab, denn sie lebt von Anfang bis Ende von ihren Spannungselementen. Um diese zu erzeugen, spielen die Macher geschickt mit dem Hitchcock'schen Prinzip des Suspense, wonach die Zuschauer weit mehr wissen als die Protagonisten.

Zur Spannung tragen hauptsächlich zwei Erzählstränge bei: die Jagd auf Abu Nazir und Brodys Versuch, in Washington seine Doppelrolle aufrechtzuerhalten. Gegen Ende der Episode überkreuzen sich die beiden Storys sogar: Brody verhindert direkt den Anschlag auf Abu Nazir. Als Zuschauer darf man gespannt sein, wohin die Recherchen seiner ehemaligen Mitstreiter noch führen werden. Im Verhältnis zu seiner Tochter Dana scheint er sich immer wieder öffnen zu wollen. Sie merkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt, kann sich jedoch nicht erklären, was es genau ist.

An dieser Stelle soll auch noch einmal auf die großartige schauspielerische Leistung von Claire Danes verwiesen werden. Die Szene kurz nach ihrer Panikattacke, als sie Saul von der Glaubwürdigkeit ihrer Informantin überzeugt, ist ganz großes Kino!

An anderer Stelle erlauben sich die Macher bei all der Spannung und Ernsthaftigkeit sogar einen kurzen - für die Serie gänzlich untypischen - Moment des Humors. Als sich CIA-Chef Estes am Automaten Kaffee holen will, wirft dieser keinen Becher aus, sondern schüttet den Kaffee in die Abgussrinne. Estes schlägt wütend gegen den Automaten, nur um mit gequälter Miene festzustellen, dass dieser Zucker hinterher schüttet. Eine schöne Slapstick-Einlage als kurze Verschnaufpause.

Mit der Episode Beirut is Back finden die Homeland-Produzenten zurück zu alter Stärke. Sie wird fortan der Grad sein, an dem die folgenden Episoden gemessen werden. Wenn es auf diesem Niveau weitergeht, können sich Zuschauer und Fans glücklich schätzen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 8. Oktober 2012
Episode
Staffel 2, Episode 2
(Homeland 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Beirut
Titel der Episode im Original
Beirut is Back
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. Oktober 2012 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 29. September 2013
Autor
Chip Johannessen
Regisseur
Michael Cuesta

Schauspieler in der Episode Homeland 2x02

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