HIP - Ermittlerin mit Mords-IQ: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie HIP - Ermittlerin mit Mords-IQ (c) NDR/PHLIPPE LE ROUX - THIBAUT GRABHERR/SEPTEMBREPRODUCTIONS/TF1
Die ARD bringt die französische Krimiserie HIP - Ermittlerin mit Mords-IQ ins deutsche Fernsehen. Darin begleiten wir Morgane (Audrey Fleurot), eine Art moderne Erin Brokovich, die als Putzkraft in der Polizeidienststelle arbeitet - bis eine Polizeichefin die außergewöhnlichen Fähigkeiten der extrovertiert gekleideten, dreifachen Mutter erkennt und für die Mordermittlungen nutzt...
Wovon handelt die Serie HIP - Ermittlerin mit Mords-IQ?
Morgane Alvaro gehört zu den „Unsichtbaren“, der Armee von Arbeiter:innen, die selten wahrgenommen werden. Früh morgens putzt sie das örtliche Polizeirevier. Doch trist ist ihr Alltag nicht. Grell gekleidet, bewaffnet mit bunten Kopfhörern und lauter Musik, tanzt sie sich durch das verlassene Büro der Polizisten. Dabei fällt ihr eine Akte auf den Boden, die sie notdürftig wieder sortiert. Als sie während der schnellen Durchsicht einen Hinweis auf den Mörder findet, hinterlässt sie den Ermittlern einen Tipp.
Im Alltag hat Morgane es trotz ihrer hohen Intelligenz dennoch nicht leicht. Sie hat ein Problem mit Autoritäten und auch ihre eigene Impulsivität bereitet ihr immer wieder Probleme. Der Alltag der Familie, das sind Morgane und ihre drei Kinder, ist chaotisch und bunt. Der mittlere Junge hat vermutlich ihren IQ geerbt, auch er sieht die Zahlen über den Köpfen der anderen und kann in Sekundenschnelle rechnen. Ihre Älteste leidet nicht nur darunter, die Außenseiterin in der Familie zu sein, auch dass ihr Vater unter mysteriösen Umständen verschwand, geht ihr nahe.
Das alles tritt kurz in den Hintergrund, als die Kriminalpolizei vor der Tür steht und sie wegen Justizbehinderung mitnimmt. Der Ermittler Karadec (Mehdi Nebbou) und seine Vorgesetzte Hazan (Marie Denarnaud) befragen Morgane zu der Akte, die sie gesehen hat. Langsam dämmert es Hazan, dass sie hier eine außergewöhnliche Frau vor sich hat und zeigt ihr die Ermittlungsakte, um weitere Informationen zu bekommen. Das findet Karadec gar nicht lustig und glaubt eher daran, dass Morgane die Beteiligten des Falles persönlich kennt und daher wichtige Informationen besitzt.
Als Hazan dann noch Druck von oben bekommt, den Fall unter allen Umständen aufzuklären oder sie verlieren ihren Job, holt sie Morgane mit ins Boot und stellt sie dem widerwilligen Karadec an die Seite.
Wie kommt es rüber?
Das Bezauberndste an der Serie „HIP - Ermittlerin mit Mords-IQ“ ist die Hauptdarstellerin, die ihre Rolle mit Witz, Charme und Herz füllt. An der Oberfläche ist die Figur ein Klischee: das der intelligenten Frau, deren Impulsivität ihr im Weg steht und sie daher in einem Niedriglohnjob steckt. Die drei Kinder von zwei Vätern kommen natürlich passend ins Bild oben drauf. Die Stärke des Drehbuches ist es jedoch, diese Klischeeparameter mit Leben zu füllen, so dass es sich dann plötzlich gar nicht mehr so stereotyp anfühlt. Dazu gehört unter anderem die Geschichte ihrer beiden Verflossenen, die so gar nicht in das Bild passen will, das die Vorurteile einem diktieren. Sie holen die schillernde Morgane aus der Stereotypecke und schenken uns eine interessante Persönlichkeit, die bunt genug bleibt, um unterhaltsam zu sein, aber sich trotzdem echt genug anfühlt, um sie ernst nehmen zu können.
Ebenfalls quer zu den Erwartungshaltungen der klischeegewöhnten Zuschauer verläuft das Verhalten der anderen Figuren. Wie man erwarten darf, wehrt sich Karadec gegen die ungewöhnliche Partnerin, aber dahinter bleibt er individuell. Er nimmt sie ziemlich schnell für voll und lässt das Problem aus, Morganes Hinweise nicht ernst zu nehmen und dadurch etwas zu übersehen.
Morganes Autoritätsproblem wird nicht wie in anderen Fernsehproduktionen einfach stets behauptet, sondern an der Serienrealität getestet. Morgane rebelliert nicht gegen ihre Kollegen, aber gegen die Regeln und Strukturen des Rechtsstaats, die in sich ja an einigen Stellen auch absurd sind.
Die Fälle in der ersten Episode sind gerade interessant genug, damit man gedanklich nicht abdriftet, aber sie spielen sich nie so in den Vordergrund, dass sie die Charakterentwicklung oder Dynamik stören würden.
Fazit
Insgesamt machen die Serienmacher so ziemlich alles richtig, wofür sie angetreten sind. Sie unterhalten mit einer soliden Geschichte und schaffen ein liebenswertes Universum um eine bezaubernde Hauptfigur.
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